Dienstag, 25. August 2015

Glaubensgespräch im Fitnessstudio

Es gibt immer wieder die Gelegenheit, über den Glauben zu reden. Zum Beispiel auch heute bei meinem Besuch im Fitnessstudio. Dort gehe ich gerne vormittags hin, wenn ich dazu Zeit habe. Beim Training treffe ich regelmäßig die gleichen Leute, mit denen man mit der Zeit ins Gespräch kommt. Zum Beispiel auch mit einem Rentner, den ich dort sehr häufig sehe.

Ich: "Sie sind oft hier. Kommen Sie jeden Tag ins Fitnesscenter?"
Der Rentner: "Ja, aber freitags nie!"
Ich: "Tatsächlich? Sogar sonntags?"
Der Rentner: "Nein, am Sonntag nicht."
Ich: "Ich gehe zweimal wöchentlich. Aber sonntags nie. Da gehe ich in die Kirche."
Der Rentner: "In die Kirche gehe ich nicht. Früher ja, als die Kinder klein waren."
Ich: "Und heute nicht mehr? ..."
Der Rentner: "Ich bin katholisch. Deshalb musste ich früher mit den Kindern zur Kirche. Irgendwann haben die Kinder zu mir gesagt: Papa, wir gehen nicht mehr zur Kirche hin. Wir wollen uns lieber mit der Freundin treffen. Darauf hab ich den Kindern gesagt, in Ordnung, dann geht ihr eben nicht."
Ich zuckte ein wenig mit meinen Schultern.
Der Rentner führte weiter aus: "Was sollte ich denn tun? Ich kann meine Kinder ja schließlich nichtt zwingen. Irgendwann bin ich selber auch nicht mehr zur Kirche hingegangen."
Ich: "Aha, so war das bei Ihnen ..."
Der Rentner: "Beten kann man auch, wenn man nicht in die Kirche geht. Und dem Priester etwas zu beichten habe ich auch nicht."
Ich: "Ich schon. Ich habe jede Menge zu beichten und gehe auch öfters hin"
Der Rentner wiegelte ab und ging weg. Davon wollte er nichts mehr hören. Damit war das Gespräch zu Ende.

Dies ist für mich ein gutes Beispiel für den schleichenden Glaubensverlust in unserer Zeit, der bei dem Herrn schon begonnen hatte, als er noch regelmäßig zur Kirche ging. (Vielleicht noch in den 70iger Jahren?) Der Glaube stirbt mit dem Zusammenbruch einer inneren persönlichen Beziehung mit dem lebendigen Gott. Kirche und Konfession wird dann zur reinen Pflichterfüllung aus Tradition. Mit der Infragestellung jeder Tradition bricht schließlich auch der letzte Rest jeglicher Glaubenspraxis zusammen. Der Kirchenaustritt ist am Ende nur die letzte Folge dieses Prozesses. Falls nicht in der Generation des Vaters, dann in der seiner Kinder. Es sei denn, dass eine Neuevangelisierung den erkalteten Glauben neu entfacht.

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