Montag, 20. April 2015

Von der Pfarreifusion bis zur Kirchenschließung

Heute fiel mir ein Beitrag auf kath.net besonders ins Auge: "Niederlande - Kirchen ohne Zukunft". Danach sollen im Nachbarland Holland 1.000 römisch-katholischer Kirchen vor der Schließung stehen. Das seien zwei Drittel aller katholischer Kirchen. Als Grund wird die dramatisch sinkende Zahl an Gläubigen genannt. Der Bevölkerungsanteil der Katholiken sank laut Wikipedia in den letzten 40% auf 23%. Von den noch konfessionell katholischen Christen besuchten aber nur nochv 5% der knapp vier Millionen Katholiken sonntags die Kirche. In Deutschland sind es (noch) 10% der Katholiken.

Mich interessiert das Thema gleich mehrfach. Zum Ersten ist die Grenze zu Holland nur 100 km von meinem Wohnort entfernt. Zum Zweiten hat der Gründer unseres Bistums, der hl. Luidger, dort missioniert. Unser Bistumssitz Münster war Missionszentrale für Friesland. Zu Friesland gehören Gebiete in den heutigen Niederlanden und Deutschland. Drittens könnte der Prozess im Nachbarland möglicherweise ähnlich auch bei uns in Deutschland verlaufen.

Denn die Säkularisierung, die Verweltlichung der Gesellschaft und damit verbunden die Verdunstung des Glaubens schreitet auch bei uns immer mehr voran. Kirchenschließungen gab es zum Beispiel bereits in der Diaspora Nordwestniedersachsen in Oldenburg und in Wilhelmshaven. Der Kirchenbesuch war zu gering und die Gebäudekosten zu hoch. Selbst in der katholischen Region Südoldenburg ist der Kirchenbesuch im Vergleich zu wenigen Jahren dramatisch gefallen.

In meiner Pfarrgemeinde mit knapp 6.000 Einwohner (zumeist katholisch) gibt es noch 4 Kirchen. Ursprünglich waren die vier Kirchdörfer eigenständige Pfarreien. Wie viele andere wurden sie zu einer "Großgemeinde" fusioniert. Unsere 10 km entfernte Kreisstadt mit 30.000 Einwohner hat nur noch eine Großpfarrei,

Noch finden in meiner Pfarrei in allen vier Kirchen entweder am Samstagabend oder am Sonntag jeweils eine heilige Messe statt. Aber es ist eine Frage der Zeit, wann dies eingestellt wird. Denn eigentlich würde räumlich unsere Hauptkirche vollkommen ausreichen, wenn es eine Vorabendmesse am Samstag und zwei Messen am Sonntag gäbe. Außerdem haben Gläubige im Umkreis von wenigen Kilometern genügend Möglichkeiten, die heilige Messe zu feiern.

Andererseits müssen alle vier Kirchengebäude regelmäßig sehr teuer saniert werden. Vor zehn Jahren wurde für die Sanierung der Außenfassade mehrerer Kirchen unserer Pfarrei gesammelt, derzeit wird für Spenden zum Erhalt des Hochaltars und der Orgel unserer Hauptkirche um Spenden gebeten. Wie in Holland wurden viele ehemals selbstständige Pfarreien fusioniert. Die geschichtliche Bindung an einer Pfarrei und der Kirche im Dorf wird damit zwangsweise geschwächt. Dies beschleunigt den Prozess der Entfremdung zur Kirche.

Einen Unterschied zu Holland gibt es allerdings in Deutschland: Die Kirchensteuer. In Holland sind die Kirchen ausschließlich auf Spenden angewiesen. Da wird die Schließung von zu gering genutzten Kirchen viel schneller erforderlich. Dennoch sollte der Blick über die Grenze ins Nachbarland durchaus warnen. Eine Zukunft ohne Kirche ist auch bei uns durchaus nicht ausgeschlossen. Denn mit dem Sinken des katholischen Bevölkerungsanteils droht auch die derzeit sprudenlde Quelle Kirchensteuer in absehbarer Zeit zu versiegen. Dann werden auch mehr Kirchenschließungen bei uns auf der Tagesordnung stehen.

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