Mittwoch, 11. März 2015

Warum das mit dem Beichten nicht so einfach geht

Fastenzeit, das ist für den Christen eine Zeit der Umkehr. Dies bedeutet auch, einmal sein geistliches Leben zu überprüfen. Steht mein Denken, Reden und Handeln mit dem Willen Gottes überein? Habe ich mich von meinem Herrn und dreifaltigen Gott, dem Vater, Sohn und Heiligen Geist abgewandt?

Die Katholische Kirche bietet ihren Gläubigen das Sakrament der Versöhnung, die Beichte, um einen Neuanfang mit Gott zu beginnen. Gott selbst heilt in diesem Sakrament unsere Wunden, er schenkt uns Vergebung, Versöhnung und einen Neuanfang. Voraussetzung ist unsere Entscheidung zur Abkehr von unseren Sünden und die Bereitschaft, alle unsere bösen Gedanken, Worten und Taten dem Beichtvater gegenüber zu bekennen, der uns im Auftrage der Kirche die Vollmacht hat, das Sakrament zu spenden. Wer einmal eine gute Beichte abgelegt hat, kennt die Erfahrung großer Erleichterung und innerlicher tiefer Freude danach.

Meine erste Beichte nach langen Jahrzehnten bleibt mir unvergessen. Ich entschloss mich nach langem Ringen zu beichten und fuhr dazu in die von mir 90 km entfernte Gebetsstätte Heede ins Emsland. An diesem Marienwallfahrtsort findet jeden 1. Samstag im Monat eine Nachtanbetung mit Heiliger Messe und Lichterprozession statt. Sechs Priester stehen vor und nach der Messe für die Beichte zur Verfügung.

Auf meiner einstündigen "Wallfahrt" nach Heede mit dem Auto betete ich den Rosenkranz. In Heede hatte ich ein leicht mulmiges Gefühl, ich fühlte mich fremd. Und sollte ich wirklich beichten? Währenddessen begann die eucharistische Anbetung mit einer Vesper. Schließlich rang ich mich doch durch, mich in eine lange Schlange vor den Beichträumen zu stellen. Beim Warten wurde mir noch mulmiger. Was sollte ich nun tatsächlich beichten? Die Wartezeit wurde immer länger und länger. Als ich endlich alleine vor dem Beichtraum stand, kam schließlich der Priester aus dem Zimmer und bedeutete mir: "Es tut mir leid, aber ich muss jetzt zur Heiligen Messe! Sie können aber nach der Messe dann noch zur Beichte gehen, wenn sie möchten"

Das war wie ein Schlag in meine Magengrube, denn nun musste ich die ganze Heilige Messe noch zappeln, bis ich die Gelegenheit zur Beichte bekam. Im Beichtzimmer sprudelte es aus mir heraus, was mir auf dem Herzen lag. Der Priester gab mir noch ein paar geistliche Ratschläge und meinen zu verrichtenden  Bußakt, ein Gebet, auf. Danach gab er mir dann die Absolution. Ich fühlte mich danach wirklich sehr erleichtert und befreit.

 Na gut, wenn's wirklich so toll ist, wo ist dann das Problem danach, könnte man fragen. Wenn man eine solche befreiende Wirkung der Beichte verspürt hat, müsste man doch so oft wie möglich beichten. Leider ist dies genauso wenig der Fall, als dass man nach der Beichte vor jeder weiteren Sünde gefeit wäre. Wir bleiben weiterhin "zerbrechliche Gefäße" und erfahren, dass wir unsere Kraft das Gute zu tun, allein aus der Gnade Gottes erhalten. (Dazu passend: 2. Korinther 4)

Wenn wir wieder gesündigt haben, fällt uns die Entscheidung, einen Neuanfang im Glauben zu machen, immer wieder von neuem schwer. Es gibt viele Gründe, nicht zur Beichte zu gehen. Zum Beispiel, indem man verdrängt, was böse war. Oder man hat keine Beichtgelegenheit, der Priester ist kein geeigneter Beichtvater. Ausgerechnet am Tag, an welchem man sich durchgerungen hat, kommt ein "wichtiger" Termin dazwischen.

Es gibt tausend Gründe. nicht zur Beichte zu gehen, es gibt tausend Gründe nicht zur Heilige Messe zu gehen. Es gibt tausend Gründe, Böses zu tun. Gutes zu tun ist meistens mit Anstrengung verbunden, vor allem, wenn man dafür nicht (sofort) eine Belohnung bekommt. Aus diesem Grund müssen wir uns als suchende Christen katholischen Glaubens klar machen, dass

  • das Sakrament der Versöhnung uns mehr Freude am Glauben schenkt
  • wir uns danach wieder frei und erneuert fühlen
  • dass wir dazu auch unsere "kleinen" lässlichen Sünden bekennen sollen
  • dass wir niemals dem Priester sondern immer allein Gott persönlich unsere Sünden anvertrauen
  • dass es keinen Fortschritt im Geistlichen Leben gibt ohne Umkehr und Buße
  • regelmäßige Gewissensprüfung ein Schritt zum tieferen geistlichen Leben ist.
Wir sollten uns bewusst sein, dass die Kirche nicht ohne Grund uns das Gebot gibt, mindestens zweimal im Jahr zu beichten. Uns wird empfohlen, sogar monatlich oder öfters zur Beichte zu gehen.
Machen wir uns gegenseitig Mut, öfters uns mit Gott versöhnen zu lassen.

Noch ein Linktipp für alle, die lange nicht mehr zur Beichte waren: Beichte für Anfänger - Karl-Leisner-Jugnd