Mittwoch, 20. Mai 2015

Wenn ein Mönch seine eigene Kirche kritisiert

Heute morgen sprach mich eine Fürbitte im morgendlichen Laudesgebet besonders an: "Gib, dass wir uns als Kinder Gottes vom Geiste Gottes leiten lassen; - bewahre uns vor dem Geist der Welt. - Herr, sende uns deinen Geist." Ein wenig später blätterte ich dann zum Frühstück in meiner Heimatzeitung und las eine Kolumne eines Benediktinermönches. Er bezog sich auf das Schriftwort aus dem Sonntagsevangelium: "Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst." Bezeichnender Weise war in der Zeitungskolumne ein wichtiger Rechtschreibfehler enthalten: Dort hieß es, 'vor den Bösen bewahrst'". Dadurch wurde bereits das Zitat der Schrift auf den Kopf gestellt, denn es entsteht ein ganz anderer Sinn. Wollte Christus uns vor bösen Menschen bewahren oder wollte er, dass wir vom Bösen bewahrt bleiben? Doch es kam noch schlimmer.

Der Mönch schrieb, das Wort fasse zusammen, wie er sein "Christsein erlebe"; "Mitten in der Welt und allem ausgesetzt, Gutem und weniger Gutem". Ein Wort Jesu verschwieg er allerdings: Dem Bösen. Er interpretierte das Bibelzitat, dass es sich gegen "Weltflucht", sich "aus allem heraushalten" wollen wende. Wir würden im "Zusammenspiel der Welt" in einer "Vielfalt von Kulturen und Religionen" leben und seien "gerufen, weltweit zusammenzurücken". Wie er dies aus diesem oder auch einem anderem Schriftwort interpretieren will, bleibt mir verborgen. Und weiter schrieb er: "Wo immer Christen berufen seien, gut zu sein, da entdecken sie das Gute im anderen und trauen ihnen es auch zu." Warum grenze dann aber die Kirche Menschen aus, die "anders" seien, anders "leben"? Er verwies als Beispiel auf "kirchliche Würdenträger (Wen meint er?)" wenn diese "auf kirchliche Lehre sich berufend" über Homosexuelle und "Wiederverheiratete" "befinden".

Es ist schon traurig, wenn ein Mönch, der sich "aus der Welt" zurückgezogen hat, die Lehre und die Wahrheit dermaßen verdreht, dass diejenigen, die "in der Welt" sind, dadurch noch mehr verwirrt werden. Bedenklich, wenn er den einen Satz des Evangeliums aus dem Zusammenhang reißt und die Botschaft Christi auf dem Kopf stellt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen