Montag, 23. November 2015

Bistum Münster will mit 5 Mio Euro Pfarreien die "Angst vor Überforderung" in der Flüchtlingshilfe nehmen

Heute las ich folgenden Tweet vom Bistum Münster mit großem Interesse: "Bistum Münster stellt fast fünf Millionen Euro für bereit: "
Fünf Millionen Euro, dass ist schon eine ordentliche Summe, die das Bistum für einen guten Zweck in die Hand nimmt, welche eigentlich eine gesamtgesellschaftliche, keine rein kirchliche Aufgabe ist. Oder doch?

Es kommt drauf an, was das Bistum unter dem Begriff "Flüchtlingsarbeit" fasst. In der verlinkten Pressemeldung auf der Bistumshomepage wird dies ein wenig erläutert. Mit dem ursprünglichen Betrag von 1,5 Mio Euro hätten Pfarreien in Gebäude investiert, in denen Flüchtlinge aufgenommen worden seien und sei außerdem "ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe" gefördert worden, heißt es dort. Mit der Aufstockung des Beitrags auf 5 Mio Euro wolle man den Pfarreien die Sorge nehmen, dass das Engagement für Flüchtlinge sie überfordern könne, las ich dann mit etwas Verwunderung. Genauso hatte mich bereits vor zwei Monaten die Nachricht erstaunt, dass das Offizialat Vechta 250.000 Euro investiert, um Wohnraum für zehn (!) Flüchtlinge zu schaffen.

Nun muss man allerdings diese relativ kleinen Summen im Verhältnis zum Gesamthaushalt beider Kirchenverwaltungen sehen. Bei einem Gesamthaushalt im Jahr 2014 von ca. 420 Mio. Euro sind 5 Mio gerade mal etwas mehr als 1 Prozent. Also ist die "Hilfsbereitschaft" des Bistums eher symbolisch als real einzordnen. Es ist wohl eher ein politisches Zeichen: "Wir nehmen Geld für Flüchtlinge in die Hand." In allen Bistumsmedien wurde in den vergangenen Wochen die Parole herausgegeben, dass "wir" alle Flüchtlinge willkommen zu heißen haben.

Im Gegensatz zu vielen anderen Katholiken konservativer Orientierung begrüße ich grundsätzlich diese Haltung. Flüchtlingsfeindlichkeit und christlicher Glaube und Kultur sind wie Feuer und Wasser unvereinbar. Eine Kirche, die glaubhaft sein möchte, muss diesen Standpunkt gegen jede populistische Meinungsgegnerschaft kompromisslos verteidigen.

Dennoch ist es nicht die Aufgabe von Bistumsverwaltungen, die Unterbringung von Flüchtlingen finanziell zu unterstützen. Für den Wohnungsbau sind private Investoren und der Staat verantwortlich. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Kirche hat höchstens die Aufgabe, Staat und Bürger daran zu erinnern, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Und dies tut sie auch durchaus erfolgreich. Viele tausende Bürger spenden Sach- und Geldleistungen und leisten freiwillige Arbeit, um Flüchtlingen zu helfen.

Was anderes ist die immaterielle Flüchtlingsarbeit. Da eröffnet sich eine riesige Aufgabenvielfalt für die Kirchen. Denn die Menschen, die ihre Heimat verloren haben, brauchen weitaus mehr als nur ein Dach über ihren Kopf und was zu essen und warme Kleidung. Häufig leiden sie unter seelischen Verletzungen und brauchen auch eine Neuorientierung. Da kann die Kirche ihnen viel geben. Kirchengemeinden leisten in dieser Hinsicht bereits sehr viel. So haben zum Beispiel Gemeindemitglieder aus meinem Nachbardorf ihre neuen Mitglieder zu sich nach Hause eingeladen oder mit ihnen etwas gemeinsam unternommen. Es muss nicht alles viel Geld kosten, um diesen Menschen Freundlichkeit und Nächstenliebe zukommen zu lassen.

Dass das Bistum nun auf einmal doch plötzlich "viel" Geld locker machen kann, ist für mich aus anderer Perspektive bemerkenswert. An den Kosten für die Renovierung der Bauschäden unserer Pfarrkirche beiteiligte sich das Bistum von acht Jahren "nur" mit 65%. 126.000 Euro (35%) musste unsere Pfarrgemeinde selbst vor Ort durch Spenden ihrer Gemeindemitglieder aufbringen. Es gibt noch drei weitere Kirchengebäude in unserer Pfarrei, die ebenfalls immer wieder renoviert werden müssen. Auch für die Renovierung unserer Kirchenorgel und unseres Hochaltars müssen in diesem und kommenden Jahr 45.000 Euro an Spenden aufgebracht werden.

Zudem bittet unserere Pfarrei trotz der bereits erhobenen Kirchensteuer ihre Glieder alljährlich um Entrichtung eines zusätzlichen freiwilligen Ortskirchengeldes. Grund: Sie kommt mit ihren Einnahmen nicht aus, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Dabei wohne ich im katholischen Südoldenburg, nicht in der Diaspora im Norden des Oldenburger Landes. In Wilhelmshaven und anderen Orten gab es bereits viel Ärger, weil Kirchen profanisiert wurden. Argument: "Wir müssen sparen!" Bei Pressemeldungen über den Haushalt unseres Offizialates werden wir Katholiken im Oldenburger Land bereits vorbereitet, dass die derzeit noch "erfreulich gute Finanzlage" unserer Kirche sich in absehbarer Zeit verschlechtern wird. Unter diesem Hintergrund betrachtet sind fünf Millionen dann auf einmal doch viel Geld.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen