Mittwoch, 25. März 2015

Was bei der Diskussion um "Wiederverheiratete" untergeht

Schon jetzt schlagen die Wogen im Vorfeld der "Familiensynode" hoch. Im Internet wird heftig darüber diskutiert, ob die Lehre der Kirche der "Lebenswirklichkeit" der Katholiken angepasst werden muss. Die Forderung nach Zulassung der Wiederverheirateten zu den Sakramenten ist ein Sprengsatz für die bisherige Lehre der Kirche.

Geht die Kirche auf diese Forderung nicht ein, wird eine weitere Welle der Kritik, des Shitstorms und Kirchenaustritte folgen. Lässt sie "Wiederverheiratete" zu den Sakramenten zu, stellt sie ihr eigenes Fundament in Frage. Die Unauflöslichkeit der Ehe ist und bleibt ein Dogma der Kirche. (Siehe dazu KKK Nr 1643ff und hier) Diese Lehrgrundsatz folgt dem sechsten Gebot und kann nicht mit einem Synodenbeschluss geändert werden. Es lässt nicht zu, dass Menschen, die in einer nichtehelichen Partnerschaft ("2. Ehe" oder staatliche "Wiederheirat") leben, zur Eucharistie zugelassen werden. Eine gültige Beichte und damit auch die Zulassung zur Eucharistie wird erst möglich, wenn das Ärgernis  dieser Lebensweise beendet worden ist und bereut wird.

Dennoch muss die Kirche ein glaubhaftes Signal geben, dass niemand aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen ist, auch wenn er nicht zu den Sakramenten zugelassen wird. Sie muss überzeugend vertreten, warum sie ihre Ehelehre nicht dem Zeitgeist entsprechend abändern kann. Andererseits darf sie sich nicht den vielen Nöten der Betroffenen nach einer gescheiterten Ehe verschließen. Wer selbst einmal das Zerbrechen einer Partnerschaft erlebt hat, kennt deren tiefgreifenden Verletzungen für beide Partner. Dabei spielt die Schuldfrage gar nicht einmal die wichtigste Rolle. 

Werte wie Familie, Treue, Verantwortung und Opferbereitschaft sind in unserer Gesellschaft des Eigensinns und der Selbstverwirklichung allenfalls noch in Sonntagsreden und Predigten gefragt. Die Leute, die die Unauflöslichkeit der Ehe aufgrund der "Lebenswirklichkeit" für ein nicht realisierbares Gebot halten, verdrängen die Opfer, die es bei den vielen scheiternden Beziehungen und Ehen heute gibt.

Selten wird über das Leid eines von seinem Partner verlassenen Menschen nachgedacht. Vor allem, wenn er erleben muss, dass sein Platz nun ein anderer einnimmt. Es wird gerne verschwiegen, dass in unserer Zeit der wechselnden Lebenspartnerschaften es nicht wenige Verlierer gibt. Der Mensch wird auswechselbar. Er degeneriert zu einer Figur, die ersetzt wird, wenn sie den Bedürfnissen nicht entspricht. In unserer derzeitigen Gesellschaft muss jeder damit rechnen, dass ihm dieses passiert. 

Es ist bedauerlicherweise längst Konsens, dass ein Eheversprechen nicht mehr lebenslang gegeben werden könne. Dies gilt nicht nur für die Gesellschaft sondern auch innerhalb der Kirche(n). Der Traum von einer lebenslangen Liebe und Treue wird zwar in der Heiratsindustrie beschworen. Die vielfach propagierte romantische Hochzeit scheint jedoch längst zu einer leeren Hülse der Lüge entartet zu sein.  Für nicht wenige ist dies ein Grund, gar keine Partnerschaft und Ehe mehr einzugehen.Die Zahl der gewollt oder ungewollt ehelos lebenden Singles wächst in den wohlhabenden westlichen Gesellschaften ständig an. Auch dies sind Gründe, warum Kirche ihre Ehelehre nach zweitausend Jahren nicht einfach über den Haufen werfen kann.

Die Kirche muss das Ehesakrament wieder den Menschen neu erklären. Sie sollte bei Zulassung zur christlichen Ehe ähnlich wählerisch sein, wie bei der Zulassung zum Ordens- oder Priesteramt. Auch beide Partner sollten dabei unterstützt werden, die Ernsthaftigkeit ihres Eheversprechens zu prüfen. Die gute alte Tradition einer Verlobungszeit sollte neu belebt werden. Die Kirche muss zur Einmaligkeit dieses Sakraments, welches sich beide Partner spenden, stehen. Die Ehe muss in ihrer Unauflöslichkeit gestärkt werden.  Allen Gläubigen muss die Kirche verständlich machen, warum nach einer (staatlichen) Scheidung eine "Wiederheirat" in der christlichen Kirche unmöglich bleibt. Menschen, die in ihrer Partnerschaft scheitern, muss die Kirche beistehen, sie zu einem Neuanfang als zölibatärer Mensch ermutigen. 

Ich bin gespannt, ob meine obigen Ausführungen in ein paar Monaten über Bord geworfen werden müssen. Aber im Moment scheint es unvorstellbar, dass die Synode die Ehelehre auf den Kopf stellen wird. Alle Dialogprozesse und Umfragen dürften dann in eine riesige Enttäuschung unerfüllter Erwartungen münden, die für unsere Kirche eine weitere große Belastung werden wird. 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen