Sonntag, 27. September 2015

Katholiken bei einer Pfingstlerhochzeit - Ein Lehrstück zur Familiensynode

Ein Ehepaar katholischer Konfession erzählte von einer Hochzeit von Pfingstlern, zu der sie eingeladen waren. Mit den russlanddeutschen Aussiedlern ist eine große Zahl dieser charismatischen Gemeinschaft, die sich streng an ihrer Auslegung der Bibel orientiert, nach Südoldenburg gezogen. Die Hochzeitsfeier habe vormittags um 11 Uhr begonnen, erzählte mir mein katholischer Bekannter.

Auf dem Fest habe es keinen Alkohol gegeben. Fast unterbrochen sei ausschließlich über Gott geredet wurden. Es seien Psalmen und Gebete vorgetragen worden. Gegen ein Uhr habe dann ein Mann, der allerdings nicht wie ein Priester aussah, der Frau einen halbstündigen Vortrag gehalten, wie sie sich in der Ehe zu verhalten habe. Sie habe sich dem Mann unterzuordnen, ihm ganz gehorsam zu bleiben. Ihre ganze Bestimmung sei wohl hauptsächlich, so viele Kinder in die Welt wie möglich zu setzen und außerdem ihren Mann von vorne bis hinten zu bedienen. Seine Frau pflichtete ihm bei und fügte hinzu, dass zwar den Frauen gesagt würde, dass die Frauen keinesfalls Sklavinnen ihrer Männer seien. Aber in der Realität wären sie das.

Nach der Rede an die Frau erhielt auch der Mann Instruktionen zum Eheleben. Der Vortrag habe aber nur fünf Minuten gedauert. Der Mann habe nur eines zur Ehe beitragen müssen: Er solle seine Frau lieben. Das sei alles, was von einem Mann in der Pfingstgemeinschaft erwartet würde.

Ich fragte nach, ob die Frauen bei den Pfingstlern nicht mit ihrem harten Los unglücklich seien. So etwas könne doch gar nicht gut gehen, vor allem in unserer freizügigen Gesellschaft. Mein Bekannter erwiderte, dass die Pfingstlerfrauen ganz zufrieden gewirkt hätten. "Die wollen einfach nach der Bibel leben, sie wollen ihr ganzes Leben nach ihrer Religion ausrichten", sagte er mir. Ich erwiderte, dass ich mir außerdem nicht vorstellen könne, dass der Ehemann bei den Pfingstlern nichts zur Ehe beitragen müsse. Er müsse doch sicher für den Unterhalt seiner Familie sorgen. 

Mein Bekannter entgegnete, dass er Pfingstlerfamilien kennen würde, bei denen der Mann gar nicht zur Arbeit gehe. Die Arbeit müsse die Ehefrau allein tragen. Wenn aber die Kinder größer würden, müssten sie ihrer Mutter im Haushalt beistehen. Die Mutter müsse immer weniger arbeiten, da ihre Kinder ihr Aufgaben abnähmen, wenn sie größer würden. Ich fragte auch hier nach, ob die Jugendlichen das denn mitmachen würden. Das sei kein Problem, die Jugendlichen fügten sich in das bibeltreue Dasein komplett ein, erfuhr ich. Die Pfingstler würden  in ihren Familien und Gemeinden sehr zurückgezogen leben.

Die Hochzeitsfeier mit Essen und Trinken habe bis sechs Uhr nachmittags gedauert. Es habe keinen Tropfen Alkohol gegeben, nur Sprudel und Kaffee. Nicht einmal vor dem Haus habe man rauchen dürfen, dazu habe man das ganze Gelände verlassen müssen. Zu Essen habe és allerdings reichlich gegeben.
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Sowohl mein katholischer Bekannter als auch seine Frau konnten mit dieser Lebenshaltung wenig anfangen und verbargen ihre ablehnenden Haltung gegen ein derart an der Bibel orientiertes Leben nicht. Ich hielt mich in der sich anschließenden Diskussion, die das katholische Paar mit weiteren Anwesenden führte zurück aber dachte mir meinen Teil.

Sicher ist die katholische Lesart der Heiligen Schrift etwas anders als die wortwörtliche Interpretation der Pfingstler. Wahrscheinlich ging bei den Hochzeitsvorträgen um die christliche Familienordnung, wie sie im Epheserbrief Kap. 5.2s1ff  vom heiligen Paulus formuliert wird.  Der Sinn, dass ein Ehepaar einander ge-hor-sam ist, dass heißt, auf einander hört, beruht nach katholischem Verständnis auf Gegenseitigkeit. Sie bedeutet aber nicht, dass die Geschlechterregeln so starr geregelt sind, wie bei den Pfingstlern offenbar ist. 

Dennoch können wir von den Pfingstlern durchaus etwas lernen. Zum Beispiel, wie ein Leben nach der christlichen Familienordnung, die das Gebet und die Ehrfurcht vor Gott ins Zentrum stellt, zum Gelingen und zur Festigung von Familienbeziehungen und Ehegemeinschaften beiträgt. Umgekehrt erleben wir ja tagtäglich, wie der Glaubensverlust und der hedonistische Lebensstil zum Zerbrechen vieler Ehen und Familien führt. Darunter zählen auch die vielen Scheidungen katholischer Ehen.

Vielleicht sollten wir doch darüber nachdenken, ob wir von den Pfingstlern nicht etwas lernen könnten, anstatt über sie unsere Nase zu rümpfen. Die Gedanken könnten durchaus auch ein Beitrag zur Familiensynode sein, in deren Vorfeld an den tradierten Regeln der Familienordnung bereits so heftig gerüttelt wurde.

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