Sonntag, 5. Juli 2015

Wenn der Stachel an der nötigen Andacht hindert

Am Sonntag gehe ich gerne etwas früher in die Kirche vor dem Sonntagshochamt. Die Zeit nutze ich gerne für mein Gesätz des Rosenkranzes, das ich im Rahmen der Gebetsgemeinschaft "Lebendiger Rosenkranz" täglich bete. Dabei fällt auf, dass viele gar nicht darauf achten, dass eine Kirche ein Ort des Gebetes und der Stille ist. Heute war es vor der Sonntagsmesse besonders laut. Einige Besucher betraten die Kirche und unterhielten sich relativ laut miteinander. Ich fühlte mich in meinem Gebet sehr gestört und versuchte aber zunächst, mich nicht vom Beten abhalten zu lassen. Da das Gespräch kein Ende nehmen zu schien, merkte ich, wie der Ärger in mich hoch stieg. Schließlich drehte ich mich um und zischte ein wenig, um die Leute zu signalisieren, dass sie ein wenig ruhiger würden.

Leider hatte dies gar keinen Erfolg, sodass ich irgendwann einmal leise um Ruhe rief. Doch auch dies übte nur wenig Eindruck auf die lauten Gottesdienstbesucher aus. Sie mögen sich vielleicht gedacht haben, was der Spinner, also ich, da überhaupt wolle. Eine Mischung aus Ärger, aber auch eine gewisse Scham hinderte mich nun ganz am Beten. Hatte ich mich nicht auch schon einmal unandächtig in der Messe verhalten? War ich nicht gerade verärgert, weil MEIN Gebet beeinträchtigt wurde?

Auf der anderen Seite war ich doch eigentlich im Recht! Schließlich ist ein Tempel keine Markthalle, das steht doch auch so in der Bibel. Aber letztendlich ging es ja eigentlich hierbei nicht um mich, sondern um die Ehre Gottes. Ich dachte, dass Frömmere wie ich vielleicht ihren Mund gehalten haben, während ich sie während der Messe störte.

Ein wenig versöhnte mich dann die Predigt unseres Pfarrers zu den Lesungen des heutigen Sonntags. Im Evangelium (Mk 6, 1b-6)  ging es um Jesus, der als Prophet im eigenen Land nicht annerkannt wird. Dennoch hält er am Zeugnis fest, egal ob es den Leuten passt oder nicht passt.  Als Jesus den Unglauben feststellt, zieht er zum nächsten Ort weiter, um dort sein Wort zu verkünden. An Jesus sollen wir uns ein Beispiel nehmen und Zeugnis geben, auch wenn es nicht beachtet wird.

Auch die Lesung zuvor passt genau auf meine Situation. Paulus bekennt, dass ihm ein Stachel ins Fleisch getrieben wurde, damit er sich nicht überhebe. Er rühme sich seiner Schwachheit, damit die Kraft Christi auf ihm herab komme. Auf meine Situation übersetzt heißt dies, dass die Wahrheit nicht falsch wird, wenn man selbst ihr nicht Genüge leisten kann.

Als Christ scheitert man häufig, wenn man gefragt wird, ob man das tatsächlich tut, was man verkündet. Man muss dann bekennen, dass dies häufig nicht gelingt. Dadurch wird aber die Botschaft Christi nicht falsch. Nur muss man sich klar sein, dass dies nicht die eigene Wahrheit ist, die man vertritt, sondern das Evangelium Gottes. Als Christen sind wir berufen, ständig Boten Christi zu sein, auch wenn wir bekennen müssen, dieser Wahrheit nie ganz gerecht zu werden. In diesem Spannungsfeld müssen wir leben.

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