Sonntag, 22. März 2015

Wieviel Politik verträgt die Kirche?

Soll Kirche mehr Stellung zu Politik und Gesellschaft beziehen? Auch in diesem Punkt wird Kirche von verschiedensten Seiten kritisiert. Die einen bemängeln an der Kirche ihre "Untätigkeit". Und andere schimpfen, die Kirche würde eine "falsche" Politik unterstützen.

Jahrzehntelang war es in der Öffentlichkeit sehr ruhig, die Kirche rührte im eigenen Strukturwusel. Die 70iger Jahre gerieten in Vergessenheit, in denen sich die Kirche sehr rührig gegen uneingeschränkte Abtreibung und Verhütung gewandt hatte. Die letzten Jahrzehnte wurden durch reine Rückzugsgefechte der Kirche geprägt. Sie wurde mit Missbrauchs- und Finanzskandale torpediert. So gab es nur noch wenig Raum für eine Mitgestaltung von Politik und Gesellschaft. Diese Arbeit fand, wenn überhaupt, weitgehend lautlos statt.

Dann eilte Pegida zur vorgeblichen Rettung des christlichen Abendlandes, deren Christen allerdings zunehmend sich ihrer religiösen und kulturellen Wurzeln und ihrer Kirche entfremdeten. Doch ach, die Kirche verschmähte die Pegida-Ritter mit den schwarz-rot-goldenen Kreuzen. Die Kölner Domgemeinde knipste ihnen das Licht aus.

Unser Münsteraner Bischof Felix Genn handelte unmissverständlich und verordnete einem Pfarrer, der auf einer Pegida-Demo sprach, kurzerhand ein Predigtverbot. Unser Jugendpfarrer im Offizialat stieß bei einer Predigt ins gleiche Horn und verkündete, dass der "Geist Gottes " vor "Berührungsängsten" gegenüber fremden Kulturen, Sprachen und Nationen befreie. Pegida denke hingegen national. Vielfalt sei keine "Bedrohung" sondern von "Gott gewollt", betonte der Jugendpfarrer. 

Also schon Politik, nur doch bitte schön die richtige? Diese Debatte zieht sich auch im Internet so weiter. Die Organisatoren von Demos gegen die Bildungsplänen zur Sexualerziehung kritisieren, dass die Bischofsverwaltungen sich an diesen Initiativen nicht beteiligen. Auch dies trägt dazu bei, dass diese Demos mit zum Teil richtigen Themen kaum Teilnehmer anziehen.

Auch ein örtlicher Pfarrer meinte, dass die Kirche "immer politisch Stellung" beziehen sollte. So bekämen auch mehr Jugendliche Interesse an Kirche. Ein wichtigeres Argument für mich wäre, dass man zentrale Themen in der Gesellschaft besetzen würde. So würde man verhindern, dass Randgruppen alleine im Namen von Kirche "katholische" Positionen auf der Straße "vertreten" und somit der gesamten Kirche Schaden zufügen könnten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen