Sonntag, 8. März 2015

Mein dritter Fastensonntag - Ständiges Diakonat vs Piusbrüder

Der ganzen Spannungsbogen der Kirche beschäftigte mich an diesem Sonntag. Am Samstagabend war ich bei einer Feier anlässlich einer Eremitierung eines ständigen Diakons. Das Fest begann mit einer Hl. Messe, in der der Pfarrer in seiner Festpredigt die Bedeutung und Geschichte dieses Weiheamtes erklärte. Der Diakon ist ein Mann, der aus der Gemeinde dazu berufen wird, in der Pfarrei als Diener und Helfer in der Liturgie, der Verkündigung und der "tätigen Nächstenliebe" zu wirken.

Das Diakonat begründete sich ursprünglich als ein eigenständiges Weiheamt. So wurden in der Urgemeinde sieben Diakone berufen, die sich um Witwen, Waisen und Arme kümmern sollten, damit die Apostel sich um die Lehre und Predigt kümmern konnten. In vorkonzilianer Zeit entwickelte sich das Diakonat als Vorstufe zum Priesteramt. Erst im Zuge des des 2. Vatikanum wurde das Amt des Diakons wieder neu belebt und auch verheirateten Männern, ständigen Diakonen, ermöglicht. Wahlweise kann es als Hauptberuf oder neben einer anderen beruflichen Tätigkeit ausgeübt werden. Der Diakon, der wegen seines Alters von 75 Jahren vom Bischof entpflichtet wurde, war ein verheirateter Mann mit vielen Kinder, der ehemals Lehrer war. An diesem Abend war ich Zeuge einer reinen Entwicklung des 2. Vatikanums.

Den Sonntagmorgen begann ich mit meinem täglichen Morgengebet der Kirche, der Laudes. Wie jeden Sonntag frühstückte ich danach ausführlich und sah mir dann wie gewohnt die Heilige Messe im überlieferten Ritus der Petrusbruderschaft bis zur Predigt an. Danach ging ich, wie gewohnt, vormittags zur Heiligen Messe. Das Wetter war zum ersten Mal frühlingshaft. So entschloss ich mich am Nachmittag auf das Fahrrad zu steigen, um eine Seniorin im Pflegeheim zu besuchen. Sie wohnt ein paar Dörfer von mir entfernt. Ich genoss das schöne Wetter. Beim Radeln kann man den Gedanken freien Lauf lassen und auch wunderbar beten.

Unterwegs kam ich in ein Dorf, in welchem es eine kleine Kapelle der schismatischen Piusbruderschaft gibt. Ich war schon immer neugierig, was dort wohl los ist, aber bislang noch nie gewesen. Vielleicht könnte man mal einen kurzen Blick rein werfen? In einer Siedlung entdeckte ich hinter einem Privathaus die kleine Kapelle. Ein großes Schild wies darauf hin. Die Tür war verschlossen, aber im Aushang hingen Informationen über die kleine Piusbrüdergemeinde. In unserer Region nimmt man von ihr gar nicht Notiz, Aber jeden Sonntag wird ein "Hl. Amt" in der  außerordentlichen Form gefeiert, es gibt auch Werktagsmessen und Rosenkranzgebete.

Pardon, außerordentliche Form dürfte ich nach Meinung der Piusbrüder nicht schreiben, denn die Alte Messe ist für sie die einzig gültige Messform. Im Schaukasten hing ein Zettel, warum die sonst übliche hl. Messe nach Meinung der Piusbruderschaft nicht von Katholiken besucht werden dürfe. Sie führten mehr als zwanzig Gründe dafür an. Ich habe mir dies durchgelesen, weil diese Aussagen eindeutig sich gegen das Lehramt der Kirche verstoßen. Die Haltung der Piusbrüder ist bekannt, für mich ist daher eine Mitfeier einer Messe bei ihnen ausgeschlossen.

