Sonntag, 8. März 2015

Und noch ein Nachschlag zur Münsteraner Zufriedenheitsstudie

Auch in "Kirche+Leben", der Bistumszeitung im Bistum Münster, wird auf einer ganzen Seite ausführlich über die Studie zur Zufriedenheit der Katholiken berichtet. Die sogenannten "Marketing-Experten" dieser Untersuchung hinterfragten laut Bericht bei der Präsentation, wie "nahe" die kirchlichen Mitarbeiter an den "Wahrnehmungen" der Katholiken seien.. Die Ergebnisse hätten ergeben, dass die Mitarbeiter die Zufriedenheit im Bistum ganz anders eingeschätzt hätten als die Katholiken insgesamt.

Dies gelte besonders für "liturgische Leistungen" und Katechese. Ein einfaches "Weiter so" dürfe es nicht geben. "Um mehr Glaubwürdigkeit und Vertrauen aufzubauen seien Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit nötig, ebenso ein intensiver und offener Austausch und Dialog mit den Gläubigen", eine "offene Kommunikationsstruktur" und mehr "Beteiligung der Gläubigen bei Entscheidungsprozessen". Haben Sie etwas verstanden? Ich nicht. Das ist halt Marketingsprache.

Können "Marketing-Experten" der Münsteraner Kirche wirklich aus der Patsche helfen? Ich tue mich mit diesem Gedanken ein wenig schwer. Glaube ist nun einfach kein "Produkt", Seelsorge keine "Dienstleistung". Betriebswirtschaftliche Methoden funktionieren in Kirche nicht wie in Unternehmen, wenngleich uns das diese "Experten" weismachen wollen. Kirche ist Sendung Gottes, die Verkündigung der Frohen Botschaft, ob gelegen oder ungelegen. Zentrale Aufgabe der Kirche ist die Anbetung des Herrn, ohne den niemand etwas erreichen kann. Kirche muss den Menschen eine Alternative zur Gesellschaft bieten. Ein Raum, wo er Gott begegnen und Nächstenliebe erfahren kann. Dann wird sie auch attraktiv. Letztendlich aber liegt alles in der Gnade Gottes, der seiner Kirche versprochen hat, dass sie nicht untergehen werde. 

Der Leiter der Hauptabteilung für Seelsorge im Münsteraner Generalvikariat wiederholte laut der Kirchenzeitung den Aufruf, mehr Zeit und Energie für die Wahrnehmung der Menschen" aufzuwenden und "Neues auszuprobieren".  Er bezog das auch auf die Liturgie, die noch stärker an die verschiedenen "Zielgruppen" (welch grausamer Begriff!) orientiert werden müsse.

Ich frage mich, was das nun für uns Katholiken im Bistum Münster in der Praxis bedeuten wird. Werden wir mehr "Forumskirchen" wie St. Peter in Oldenburg bekommen? Hier wurde ein völlig neues Konzept in der Citypastoral eingeführt, die Außenstehende in die Kirche locken soll. In St. Peter Oldenburg hat das Bistum viel Geld und im wahrsten Sinne Energie investiert, um katholische Kirche ganz neu zu denken.

Ob allerdings dieses Konzept mittelfristig zu zu einer stärkeren Identifikation der Katholiken mit ihrer Kirche führt und ob dadurch die katastrophale Steigerung der Kirchenaustritte gestoppt werden kann, bleibt noch offen.


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