Freitag, 27. März 2015

Kommentar eines Missbrauchsopfers in meinem Blog?

Mein Glaubensblog ist noch jung, daher sammle ich noch damit meine Erfahrungen. Wie wirken meine Beiträge auf die Leser? Wie gehe ich mit deren Reaktionen um? Gerade das Thema Glauben ruft bei vielen ganz unterschiedliche Gefühle hervor. Das können auch Enttäuschungen, Trauer oder gar Hass sein.

Viele Menschen haben - wie ich selber - in ihrer Jugend keine guten Erfahrungen mit Kirche und ihrer religiösen Erziehung in der Familie gesammelt. Einige Menschen sind möglicherweise traumatisch geschädigt. In Kommentaren bringen sie indirekt ihre Wut oder auch Verletzung zum Ausdruck. Ein Beispiel habe ich gestern erlebt.   Ein Leser kommentierte meinen Beitrag über die Berichterstattung zur Flugkatastrophe in Südfrankreich. Da ich bislang meine Kommentare nicht moderiert habe, wurde sein Kommentar sofort veröffentlicht.

Der Copilot sei depressiv gewesen, vermutete der Leser in seinem gestrigen Kommentar. Depressiv geworden seien auch viele, die im kirchlich-familiären Umfeld von klein an bezüglich ihrer intimsten Gefühle indoktriniert und daran gehindert worden seien, ihre sexuellen Neigungen auszuleben. Ich war geschockt. Was hat ein solcher Kommentar ausgerechnet zu diesem Beitrag in meinem Blog verloren?

Dementsprechend gereizt reagierte ich darauf, weil ich eine Konstruktion eines Zusammenhangs der Flugkastastrophe mit dem Missständen in der Kirche für absurd halte. Über die persönlichen Umständen des Copiloten sei nichts bekannt, begründete ich dies in meiner Antwort. Darauf erwiderte der Leser in einem weiteren Kommentar mit, dass die "Kirche" schuld an seinem persönlichen "Leiden" sei.

Ist dieser Leser ein Opfer einer falschen Erziehung in Kirche und seiner Familie? Darunter verstehe ich eine Vernachlässigung in der Liebe oder eine religiöse Erziehung ohne Geist, wie ich sie selbst als Kind erlebt habe. Religion wird auf diese Weise zum moralischen Rigorismus, der krank machen kann. Wurde er in seiner Kindheit gar missbraucht? Oder ist er nur ein Provokant? Es ist ja modern, andere anonym im Internet auf diese Weise zu belästigen.

Als katholischer Blogger muss man anscheinend mit so manchem rechnen. Auf der andren Seite steckt aber hinter jedem Kommentar ein Mensch mit seinen Lebenserfahrungen und Verletzungen. Das darf man nie vergessen. Dazu gehören übrigens auch die "Trolle", wie sie hässlich in der Internetsprache bezeichnet werden. Es geht gar nicht, wenn man als Christ sich wie andere im Netz verhält und "Trolle" hinunterputzt, weil sie "böse" Kommentare abgeben. Als Christ ist man berufen, das Böse mit dem Gutem zu überwinden.

Jeder Leser darf durchaus sich kritisch zur Kirche und zu seinen Glaubenszweifeln äußern. Ich respektiere andere Meinungen. Als Blogger kann ich aber auf persönliche Probleme der mir unbekannten und meist anonym antwortenden Leser nur sehr eingeschränkt eingehen. Schließlich bin ich weder Seelsorger noch Therapeut. Aus diesem Grund werde ich meine Leserkommentare in Zukunft erst lesen und auswählen, bevor sie in meinem Blog veröffentlicht werden. Ich bitte um Verständnis.

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