Dienstag, 16. Juni 2015

Die Zukunft der überlieferten Liturgie

Seit länger Zeit erhalte ich aus dem schwäbischen Wallfahrtszentrum "Maria Vesperbild" regelmäßig Newsletter per Email. Diesmal landete ein PDF eines Interviews in der katholischen Zeitung "Die Tagespost" mit Erzbischof Guido Pozzo in meine Mailbox. Er ist Sekretär der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, die den Dialog mit Gemeinschaften führt, welche die alte überlieferte Liturgie feiern. Seit dem Motu Propio "Summa Pontificum" im Jahr 2007 ist die Feier der althergebrachten lateinischen Messe wieder erlaubt. Sie ersetzt aber keinesfalls die übliche heutige Form der hl. Messfeier in der Volkssprache, sondern darf als "außerordentliche Form" des römischen Messritus wieder öffentlich zelebriert werden.

Auf die Frage der Zeitung "Die Tagespost" bescheinigte Erzbischof Pozzo dem "Alten Ritus" durchaus eine gute Zukunft. Seine Messfeiern in der alten Form fänden Anklang auch unter jungen Leuten, besonders bei Menschen "die bei der Liturgie die Begegnung mit Gott suchten". Auch Papst Franziskus habe die Rechtsgültigkeit des Motu Propio "Summarum Pontificium" bestätigt. Weder der "Alte Ritus" noch der "Novus Ordo" in theologischer oder politischer Hinsicht ideologisiert werden, erklärte Erzbischof Pozzo im Gespräch das Anliegen des Papstes. .

Die altüberlieferte Form der Messe kenne ich aus meinen Kindertagen. Bis zu meinem 6. Lebensjahr war dies die übliche Art, wie die Messe gefeiert wurde. Nachdem die lateinische Messordnung vor wenigen Jahren wieder erlaubt wurde, hat sie mein Interesse gereizt. Es war der Reiz des Mystischen, des Geheimnisvollen. Einerseits ist sie für mich heimisch, aber gleichzeitig auch fremd. Schließlich verbinde ich den Hauptteil meines Glaubenslebens (mit Unterbrechungen) mit dem heute üblichen Ritus. Schon als Messdiener Anfang der 70iger erlebte ich die Messe nur noch in der jetzigen Form.

Mittlerweile ist mir aber auch die "Alte Messe" durchaus wieder ans Herz gewachsen. Fast jeden Sonntagmorgen verfolge ich den Wortgottesdienst um acht Uhr oder halb neun Uhr von der Petrusbruderschaft im KTV.  Danach gehe ich aber ins Hochamt umserer Pfarrei. Mehrmals bin ich aber auch schon zu einer hl. Messe der Petrusbruderschaft oder von Dominikanern in Rieste gefahren und habe die Messe ganz mit gefeiert. Auch wenn sie werktags im K-TV übertragen wird, feiere ich sie ganz mit. Ich schätze an ihr die Feierlichkeit und die Stille im Ritus, die großen Raum für die Gottesbegegnung im betenden Mitfeiern ermöglicht.

Leider wird der Grabenkampf um den "alten" und "neuen" Ritus von Verfechtern beider Seiten geführt. Der Nimbus des "alten Ritus" leidet vor allem darunter, dass viele sie mit einer schismatischen Priesterbruderschaft verbinden, welche die Lehrautorität der Päpste nach 1962 nicht anerkennt. Dabei geht allerdings unter, dass es sich sowohl bei der "alten" wie auch "neuen" Messform im Grunde um den gleichen Ritus geht, die Vergegenwärtigung des Kreuzestods Christi und die Vergegenwärtigung Christi in Leib und Blut, in dessen Gestalt er sich den Gläubigen im Sakrament der Eucharistie verschenkt.

Dabei bildet gerade die Vielfalt und Fülle der Liturgien und Traditionen den Reichtum unserer Kirche. Die Zukunft der alten Liturgie wird gesichert, wenn sie als genuiner Teil der Tradition unserer Kirche gesehen wird, welche sich immer wieder erneuert und gewandelt hat. Ich finde, dass wir als Katholiken die althergebrachte Liturgie in einer Weise ehren sollten, die sie verdient. Aus diesem Grund unterstütze ich ideell die Arbeit zum Beispiel der Petrusbruderschaft, die sich dies zur Aufgabe gemacht hat, sich aber gleichzeitig voll und ganz dem Lehramt verpflichtet fühlt. Und dies über die Grenze von 1962 hinaus bis heute.

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