Donnerstag, 27. August 2015

Die Sache mit dem freiwilligen Ortskirchengeld

Viel Staub hat die Erhebung der Kirchensteuer ja in den letzten Jahren ja schon aufgewirbelt. Vor allem, nach dem auch von den Kapitalerträgen die Kirchensteuer automatisch abgebucht wird. Nicht wenige Menschen nahmen dies zum Anlass, die Kirche endgültig zu verlassen. Seit einigen Jahren legt meine Pfarrgemeinde eine Schippe drauf. Sie bittet alle Gemeindemitglieder, zusätzlich zur Kirchensteuer ein freiwilliges Ortskirchgeld an die Pfarrei zu überweisen. Heute flatterte wieder ein entsprechender freundlich geschriebener Aufruf per Post bei mir in den Briefkasten.

Die Kirchengemeinde bedankte sich zunächst bei allen, die bereits in den Vorjahren freiwillig Geld überwiesen haben, für ihre Spendenbereitschaft. Nur so habe man Lücken im Haushalt schließen und "verschiedene Angebote aufrechterhalten" können.  Als Beispiele wurden die Heizung der vier Kirchengebäude und Pfarrheime, kleinere Reparaturmaßnahmen und die "Unterstützung von Gruppen und Vereinen" genannt.

Dass die Pfarreien vor Ort nicht gerade komfortabel finanziell ausgestattet sind, habe ich schon mehrfach festgestellt. Und das gilt nicht nur für kleine Pfarrgemeinden in der Diaspora. Auch in katholischen Regionen wie Südoldenburg müssen Pfarrgemeinde um Spenden bitten. Die Renovierung der Pfarrkirchen wird nur zum Teil vom Offizialat finanziert. Einen spürbaren Anteil müssen die Gemeindemitglieder aus freiwilligen Beiträgen mit finanzieren. So haben in den letzten Jahren Gemeindemitglieder bereits erheblich für die Renovierung der Pfarrkirchen ins Portemonnaie gegriffen. Für den Erhalt von unserem wertvollen Hochaltar und die Reparatur der defekten Kirchenorgel unserer Kirche im Dorf gibt es überhaupt kein Geld vom Offizialat. 40.000 Euro haben Gemeindemitglieder dafür bereits gespendet.

Dabei sprudelten die Einnahmen aus der Kirchensteuer noch nie so gut wie im letzten Haushaltsjahr, 65 Mio Euro. Außerdem erhält das Offizialat Staatszuschüsse und sonstige Einnahmen. Im Offizialat Oldenburg betrug das Haushaltsvolumen mehr als 80 Millionen (Bericht Offizialat Vechta). Davon floss nach Aussage des Offizialates weniger als die Hälfte (35 Mio Euro) zurück in die Pfarreien. 14 Mio Euro flossen in den Neubau der Kirche am Meer in Schillig, dem Forum St. Peter in Oldenburg und der Kirche am Campus in Vechta. Einen großen Anteil des Haushalts wird in Schulen und Kindergärten sowie in den Jugendhof in Vechta investiert. 

Die Ausgaben mögen durchaus sinnvoll sein. Im Detail lässt sich sicher über die eine oder andere Position kontrovers diskutieren. Dennoch ist es schon verwunderlich, dass trotz immenser Einnahmen das Geld nicht mehr für genuine Zwecke von Pfarrgemeinden (Heizung und Energie für die Pfarrkirchen, Bürokosten usw ...) ausreichen soll. Bislang profitierte die hiesige Kirchenverwaltung von der aktuell guten Wirtschaftskraft und der Kirchentreue ihrer Mitglieder. Die Katholikenzahl ist entgegen anderer Regionen im Oldenburger Land bislang recht konstant. 

Dennoch rechnet das Offizialat Oldenburg aufgrund der demografischen Entwicklung mittelfristig mit "geringerem Spielraum für Investitionen". Das bedeutet wohl, dass wir dann zusätzlich zur abgeführten Kirchensteuer noch mehr freiwilliges Kirchengeld an die örtliche Pfarrei spenden müssen, damit Kirche auch vor Ort noch lebendig bleibt. Hier stellt sich für jedes Pfarrgemeindemitglied die Frage, was ihm die Kirche vor Ort wert ist, wieviel man bereit ist, etwas beizusteuern. Da Geld für viele der Mammon, die wichtigste Lebensmaxime ist, trifft hierbei die Bitte um eine Geldspende genau ins Schwarze.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen