Freitag, 5. Juni 2015

Gemeinschaft beerdigen

Der gestrige Fronleichnamstag und der Tag danach stand für mich im Zeichen der Gemeinschaft. In seiner Predigt zum Fronleichnamsfest sprach Papst Franziskus vom "Sakrament der Gemeinschaft". Wenn Christen mit dem Leib Christi auf die Straße gehen, bezeugen sie, dass der Leib Christi, zu dem wir alle gehören, kein Schwarz und Weiß kennt. Die Liebe Gottes grenzt niemand aus. Dies las ich in unserem neuen Pfarrbrief.

Dieses Wort vom "Sakrament der Gemeinschaft" hat mich sehr beeindruckt, zumal ich die Fronleichnamsprozession mit unserer Chorgemeinschaft musikalisch mitgestalten durfte. Nach der heiligen Messe und der Prozession mit eucharistischem Segen ging unsere Chorgemeinschaft in den Musikraum, um ein paar Lieder einzuüben, die wir am darauf folgenden Tag zur Beerdigung unseres langjährigen Sängerbruders sangen. Nach der Probe pflegten Sänger und -innen unsere Gemeinschaft noch bei einem kalten Bier oder Erfrischungsgetränk.

Mein Sängerbruder war 50 Jahre Mitglied in unserem Chor. Er pflegte und liebte die Gemeinschaft und hielt gerne mit seinem Rad für einen kleinen "Schnack" (=Unterhaltung) an. Ich habe nie ein böses oder unfreundliches Wort von ihm vernommen. Selbst als ich einen Fehler in meinem Zeitungsbericht über sein 50. Chorjubiläum machte, trug er mir dies nie übel nach. Unser Sängerbruder starb überraschend nach einer kurzen und schweren Erkrankung, für deren Erforschung sich die Leute im vergangenen Sommer Eiskübel über den Kopf kippten. Diese Aktion hat ihm das Leid nicht ersparen können.

Unser verstorbenes Chormitglied lebte für und mit der Gemeinschaft. Genau das ist es, was wir brauchen. Menschen, die Gemeinschaft fördern, die mit anpacken, die nicht kritisieren oder ihr eigenes Ding durchziehen wollen. Menschen, die Traditionen pflegen und mit tragen. Wir trauern darum, dass unser Sängerbruder nicht mehr in unserem Dasein ist. Aber in der Liebe stirbt niemand. Wie das eucharistische Sakrament immer wieder auf das Weizenkorn verweist, welches sich selbst hingibt aber niemals stirbt. Die Liebe bleibt unsterblich.

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