Sonntag, 26. April 2015

Was ein Seniorenmessdiener sich so anhören muss

Bei einer Geburtstagsfeier unterhielt ich mich mit einem Sangesbruder über seine Erlebnisse als Seniorenmessdiener. Mittlerweile gibt es immer mehr von ihnen. Denn häufig gibt es nicht mehr genug Mädchen geschweige denn Jungen, die für den Dienst am Altar zur Verfügung stehen.

Die Kinder haben im Zuge der Ganztagsschule schlichtweg keine Zeit mehr. Wenn tagsüber Beerdigungen stattfinden, sind nun gestandene Herren gefordert, diese Lücke zu füllen. Damen gereifteren Alters habe ich als Messdienerinnen bislang nicht erlebt, bei den Jugendlichen ist hingegen der Messdienerdienst fast ausschließlich in der Hand der Mädchen, Jungs spielen lieber stattdessen am Sonntagvormittag Fußball.

Und so müssen sich die wenigen regelmäßigen Kirchgänger daran gewöhnen, immer öfters ältere Messdiener am Altar zu sehen. Einige haben hiermit ein echtes Problem, erzählte mir mein Sängerbruder. Er hat sich schon einige Sprüche irritierter Zeitgenossen anhören müssen, erzählte er mir beim Bier. Zum Beispiel fragten ihn Leute, ob er sich am Altar profilieren wolle. 

Oder auch umgekehrt: mein Freund leitete eine Geschäftsstelle, bis er in die Rentenzeit sich verabschiedete. Ein Mensch konnte nicht verstehen, warum der ehemalige Chef nun Wasser und Wein dem Priester anreicht und das Weihrauchfass schwenkt. Dies sei doch unter seiner Würde.

Für meinen Freund ist der Altardienst ein Ausdruck seines Glaubens. Er war als Junge von 9 bis 21 Jahren Messdiener. Als das Telefon klingelte und der Pfarrer ihn fragen ließ, ob er zum Dienst bereit sei, sagte er sofort zu. Was andere darüber denken, ist ihm gleichgültig, da steht er drüber. Mit den sinkenden Zahlen an Kirchgängern werden sich die kritischen Damen und Herren wohl daran gewöhnen müssen, dass immer mehr Senioren Dienst am Altar übernehmen müssen.

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