Mich beschäftigte das Gesehene bei der weiteren Radtour.  Hier ist eine Gemeinschaft, die behauptet, den wahren katholischen Glauben zu vertreten. Irgendwie erinnert mich das ganze über die unnötige Streiterei über Liturgie und Form, besonders im Internet. Viele schnitzen sich ihre eigene katholische Kirche. Wie zum Beispiel Traditionalisten wie Marc L. auf Twitter. Kürzlich stritt er für die Alte Messe als heiligste Form der Liturgie im Gegensatz zur Hl. Messe, wie sie heute die Kirche zelebriert.  Die neue Messe lehnt er ab. Im Internet habe ich mittlerweile auf verschiedenen Plattformen jede Menge Leute kennengelernt, die ähnlich wie Marc L. denken.

Umgekehrt kenne ich viele Menschen, die eine lateinische Messe im althergebrachter Weise grundsätzlich ablehnen. Die meisten Leute in meinem Dorf würden schimpfen, wenn die alte Form neben der gewohnten Messe wieder eingeführt würde. Es würde sie sogar stören, wenn der Priester nicht am Volksaltar sondern "ad orientem" im Novo Ordo zelebrieren würde.

Ich verstehe diese überflüssigen Grabenkämpfe nicht. Als kleines Kind war die Alte Messe für mich doch die ganz normale Messe! Messdiener wurde ich aber erst in den 70igern, in der schon die moderne Messe gefeiert wurde. Damals wie heute gibt es Menschen, die kein Verständnis für die Messe haben. Schon als Kind erlebte ich, dass viele Männer die Messe nur an der Kirchentür verfolgten. Damals waren die Kirchen noch bis auf den letzten Platz gefüllt. Heute kommt trotz der in der allen verständlichen Volkssprache nur noch ein kleines Häuflein zur Sonntagsmesse. Der Rest hat den Bezug zum Glauben vollkommen verloren. Die Grabenkämpfe zwischen Traditionalisten und Reformern werden hauptsächlich in Print und Internet ausgefochten.

Ich mag beide Formen. Beide haben ihre wunderbare Schönheit, die man sich aber für sich erschließen muss. Es reicht nicht, gelegentlich eine Messe zu besuchen. Erst bei einem regelmäßigen Messbesuch erschließt sich das mystische Geheimnis, oder auch nicht. Gebet, Bemühen um Glaubenkenntnisse und Sakramentenempfang einschließlich der Beichte sind dazu eine wichtige Voraussetzung. Wer würde aber erwarten, dass man erfolgreicher Fußballer ohne Training werden könnte?

Warum gibt es die Grabenkämpfe eigentlich? Das habe ich mich schon lange gefragt. Ich glaube, dass dies nicht nur allein an der Liturgie liegt. Mit ihr verbunden sind auch unterschiedliche Jahreskreise und Festtagskalender. So wird man sich für die regelmäßige Teilnahme für den althergebrachten oder den heute üblichen Ritus entscheiden müssen. Für mich bleibt dies die ordentliche Form.

Ich würde trotzdem gerne öfters eine Alte Messe besuchen, wenn es eine in meiner Umgebung gäbe. Ich war schon bei den Dominikanern in Lage und bei der Petrusbruderschaft in Hannover. Beides Mal hat mir die stille und würdige Feier sehr gefallen. Die Predigten der Petrusbruderschaft sowie ihr Mitteilungsblatt sind absolut empfehlenswert.

Letztendlich kommt es nicht auf den Ritus sondern auf das Sakrament der Eucharistie an, in welchem uns Christus in jeder gültigen Messe begegnet. Warum sollte ich nicht zur Eucharistie in  der Kirche in meinem Dorf gehen, wenn Christus dort mir im Sakrament begegnet? Für mich wäre es ein Sakrileg, wenn ich dies nur von äußeren Vorlieben abhängig machen würde. Christus begegnet mir gleichermaßen im indischen Kaplan wie im Papst.

Wie einfach wäre es für uns, wenn wir die Grabenkämpfe ums "wahre" Katholikentum niederlegen und uns um den Nachfolger Petri, den amtierenden Papst scharen würden? Alles wäre viel einfacher und friedlicher. Katholiken würden als eine Gemeinschaft friedlich den einen Gott in drei Personen anbeten. An diesem Sonntag habe ich ganz in diesem Anliegen gebetet. Doch wir werden eine universale Kirche mit vielen unterschiedlichen Strömungen und -bewegungen bleiben. Diesen Spannungsbogen müssen wir als Katholiken auch in Zukuinft ertragen.

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