Montag, 23. März 2015

Lebensrechts-Demos ohne bischöflichen Rückhalt

Demos gegen Abtreibung und für die Rechte der traditionellen Familie werden von den Bischöfen weder offiziell zur Kenntnis genommen noch unterstützt. Schon aus diesem Grund haben es die Organisatoren solcher Aktionen schwer.

In Münster veranstaltete die Initiative "EuroProLife" am vergangenen Samstag einen Gebetszug “1000 Kreuze für das Leben”, an dem aber nur 150 Teilnehmer dabei waren. (Blog-Bericht). Bei der "Demo für Alle" in Stuttgart gegen die Frühsexualisierung von Kindern und für Ehe und Familie nahmen am gleichen Tag 2.400 Demonstranten (laut Kath.net) teil. Beide Aktionen mussten mit großem Polizeieinsatz begleitet werden. Von den überregionalen Medien und der Öffentlichkeit wurde kaum Notiz davon genommen.

Aktionen gegen die hundertausenden jährlichen Abtreibungen und für dem Erhalt der traditionellen Familie, bestehend aus Ehemann, Ehefrau und Kindern - sind dies nicht genuine Anliegen der Kirche? Warum meiden die Bischöfe und Offizialate die Lebensrechtler wie der Teufel das Weihwasser?

Es mag mehrere Gründe dafür geben: Erinnern wir uns an die 70iger Jahre. Damals wandte sich die ganze Kirche einschließlich der meisten Bischöfe unmissverständlich gegen Verhütung und Abtreibung und erntete einen großen Widerstand. Hingegen wäre heutzutage nicht auszudenken, was sich ereignen würde, wenn ein Bischof Felix eine Lebensrechtsdemo in Münster nur mit einem freundlichen Grußwort aufwerten würde.

Dies würde eine riesige mediale Welle gegen die Kirche auslösen und auch den innerkirchlichen "Dialogprozess" beenden. Die übergroße Mehrheit der katholischen Bevölkerung teilt die Ziele und Moralvorstellungen der Lebensrechtler  nicht. Die meisten Kirchenmitglieder halten sie für extremistisch und nicht zeitgemäß. Abtreibung und Scheidung ist auch in gutkatholischen Familien längst Alltag geworden. Selbst katholische Ehen von Pfarreiratsvorsitzenden scheitern ebenso wie die von Kommunionhelfern.

Heute verstehen nur noch wenige Menschen, warum man nach einer Scheidung keine neue Partnerschaft eingehen darf. Würde man glaubensferne Glieder mit einer eindeutigen Stellungnahme für Lebensrechtsdemos verschrecken, müsste man mit noch gravierend mehr Kirchenaustritten rechnen. Dies würde die Kirche vor gewaltigen Problemen stellen. Eine neue Kirchenspaltung wäre dann durchaus vorstellbar.

Auch die Lebensrechtler sind selber nicht ganz unbeteiligt an dem tiefen Graben zu den Bischöfen: Wenn zum Beispiel auf der Münsteraner Demo ausgerechnet der Priester anwesend ist, dem der Bischof kürzlich ein Predigtverbot wegen seiner Ansprache auf einer PEGIDA Veranstaltung erteilt hatte, machen sich die Veranstalter bei ihm nicht gerade zum Freund. Nicht bezweifelt werden kann außerdem die Gefahr, dass solche Demos auch Leute vom rechten Rand anziehen, die mit den Anliegen der Kirche nun rein gar nichts gemein haben.

Wenn es den Lebensrechtlern nicht gelingt, die Einheit und Unterstützung mit den Bischöfen zu erreichen, werden sie aus ihrem Schattendasein nicht hinaus kommen.

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