Sonntag, 1. März 2015

Mein zweiter Fastensonntag - Armut und Reichtum im Gottesdienst

Blick in die Propsteikirche
 St. Johann in Bremen
Meinen heutigen Fastensonntag begann ich heute morgen wie gewohnt mit meinem Morgengebet, der Laudes. Nach dem Frühstück und einigen notwendigen Tätigkeiten ging ich ins Hochamt, heute als Familienmesse zum Fastensonntag gefeiert.

Unser Kinderchor beeindruckte mich sehr. Es ist einfach schön, wenn Kinder neue geistliche Lieder singen, weil dabei so viel Freude entsteht. Die heilige Messe war wesentlich besser besucht als gewohnt. Die Lesung entfiel, stattdessen wurde die Schöpfungsgeschichte erzählt. Auf einer Leinwand wurden Bilder gezeigt, die ich aber nicht sehen konnte, da mir im Seitenflügel der Blick durch eine Säule versperrt war. 

Danach verlas unser Pfarrer das Evangelium und predigte über die biblische Schöpfungsgeschichte, die uns zwei wichtige Punkte erzählen will: Gott hat alles erschaffen! Und der Mensch hat eine besondere Verantwortung. Gegenüber Gott, seinen Nächsten und auch seiner Umwelt. Nach der wie immer guten Predigt unseres Pfarrers durften die Kinder die Fürbitten verlesen. Auch hier drangen die holprig von Kinderstimmen gesprochenen Bitten sehr eindringlich in unser Herz. 

Zur Gabenbereitung sangen Kinderchor und Gemeinde wieder stimmungsvoll gemeinsam ein Lied, dann begann unser Pfarrer mit dem Hochgebet. Ich muss zugeben, dass mich mich ein wenig gestört fühlte, weil viele Kinder während des gesamten Hochgebetes sich mit einander unterhielten. Natürlich habe ich Verständnis, wenn Kinder sich in diesem Teil der Messe langweilen. Ich kann auch nachvollziehen, wenn das eine oder andere Kind laut wird. Aber eine Lärmkulisse vieler Kinder gleichzeitig braucht auch bei einer Familienmesse nicht zu sein.

Jetzt kommt wieder ein Spruch eine "älteren Herrn", zu denen ich mich langsam zählen muss: "Früher, zu meiner Kinderzeit, hätte es das nicht gegeben." Nein, nicht dass auch ich mich nicht mal daneben benommen hätte. Zum Beispiel hatte ich als Messdiener mit meinem Mitmessdiener gewitzelt. Unser Oblatenpfarrer hat mir daraufhin am Altar eine Ohrpfeife verpasst, sodass ich heulend in die Sakristei verschwand. Nun gut, so weit muss es nicht kommen.

Aber unsere Eltern hätten es nie geduldet, wenn wir während der Messe zu tuscheln angefangen hätten. Wir gingen jeden Sonntag mit den Eltern zur Heiligen Messe und wussten, wie wir uns zu benehmen hatten. Heute gehen nicht wenig Kinder nur noch sonntags zur Messe, wenn zum Familiengottesdienst mit einer schönen Kindergeschichte eingeladen wird. So lernt man nicht Ehrfurcht im Gottesdienst. Irgendwie symbolisiert diese Erfahrung auch die große geistige Armut unserer so reichen Kirche in einer Region, die immer mehr die Wurzeln im Glauben verliert.

Nachmittags besuchte ich einen kranken Freund in Bremen-Nord, etwa 100 KM entfernt von mir. Nach dem Besuch entschloss ich mich, einen Abstecher in die Bremer Innenstadt zu machen, um einmal die Propsteikirche St. Johann zu besuchen. Sie ist die Hauptkirche in Bremen und liegt mitten im Schoorviertel. Ich hatte Bremen noch nie aus katholischer Perspektive besucht. Schließlich ist die Stadt aus katholischer Sicht absolute Diaspora. Für mich ist Bremen die Stadt des Kneipen(bummelns) (zum Beispiel an der Schlachte), der Musik, Shopping oder interessanter Museen. 

Im Schnoorviertel bin ich schon oft gewesen, habe aber die alte gotische ehemalige Franziskanerkirche nie wahrgenommen. Als ich in die Kirche eintrat, stellte ich fest, dass dies mitten in einer Heiligen Messe war. Ich kniete mich hinten am Rand der Kirche in eine Bank, um niemand zu stören. Hinter mir lag ein junger Mann auf einer Bank, der fest schlief. Wer war er? War er obdachlos, und suchte ein trockenes und ruhiges Plätzchen? "Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf" heißt eine Redensart. Daran dachte ich und betete für den Mann.

Der Zelebrant war ein farbiger Weltpriester, auch die Messdienerinnen waren Farbige, die Messe fand in englischer Sprache statt und ein buntes internationales Völkchen betete eifrig mit. Ich fühlte mich in die St. Patrick's-Cathedral in London versetzt, in der ich in ähnlicher Weise Weltkirche erleben durfte. Ich spürte den universalen Geist unserer Kirche, in der Jesus, vergegenwärtigt durch Priester, alle Gläubige jeder Herkunft und Nation an seinen Altar ruft, um ihnen Sakramente zu spenden. Während des Vater Unser's fassten sich alle gemeinsam an die Hände. Zum Friedensgruß gaben sich alle die Hand, auch mir gab ein Mann den Friedensgruß und kam von mehreren Bänken entfernt zu mir, um mir die Hand zu schütteln. Ich verließ die Kirche mit einem Gefühl des Reichtums und dankte Gott für dieses schöne Erlebnis.

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