Mittwoch, 26. August 2015

Eine gute Predigt erkennt man daran, dass ...

Wenn ich an die Predigt unseres Pfarrers beim letzten Sonntagshochamt zurück denke, erinnert mich das an meine Kindheit. Damals (in den 70iger Jahren) war es noch üblich, dass die Priester noch klar katholische Positionen bezogen. Und dabei den Mut hatten, den Finger auch in die Wunde zu legen, brenzlige Themen nicht zu scheuen. Die Predigt des Pfarrers war wirklich noch ein Gesprächsthema in der Familie oder Clique, in der man sich herrlich darüber aufregen konnte, was der "Pfaffe wieder einmal für einen Unsinn von der Kanzel gelassen" hat.

Solche Aufreger gibt es heute fast gar nicht mehr. Was ein Priester gepredigt hat, ist heute nirgendwo mehr ein Thema. Die meisten interessiert es sowieso nicht, sie gehen eh nicht mehr zur Kirche. Und das kleine Häuflein, welches noch im Hochamt sitzt, erträgt oder verschläft geduldig, bis die Predigt vorbei ist. Hinzu kommt: Viele Predigten sind von "Warmduschern". Priestern, die lieber nicht anecken wollen, um ihre Schäflein nicht zu verärgern. Jeder soll sich schließlich in der Kirche wohl fühlen. Sie halten stattdessen eine "Wellness-Predigt". Eine wirklich gute Predigt hört man hingegen selten: eine Homilie, die das Wort Gottes auslegt, es greifbar für unser Leben macht. Und die dabei kein Blatt vor dem Mund nimmt, auch wenn es nicht jedem passt.
In jener Zeit sagten viele seiner Jünger Jesu, die ihm zuhörten:Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören? (Johannes-Evangelium 6,60)
Unser Pfarrer predigte über das Sonntagsevangelium Joh 6,60-69. Die Worte Jesu seien selbst für die Jünger Christi, die Menschen, die ihn persönlich kannten und nahe standen, unerträglich gewesen. Auch heute sei dies ähnlich. Katholische Positionen würden immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt, meinte unser Pfarrer. Als Beispiel dafür nannte er die Themen Abtreibung, Sterbehilfe und Präimplatationsdiagnostik (PID). Er führte weiter aus, dass auch in Gesellschaft und Wirtschaft christliche Werte immer mehr zurückgedrängt würden. Selbst im beruflichen Leben und im privaten Kreis müsse man damit rechnen, dass man "Gegenwind" bekommt, wenn man zu seinem Glauben steht. Da sei es eine Herausforderung für jeden Christen, sich zu seinem Glauben zu bekennen.

Ich stimmte ihn vollkommen zu. Ich habe dies selber schon öfters erlebt, zum Beispiel hier. Nach der Messe war ich bei einem Fest. Dort traf ich einige Leute, die zuvor auch im Hochamt waren, und sich fürchterlich über die Predigt des Pfarrers aufregten. Er habe wieder alles schlecht geredet, meinten sie. Die Worte unseres Pfarrers waren für sie unerträglich. Daraus schließe ich: Das war eine gute Predigt.

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