Sonntag, 8. November 2015

An Gott glauben zu können ist reine Gnade

Heute kam ich mit einer Frau über den Glauben in ein Gespräch. Wir unterhielten uns über die Segnungen und den Fluch der modernen Medizin und diskutierten über die Sterbehilfe. Beide haben erlebt, wie die heutigen Möglichkeiten zur Lebensverlängerung auch zur Verschlimmerung des Leides für Menschen werden können, die sonst früher verstorben wären.

Ich bekannte dabei meinen Glauben, dass Gott zwar dieses Leid zulässt aber niemanden in einer solch tiefen Not verlässt, selbst wenn er jahrelang zwischen Tod und Leben hängt. Dies bezweifelte meine Gesprächspartnerin. Es könne nicht im Sinne Gottes sein, dass dieses Leid geschieht, die Menschen, die den Tod verhinderten, würden gegen seinen Willen verstoßen.

Darauf antworte ich, wenn es Gott nicht zulassen könnte, wäre er nicht allmächtig. Es ist also sein Wille, dieses Leid zuzulassen. Kein Mensch kann dem Leid entgehen, dass Gott ihm zugedacht hat, aber er lässt niemand in seinem Leid allein, sagte ich ihr. Selbst wenn ein Mensch im Koma ist. Gleichgültig, wie groß der medizinische Fortschritt ist, letztendlich ist Gott Herr über Leben und Tod.  Er kennt unsere Sterbestunde genau. Diese Erklärung konnte meine Gesprächspartnerin nicht akzeptieren.  Je mehr Leid sie erlebt und erfahren habe, desto weniger könne sie an Gott glauben, geschweige zu ihm beten, bekannte sie mir.

Das macht mich sehr traurig. So sehr ich sie verstehe, weil auch ich durch tiefes Leid gegangen bin, umso mehr tut sie mir auch leid. Ich wusste, dass es mir verwehrt ist, sie mit Worten zu überzeugen. Es bleibt mir nur die Möglichkeit, für sie zu beten, was ich ihr versprach. An irgendeinem Punkt hat sie sich Gott gegenüber verschlossen. Sie sagte, dass sie durchaus Interesse  am Glauben habe, aber es eben nicht könne. In tiefer Dunkelheit und Verlassenheit, auch als ich die Kirche längst verlassen hatte, hatte ich irgendwo noch einen Funken Glauben an Gott behalten.

Eine tiefe Sehnsucht blieb aber immer in meinem Inneren, die mich weiter suchen ließ. Und schließlich kam auch wieder ein Anruf aus der Tiefe meiner Seele, wieder zurück in den Schoß der Kirche zu kehren und den eigentlichen Schatz des Glaubens neu zu entdecken und das Feuer zu entfachen. Dafür bin ich Gott sehr dankbar.

Mein Glaubenszeugnis war auch ein Anruf an die Frau, es wieder neu zu probieren. Aber niemand kann missioniert werden. Wir können nur unsere Mission erfüllen, Zeugnis für den Glauben zu geben. Beten wir für die vielen Menschen, die durch Enttäuschung und vielleicht auch ein falsches Zeugnis den Zugang zum Gebet, dem Atemholen der Kirche, verloren haben. Ich werde die Frau in mein Gebet einschließen. Gleichzeitig bitte ich die Gottesmutter, alle Engel und Heiligen und alle Brüder und Schwestern im Glauben, für mich zu beten. Denn ich bin mir bewusst, dass auch mein Glaube zerbrechlich bleibt. Wir bleiben als schwache Menschen von Gottes Gnade abhängig.

Viele, die einmal Christen waren, die an Gott geglaubt und auf ihn in jeder Situation ihres Lebens und Sterbens vertraut haben, sind vom Glauben abgefallen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein etwas älterer Artikel von Petra Lorleberg "Eine 'Kirche von Heiden, die sich noch Christen nennen'" zu Gedanken von Papst Benedikt XVI. über das Neuheidentum in unserer Kirche.

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