Sonntag, 12. April 2015

Krieg, Genozid und der Barmherzigkeitssonntag

Eucharistische Anbetung in Bethen
Wie notwendig ist die Barmherzigkeit in einer unbarmherzigen Welt. Dies dachte ich an diesem Wochenende. Es begann für mich mit einer Gedenkveranstaltung der Zerstörung eines Dorfes in meiner Gemeinde kurz vor Kriegsende vor genau 70 Jahren.

Dazu war ich eingeladen, um darüber zu berichten. Im Grunde schien der Krieg bereits gelaufen zu sein. Die Engländer hatten die Wehrmacht bereits besiegt, einzelne deutsche Soldaten suchten ihr Heil in der Flucht. Die meisten Leute hofften auf ein schnelles friedliches Ende.

Doch da geschah die Katastrophe. Die Engländer zogen durch den Ort, um zur Kreisstadt zu ziehen. Niemand leistete Widerstand. Außer ein verblendeter beinamputierter Oberstleutnant. Er fuhr mit einem Motorrad die Dorfstraße entlang und stoppte flüchtende Soldaten mit einer Waffe und befahl ihnen den Gegenangriff, andernfalls drohte er mit standrechtlicher Erschießung. Die Soldaten begannen deshalb mit einer zwecklosen Gegenwehr gegen die übermächtigen Alliierten. Daraufhin wurde das ganze Dorf in Schutt und Asche gelegt.

Warum schreibe ich dies am heutigen Barmherzigkeitsfest? Weil uns hier plastisch vor Augen geführt wird, was geschieht, wenn Gottlosigkeit die Menschen regiert. Der Krieg ist auch heute wie gestern uns genauso nah und kann uns jederzeit wieder treffen. Das Leid aus Krieg und gottloser und menschenfeindlicher Diktatur hat ein heute 78igjähriger Mann im Alter von 9 Jahren selber aus unserem Dorf hautnah erlebt. Mit bewegenden Worten erzählte er als einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen davon auf der Gedenkveranstaltung.

Beim Festgottesdienst im Vatikan und beim Regina Coeli erinnerte Papst Franziskus an den Genozid an die armenischen Christen in der Türkei. Er bezeichnete das Verbrechen an die armenischen Brüder und Schwestern im Glauben als dritten Genozid neben dem Nationalsozialismus und dem Stalinismus. Auch heute fallen zahllose Unschuldige verblendeten Religionsanhängern, Machthabern und Diktatoren zum Opfer, die ihr Volk in den Krieg und die Armut führen. Unzählige Menschen befinden sich auf der Flucht aus ihren armen Ländern und finden bei uns verschlossene Türen, weil wir unseren Reichtum mit ihnen nicht teilen wollen. Die Gottlosigkeit und macht nirgendwo hält und kann selbst innerhalb der Konfessionen und Religionen angreifen. Machtinteressen werden an die Stelle von Gott gestellt, was dann zur Katastrophe führt.

Die Botschaft der Barmherzigkeit lautet, dass Christus alle Sünde besiegt. Das Böse wird letzten Endes niemals siegen.. Es kann nur durch die Umkehr und die Vergebung aller Schuld überwunden  werden. Als Christen sind wir berufen, immer meh ein Werkzeug der Barmherzigkeit Christi zu werden. Am heutigen Tag können alle einen Ablass gewinnen, die in einer Kirche vor dem Tabernakel oder einer stillen eucharistischen Anbetung ein Credo und ein Vaterunser beten. Vor dem eucharistischen Herrn dürfen wir um den Frieden bitten, den nur Er uns schenken kann. Wir dürfen wie die hl. Maria Faustyna Kowalska beten: "Jesus, ich vertraue auf dich!" Auch wir sind auf seine Gnade angewiesen, denn ohne ihn werden wir diese Welt niemals ändern. Auch ich nutzte das Fest zu einer stillen Eucharistischen Anbetung im Marienwallfahrtsort Bethen und betete neben den oben genannten Gebeten auch in persönlichen Anliegen.

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