Sonntag, 28. Juni 2015

Singende Mission im Basketball-Dome

Unser Sängerbundesfest fand dieses Jahr in
einem Basketball-Palast statt.
Als Mitglied im Cäcilienchor erlebe ich immer wieder einige "Highlights". Unser Sängerbundesfest fand in diesem Jahr in einem Basketballtempel statt, im "Rasta-Dome" in Vechta.

Wo sonst Basketballprofis spielen - Rasta Vechta stieg im letzten Jahr aus der BEKO-Basketballbundesliga ab, sang unser Chor mit dreiundzwanzig anderen Chören. Ingesamt wohl an die 800 Sängerinnen und Sänger waren bei diesem Event.

Das besondere am Bundessängerfest ist immer, dass es mit einer feierlichen heiligen Messe beginnt. Sie wird vor allem durch den Gesang geprägt. Wenn ca. 1000 Menschen mitsingen, dann beginnt auch ein Basketball-Dome, ein Ort, wo sonst nicht Gott sondern Sportstars angebetet werden, zu schwingen, Zelebrant war diesmal unser Jugendpfarrer des Offizialates Vechta, ein beliebter Seelsorger, dem es immer wieder gelingt, die Menschen anzusprechen.

So begrüßte er die Mitglieder des Chores gleich mit einem entsprechenden Dank: "Ihr sorgt dafür, dass endlich mal guter Gesang in dem Rasta-Dome erschallt!" Der Pfarrer führte aus, warum Gesang so wichtig ist: Er spricht das Herz an und sorgt für "gute Stimmung", Da fand er gleich eine Verbindung zum Sonntagsevangelium (Markus 5,21-43) Der Evangelist Markus berichtet von einem Synagogenvorsteher bittet Christus seine Tochter zu heilen, die im Sterben liegt. Alle glauben, dass das Mädchen schon tod sei, aber Christus sprach zu ihm  "Sei ohne Furcht; glaube nur!"

Glauben, so der Pfarrer, könne man nicht durch das Lesen vieler theologischer Bücher und Predigten von Pastören erlernen, sondern nur mit dem Herzen. Gesang könne dabei hilfreich sein. Als er zum ersten Mal als Messdiener bei der Fronleichnamsprozession dienen durfte, sei er direkt vor dem Allerheiligsten gelaufen. Damals war noch das ganze Dorf dabei. Als sie mit dem Allerheiligsten in die Kirche gingen, erschallte die Orgel und die ganze Kirche habe vom Gesang der Gläubigen erklungen. Für den Pfarrer sei dies ein unvergesslicher Moment gewesen, der ihn bis heute präge.

Ähnliche Wirkung habe die Musik gehabt, als der ganze Münsteraner Dom bei seiner Priesterweihe bis auf den letzten Platz besucht war und alle bei beeindruckenden Orgelklängen sangen. Musik und Glaube seien eng verbunden. Somit seien alle Sänger Missionare im Glauben. Er sei sogar davon überzeugt, dass wir Chorsänger eine ganz besondere Aufgabe in unserer Zeit spielen.

So sehr ich mich geschmeichelt fühle, ein wenig dick aufgetragen fand ich es schon. Denn ein paar Plätze weiter verfolgte ich, wie einige Sängerinnen während der ganzen Messe, sogar während des Hochgebetes, ungeniert ihr Wasser weiter tranken, als wäre es eine Theatervorführung. Man darf nicht verschweigen, dass der Glaubenschwund auch bei den Chormitgliedern unübersehbar ist.

Viele gehen nicht regelmäßig sonntags in die Kirche. Und so schön die Messe auch ist, für einige ist der Sängerkommers, der bei einem Sängerfest dazu gehört, der eigentliche Grund, dass sie überhaupt kommen. Natürlich gilt das nicht für alle! Ich sage selbst, dass es für mich auch dazu gehört, in netter Runde ein Bier zu trinken. Andererseits muss es nicht gleich ein Besäufnis sein.

Ich bin gespannt, wie lange diese Tradition mit Sängerfesten, bei welchen eine heilige Messe unabdingbarer Bestandteil ist, noch andauert. Ich würde es mir wünschen. Denn im Grunde hat unser Jugendpfarrer recht, wenn er sagt. Glaube und Gesang gehören zusammen. Wenn kein Glaube mehr vorhanden wird, dann verliert auch der Gesang sein Herz. Er wird ohne Kern, ohne Kultur. Von dieser Art der Beschallung gibt es ja überall genug. Übrig bleibt dann nur noch das Besäufnis, der Verfall jeder Gemeinschaft. Das wäre sehr schade.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen