Donnerstag, 9. April 2015

Aus aktuellem Anlass: Die Berechtigung der Todesstrafe

Der eine von zwei "Boston-Bombern" wurde in den USA jetzt zum Tod verurteilt. Mit seinem Bruder hatte er bei einem Marathonlauf zwei Bomben gezündet. Drei Menschen kamen um und 260 Menschen wurden bei diesem Terrorakt verletzt. Wie jede Verhängung der Todesstrafe löst dies die Frage nach dem Sinn und der Berechtigung der Todesstrafe.

Aus christlicher Verantwortung ist zu hinterfragen, ob die Verhängung dieser Strafe überhaupt einem Menschen zusteht. Denn letztendlich ist nicht er sondern Gott der Herr über Leben und Tod. Das fünfte Gebot lehrt uns, dass wir nicht töten dürfen. Der Mord an einen Unschuldigen gilt laut Katechismus Nr. 2261ff als schwerer Verstoß gegen die Menschenwürde, die goldene Regel und die Heiligkeit des Schöpfers. Laut Gen. 9.5-6 fordert Gott von jedem Rechenschaft, der Blut vergießt.

Es gibt aber auch Ausnahmen des Verbots zu töten, zum Beispiel in Notwehr, wenn das eigene Leben oder das Leben anderer bedroht ist. Wenn ein Gemeinwesen bedroht wird, darf es mit Waffengewalt verteidigt werden. Ich wurde letztens gefragt, ob ich den Kriegsdienst in der Bundeswehr verweigert habe. Als ich dies verneinte, musste ich mit diesen Argumenten begründen, warum ich dies mit meinem christlichen Glauben vereinen kann. Im Ernstfall kann die Notwehr, also die Abwehr der Bedrohung des Lebens Unschuldiger, sogar verpflichtend erforderlich sein.

Der Katechismus schließt auch die Todesstrafe nicht als Strafe aus. "Die Strafe soll in erster Linie die durch das Vergehen entstandene Unordnung wiedergutmachen," heißt es im Katechismus (Nr. 2266).  Es soll aber wenn möglich auf unblutige Mittel zurückgegriffen werden, um die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu schützen.

Und hier ist für mich der Knackpunkt: Ich bezweifele, dass die Todesstrafe tatsächlich zur höheren Sicherheit und Ordnung beiträgt. Im aktuellen Fall wird sich der "Boston-Bomber" kaum vor dem eigenen Tod gefürchtet haben, er musste mit ihm während des Attentats jederzeit rechnen. Als Islamist wird er an einen Märtyrertod geglaubt haben. Ähnlich verblendete Menschen werden ebenfalls nicht von der Todesstrafe abgeschreckt.

Die Kriminalität in Staaten, in denen die Todesstrafe verhängt wird, ist nicht geringer als anderswo. Auch den Opfern wird dadurch nicht geholfen, außer dass der Tod ihres Angehörigen gerächt wird. Die Ordnung, die vorher war, wird durch die Todesstrafe nicht wiederhergestellt, weil das Todesopfer nicht wieder ins Leben geholt wird. Die Todesstrafe kann allenfalls die Rache der Opfer befriedigen. Dies ist aber aus christlichem Glauben abzulehnen.

Die Endgültigkeit der Todesstrafe verhindert eine mögliche Umkehr des Täters und Sühne der Tat. Auch das ist ein Grund, die Todesstrafe aus dem Glauben heraus abzulehnen. Diese Strafe schließt jede Möglichkeit der Vergebung aus. Ich bete dafür, dass diese grausame Strafe möglichst abgeschafft wird. Ich bete für die Opfer UND für die Täter jedes Verbrechens. Ich bete um Vergebung, weil jeder Mensch wie auch ich auf Vergebung angewiesen ist.

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