Samstag, 16. Mai 2015

Neues kirchliches Arbeitsrecht: Werden Ehrenamtler strenger als Angestellte behandelt?

Das kirchliche Arbeitsrecht für Angestellte der Kirche wurde geändert. Angestellte und Arbeitnehmer müssen nicht mehr ihr Leben nach dem katholischen Katechismus ausrichten und werden nicht mehr gekündigt, wenn sie nach einer Scheidung wieder heiraten oder wenn sie eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft eingehen. In einem Interview von Kirche + Leben, der Münsteraner Bistumszeitung, äußerte der Kirchenrechtler Prof. Schüller sich zur Frage, ob sich das neue Recht auch auf die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kirche auswirkt.


Darf zum Beispiel ein wiedervereirateter Katholik Vorsitzender des Pfarreirates werden? Diese Mitarbeiter unterlägen nicht dem neuen Arbeitsrecht, antwortete der Kirchenrechtler. In den sie betreffenden Ordnungen und Satzungen sei bislang noch geregelt, dass diese Ehrenamtler ihr Leben nach den Lehren der Kirche auszurichten hätten. Die Bischöfe müssten überlegen, ob sie auch in ihren Satzungen nachziehen. Ich vermute, dass es zumindest in den Bistümern, in welchen das neue Recht eingeführt wird, auch dazu kommen wird. Es kann nicht sein, dass ehrenamtliche Mitarbeiter strenger als feste Angestellte behandelt werden.

Man kann über das neue Arbeitsrecht ganz unterschiedlicher Meinung sein. Der nichtkatholische Mitarbeiter kann nicht gezwungen werden, nach katholischen Grundsätzen zu leben. Eine Änderung des Rechts wurde erforderlich, weil es in der üblichen Rechtssprechung nicht umsetzbar mehr war. Aber auch in diesem Feld wird sich die Entwicklung durchsetzen, dass niemand mehr sich an die kirchlichen Lehren und Gebote halten muss. Sie folgt dem Trend, dass es in Deutschland zwar noch mehr als 20 Millionen Mitglieder der Kirche gibt, aber nur noch wenige an das glauben, was sie lehrt.

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