Samstag, 4. Juli 2015

Die Sache mit der Beihilfe zum Suizid

Seit einigen Tagen wird ein Gesetzentwurf heftig diskutiert, der die Beihilfe zum Suizid regeln soll. Die Vorschläge reichen von einem kompletten strafbewehrten Verbot über ein Verbot organisierter "Sterbehilfe" bis zur völligen Straffreiheit für die Beihilfe zum Selbstmord. Argumentiert wird dabei häufig damit, dass Selbstmord nicht bestraft würde. Deshalb dürfe auch die Beihilfe zum Selbstmord nicht bestraft werden, wenn der Betroffene sich dies selbst wünsche.

Nicht wenige Menschen kennen Phasen im Leben, in denen sie sich mehr oder intensiv mit der Frage auseindersetzen, ihr Leben zu beenden. Ich habe selber solche Phasen durchgemacht. Auch Krankheiten sowie intensive Schmerzen können dazu führen, dass man den Lebensmut verliert. Andererseits habe ich auch bei einem wochenlangem Krankenhausaufenthalt immer den Drang behalten, leben zu wollen. Ich weiß, dass man in extremen Situationen oft ganz anders fühlt und entscheidet, als man es im normalen Dasein tun würde.

Die Hoffnung, dass das Leben weiter geht, treibt uns an, auch schweres Leid zu ertragen. Christen leben aus dieser Hoffnung, die aus dem Glauben an ein ewiges Leben genährt wird. Im Vertrauen in einen Gott, der letztendlich Herr über Leben und Tod ist, legt der Christ sein Leben und Sterben in Gottes Hand. Er weiß, dass er sich nicht selbst gegen alle Risiken des Lebens absichern kann. Das heißt nicht, dass ich gegen eine Patientenverfügung bin, die Maßnahmen beinhaltet, die den Sterbeprozess erleichtern und gegebenenfalls sogar beschleunigen soll.

Die Maßnahmen dürfen aber nicht in einen "Suizid" münden, welcher durch Mithilfe von Ärzten oder "Sterbehelfern" erfolgt. Über Sterbehilfe denkt man anders, wenn man selbst ím Freundes- oder Verwandtenkreis von diesem Thema betroffen wird. Ein Freund von mir liegt seit Weihnachten im Wachkoma, seitdem er nach einem Herzinfarkt reanimiert wurde. Hätte man ihn nicht besser sterben lassen sollen? Sollte man ihn nicht sterben lassen, ja braucht er nicht Hilfe zum "Suizid" welchen er sich nicht selbst ermöglichen kann? Diese Fragestellungen ergeben sich auch aus der derzeitigen Diskussion.

Ich besuchte meinen Freund und las ihm aus einem Bluesmagazin ein paar Artikel vor. Er blinzelte mehrfach mit den Augen und die Betreuerinnen sagten zu mir, dass er alles mithören würde. Ein paar Tage später rief sein Bruder an und erzählte mir, dass sich die Familie sehr darüber gefreut habe. Die Geschwister und Eltern hoffen immer noch, dass mein Freund wieder gesund wird.

Kommt mein Freund wieder zurück ins Leben? Wie geht es ihm tatsächlich? Wir wissen es nicht. Gott allein weiß, was gut für meinen Freund ist. Als Christ glaube ich, dass Gott uns besser kennt als wir uns selber kennen. Deshalb sage ich, es ist gut, wenn das Sterben nicht gesetzlich geregelt wird, Ich weiß es bei Gott in besseren Händen.

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