Freitag, 14. August 2015

Unbedachtes mit fataler Wirkung: "Ich bin ein Dunkelkatholik!"

Es gibt Sätze, die verfolgen einen. Die bekommt man aufs Bett. Sie rutschen einem raus, und später sinnt man darüber nach: "Was habe ich eigentlich damit gesagt?" - So ein Satz war "ich bin ein bekennender Dunkelkatholik", den ich einem Dominikanerpater in einem Gespräch entgegen warf. Ich traf ihn zufällig auf einem großen Volksfest bei uns in Südoldenburg. Nachdem ich ihm dies gesagt hatte, lächelte der Pater, verabschiedete sich freundlich und ging weg. Was hatte ich ihm damit eigentlich ausdrücken wollen? Und wie kam dies möglicherweise bei ihm an?

Ich wollte ihm bezeugen, dass ich mich als Katholik bekenne, der zu der von der Kirche verkündeten Lehre steht. Der sich mit dieser Lehre auseinandersetzt, sich auch daran reibt, aber ihren tieferen Sinn immer tiefer erfassen möchte. Der sich mit seinem Denken, Handeln und Tun an dieser Lehre orientieren will. Auch wenn er dabei immer wieder scheitert. -  Schon die Nacht über verdaute ich dieses Wort in meinen geistigen Eingeweiden, mein Schlaf war unruhig. Draußen gewitterte und blitzte es ununterbrochen, der Regen prasselte auf mein VELUX-Fenster.

Diesen Gedanken twitterte ich am nächsten Morgen. Aber was bedeutet das Wort "Dunkelkatholik" nun eigentlich? Was ist sein Hintergrund? Ich hatte es irgendwo auf Twitter einmal gefunden. Ich googelte und wurde direkt auf dieses Spiegel-Interview mit dem Jesuitenpater Klaus Mertes im Zusammenhang mit der Missbrauchsaffäre verwiesen. Darin verwandte Pater Mertes das Wort wohl zum ersten Mal:
"Die katholische Kirche ist viel mehr als nur ein Kreis von pöbelnden Dunkelkatholiken."
Auf Nachfrage erläuterte Mertes, was er unter Dunkelkatholiken verstand:
"Sie begreifen jede Kritik als Illoyalität und desavouieren Leute, die Fragen haben, mit dunklen Verdächtigungen. Sie denken in Lagerkategorien. ..."
Als ich das las, erschrak ich doch: Leute desavouieren, dunkle Verdächtigungen gegenüber anderen zu hegen, in Lagerkategorien zu denken - Nein! Das hatte ich auf keinen Fall gemeint. Im Gegenteil, Leute, die andere beschimpfen, sie zwingen, ihre "Glaubensweise" zu übernehmen, die halte ich ganz und gar nicht für katholisch. Weil sie genau das Gegenteil von dem tun, was die Kirche lehrt. Leider gibt es solche Leute an allen Fronten, zum Beispiel sogenannte "Rom-Treue", "Tradis"  oder "Reformer". Die Mitte liegt allerdings immer bei Petrus und seinem Nachfolger, dem Papst, der dem Lehramt der Kirche voran steht.

Ein wenig schäme ich mich doch dafür, dieses Wort "Dunkelkatholik" so unbedacht verwandt zu haben. Ich versuche, mir dies zu verzeihen, weil ich seinen Ursprung und seine Verwendung noch nicht kannte. Ich hake dies aber nicht einfach ab sondern lege es sorgfältig zu meinen Akten "Pleiten und Pannen" ab. Ein Trost für mich ist, dass ich dem Pater im Gespräch gleichzeitig signalisierte, dass ich die Grenzen meines Glaubens immer wieder neu prüfen und erweitern muss und will. Ein weiterer Trost war eine Antwort eines lieben Followers auf meinen morgentlichen Tweet:
"@GeorgsGlauben Mit und durch Jesus bist du Kind Gottes ! Das Zaehlt. Lass dich von Jesus umarmen. LG
Jeder Fehler ist auch eine Chance, etwas dazu zu lernen und in seiner Persönlichkeit zu reifen und im Licht (nicht im Dunkeln!) des Glaubens zu wachsen.

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