Donnerstag, 4. Juni 2015

Fronleichnam fällt bei mir nicht aus

Ich wohne in Niedersachsen. In diesem Bundesland ist Fronleichnam schon lange kein gesetzlicher Feiertag mehr. Ich erinnere mich aber gerne an meine Kinderzeit in Oldenburg. Obwohl diese Stadt ursprünglich protestantisch und heute kaum noch christlich geprägt  ist, hatten wir katholischen Kinder damals stets zu Fronleichnam schulfrei.

Für uns war es allerdings Pflicht, an der großen Fronleichnamsprozession teilzunehmen. Als Schüler hatte ich damals aber nicht viel Spaß dran. Mir fehlten das Verständnis für das Festgeheimnis und Menschen, die mir vorlebten, warum das Allerheiligste Sakrament so verehrungswürdig ist. Fronleichnam erschien mir als eine Tradition, die ich nicht verstand. Dennoch ist mir hängen geblieben, dass Fronleichnam eigentlich ein wichtiges katholisches Fest ist. 

Das Geheimnis des Festes ist, dass der dreifältige Gott uns in der Eucharistie auch heute gegenwärtig und zur Speise wird. Die Eucharistie ist die Kraftquelle, aus der jeder Gläubige schöpft. (Siehe z. B.  Joh 6, 51 ff). Christus schenkt sich uns als Nahrung. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, er benötigt das himmlische Brot, ohne welches er kein ewiges Leben gewinnen kann.

Umso tragischer ist, dass nur noch ein Bruchteil der Menschen aus dieser Kraftquelle schöpft. Nur noch 10% der "Gläubigen" gehen zumindest jeden Sonntag zur Eucharistiefeier, der heiligen Messe. schon Thomas von Kempen schrieb in seinem Buch "Nachfolge Christi", warum es "nützlich sei, möglich sei, möglichst oft die Kommunion zu empfangen":
"Weil ich nun so oft falle und sündige, so schnell lax und matt werde, ist es mir sehr nöthig durch anhaltendes Gebet, aufrichtige Buße und den Genuß des heiligen Abendmahles mich zu erneuern, zu reinigen und meine Liebe zu entzünden, damit ich nicht etwa, wenn ich länger davon fern bleibe, in meinem heiligen Vorhaben wankend werde."
 Die regelmäßige Anbetung (Gebet) und die häufige (ehrfürchtige!) Kommunion stärken uns im Glauben, die Buße reinigt uns von allem, was uns daran hindert. Wer nur gelegentlich zur Kommunion geht und kein Gebetsleben pflegt, der verliert auch den Glauben an die Eucharistie. Ähnlich wie ein Radiogerät den Sender nicht mehr empfangen kann, weil er nicht mehr regelmäßig auf den richtigen Sender eingestellt ist.

In einer immer glaubensfeindlicheren Umwelt hat das "Hochfest des Leibes und Blutes Christi", wie Fronleichnam offiziell heißt, einen immer schwierigeren Stand. Vielerorts, wie in Niedersachsen, ist ganz normaler Arbeitstag. So findet an vielen Orten gar keine Prozession sondern "nur", wenn überhaupt, eine hl. Messe statt. Häufig wird dann Fronleichnam einfach auf den darauffolgenden Sonntag verlegt.

Ich finde es schade, wenn christliche Feste wegen der üblichen gesellschaftlichen Gepflogenheiten einfach wegfallen oder verlegt werden. Auch am heutigen Fronleichnam versuche ich, daraus den Umständen entsprechend doch einen Feiertag zu gestalten, obwohl ich arbeite. So habe ich mir heute Mittag ein Sonntagsessen und ein Stück Kuchen zum Kaffee gegönnt. Abends nehme ich an der hl. Messe und an der anschließenden Fronleichnamsprozession als Sänger unserer Chorgemeinschaft Cäcilia teil. 

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