Sonntag, 29. März 2015

Nach(t)gedanken zum Flugzeugabsturz

Das Thema Flugzeugabsturz hat mich in den letzten Tagen doch noch sehr beschäftigt. Die mediale Behandlung des Themas fand ich entsetzlich. Er gipfelte sogar in der namentlichen Nennung der tragischen Hauptfigur des Unglücks, des Copiloten. Dies ist ein einmaliger Vorgang in der Berichterstattung, die mittlerweile keinerlei mehr Grenzen kennt.

Schnell bemühten sich Vertreter der Luftfahrtindustrie jegliche technische Ursache beim Flugzeug auszuschließen. Daher wurden die Ermittlungen aus dem Stimmrekorder nahezu detailliert bis auf dem letzten Atemzug beschrieben. Auch über die Funktionsweise der Tür zum Cockpit wissen wir nun genau bescheid.

So erfuhren wir, dass der Copilot "vorsätzlich" den Piloten ausgeschlossen und den Sinkflug eingeleitet habe. Wir lasen das Wort "Mord", mit dem der Copilot schon vorab medial abgeurteilt wurde. Der Schuldige war also gefunden. War der Copilot ein vorsätzlicher Mörder, der kaltblütig sich selbst und die anderen 150 Insassen tötete?

Heute Nacht las ich in Kirche+Leben, der Münsteraner Bistumszeitung, einen Beitrag über eine Selbsthilfegruppe von Betroffenen, die einen nahen Angehörigen durch Suizid verloren haben. Sie müssen nicht nur mit ihrer eigenen Trauer fertig werden. Besonders empfindlich würden Betroffene auf das Wort "Selbstmord" reagieren.  Mord ist ein Kapitalverbrechen, welches mit Arglist und Heimtücke begangen wird, heißt es im Beitrag, in dem dieser "unsensible Sprachgebrauch" zurecht thematisiert wird.

Die Unbarmherzigkeit der Medien und vieler Zeitgenossen muss uns Christen auf den Plan rufen. Hier geht es um schwere Schuld. Wie schwer war die Schuld des Copiloten wirklich? Genaue Hintergründe sind nicht bekannt. Aber offensichtlich war er psychisch erkrankt. Was ging tatsächlich in seinem Kopf vor sich? Wenn es wirklich so war, wie es uns erzählt wird, dass er den Sinkflug eingeleitet hat und dem Copiloten ausgesperrt hat, war dies eine Folge einer psychischen Krankheit? In diesem Falle wäre die Tatschuld zumindest eingeschränkt.

Die Art, wie mit dieser Tragödie umgegangen wird, ist schlichtweg unmenschlich. Ich habe mich gefragt, warum dieser Mensch, der krankgeschrieben gewesen sein soll, so abgeurteilt wird, bevor ein Gericht sich damit befasst hat. Für gibt es dazu nur eine Motivation: Die Massenfliegerei muss weiter gehen, damit der Rubel weiter läuft. Darum haben die Unternehmen, die in diesem Spiel mitwirken, alles für eine möglichst zügige "Aufklärung" getan. Sie wollten die wirtschaftlichen Verluste begrenzen. Denn vielen macht ein solcher Absturz Angst und sie überlegen sich, ob sie ins Flugzeug steigen.

Nicht dabei werden diejenigen berücksichtigt, die mit diesem Unglück weiter leben müssen, wenn das Thema längst aus den Gazetten, Internetportalungen und Nachrichtensendungen verschwunden ist. Die Angehörigen der Insassen des Flugzeugs und der Crew.

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