Mittwoch, 27. Mai 2015

Die Auflösung des Kulturbegriffs "Ehe"

Was ist Ehe? Ursprünglich waren wir uns alle einig, was mit diesem Begriff gemeint war. Der Bund für das gemeinsame Leben von Mann und Frau. Es war der Traum vieler Menschen, den Partner zu finden, mit dem eine gemeinsame Familie gegründet werden kann, die Heimat und Sicherheit im ganzen Leben gewährleistet. Ehe war der Begriff der lebenslang währenden Treue zwischen Mann und Frau.

Nie war dieser Bund ungefährdet: Da der Mensch schwach ist, gab es zu allen Zeiten den Ehebruch, begründet in der Untreue des Menschen. Daher basiert die christliche Ehe auf den gemeinsam mit Gott geschlossenen Ehebund, den sich Mann und Frau im Sakrament der Ehe spenden. Er besagt, dass der Ehebund nicht endet, selbst wenn die Ehe scheitert. Die Eheleute bleiben berufen, trotzdem einander treu zu bleiben, auch wenn sie nicht mehr gemeinsam leben können.

Der Bedeutungsverlust der Ehe begann damit, dass selbst unter den Christen das eigentliche Verständnis dieses Sakramentes verloren ging. Die Ehen zerbrachen, die Eheleute wurden einander untreu und schlossen neue Partnerschaften. Längst ist der Ehebegriff durch den Begriff der Lebenspartnerschaft ersetzt worden, die jederzeit aufgelöst und wieder mit anderen Partnern neu geschlossen werden kann.

Der Traum von einer lebenslangen Liebe ist bei nicht wenigen ausgeträumt. Dennoch fordert mittlerweile eine sehr starke Lobby die Ausweitung des Ehebegriffs auf alle. Auf Twitter kursiert dies unter dem Begriff #ehefüralle. Ist Ehe etwas wirklich für alle Menschen? Die Realität beweist uns das Gegenteil. Abgesehen davon, dass es seit ewigen Zeiten auch Menschen gibt, die alleinstehend oder in zölibatären Lebensformen leben. Sie taten dies in familiären Verbänden, als Einsiedler oder Single oder in Ordensverbänden.

Es gibt heute eine Vielzahl von Lebensformen innerhalb und außerhalb von Partnerschaften. Ein weiteres Beispiel sind auch die vielen Patchwork-Familien, in denen verheiratete aber auch nicht verheiratete Partner zusammen mit Kindern aus verschiedenen Konstellationen leben. Daher finde ich die Einführung der sogenannten "eingetragene Lebenspartnerschaft" ehrlicher als die Verwendung des Begriffs der Ehe für alle. Sie bietet den Partnern nahezu die gleichen Rechte wie in einer Ehe.

Die Pluralität der Partnerschaftsformen braucht auch eine Pluralität der Begriffe. Sollte der Begriff "Ehe" wirklich für jede Form einer Lebenspartnerschaft verwendet werden, brauchen wir einen neuen Begriff für die christliche Ehe, die sich davon fundamental unterscheidet.

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