Dienstag, 21. Juli 2015

Schafft die Statistik über die "Kirchensteuerzahler" endlich ab!

Autsch! Same procedure as every year. Das Jahr ist halb vorbei. Pünktlich zur Sommerpause erfahren wir wieder, wie desolat es um unsere Kirche steht. Nein! Es ist noch Geld da. Das ist nicht das Problem. Aber die Schäfchen laufen alle den Hirten davon. Im letzten Jahr waren dies 218.000 - äh, waren es Gläubige? Mitglieder der Kirche? Oder schlicht nur Kirchensteuerzahler?

Es scheint ein urdeutsches Phänomen zu sein, genau zu erfassen, wer sich noch zur Kirche zählt, wer dort bezahlt oder diesem einfach entsagt hat, indem er sich bei der Rathausverwaltung einfach klammheimlich abgemeldet hat. So werden wir genau informiert. Soundsoviele sind "ausgetreten", neu oder wieder "eingetreten". Und wir erfahren auch genau, wie viele getauft und beerdigt wurden. Anschließend wird wild diskutiert, woran der "Mitgliederschwund" liegt. Selbst seriöse katholische Autoren wie Alexander Kissler nutzen dann die Gelegenheit, einmal so richtig Tacheles über das Versagen anderer zu schreiben: "Das ist die Quittung!"

Es mag ja vieles an den Analysen solcher journalistischen Glanzstücke stimmen. Aber erstens sind sie weder neu, noch tragen sie zweitens zur Besserung unserer Kirche bei. Ich frage mich dann immer, was die Schreiber selber dazu beitragen, das Wort Gottes in die Welt zu tragen. An Kirchen- und Gesellschaftskritikern mangelt es nicht. Aber an Menschen, die zum Aufbau der Gemeinde beitragen. Menschen, die mit ihrem Charisma andere ermutigen, den Glauben neu und viel tiefer zu erfahren und auszuüben.

Als Christen haben wir die Aufgabe, die Freude des Glaubens nach außen zu tragen. Einander im Glauben Mut zu machen. Zu helfen, wo wir es können. Guten Rat geben, wo er gefragt ist. Die Liebe Gottes anderen Menschen zuteil werden zu lassen. Offen zu sein für Menschen, egal woran sie glauben, ohne dabei unser Fundament des Glaubens zu verlieren. Menschen, die der Kirche fern stehen, wieder in die Kirche einzuladen. Sicher, dass ist leichter gesagt, als getan.

Aber nicht die Zahlen sind das Wichtigste, sondern jeder Mensch in unserer Umgebung. Ich mag die Zahlenwischerei nicht mehr hören. Da wird sinniert, dass der prozentuale Anteil der "Besucher" am Sonntagsgottesdienst gestiegen sei. Absolut sind es wohl nicht mehr geworden, jedenfalls nicht in meiner Pfarrei. Nur insgesamt hat die Kirche halt weniger "Mitglieder". Das wirkt sich dann positiv auf den Anteil der "Besucher" aus. Ist unsere Kirche dadurch lebendiger geworden? Brennt sie mehr vom Feuer des Evangeliums? Um das zu wissen, brauchen wir nur aus unserer täglichen Erfahrung in unserer Pfarrgemeinde selbst zu schöpfen.

Von mir aus könnten die Offizialate und katholischen Büros ihre Zahlen für sich behalten und intern auswerten. Und stattdessen ihre Anstrengungen vergrößern, das Wort Gottes und die Botschaft Christi den Menschen näher zu bringen. Denn dies ist schließlich unsere Hauptaufgabe. Und zwar nicht nur von den Offizialaten, den Bischöfen und Priestern, sondern von der ganzen Gemeinschaft der Kirche, der alle "Mitglieder", besser alle Gläubige, angehören.

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