Freitag, 13. März 2015

Ein Prälat der mutigen Worte

Prälat Peter Kossen hat sich weit über die Grenzen des Oldenburger Landes und des Bistums Münster einen Namen gemacht. Er legt die Finger in die Wunden der Gesellschaft und erhebt die Stimme gegen soziale Ungerechtigkeit in unserer eigentlich reichen Region Südoldenburg. Dabei setzte er sich vor allem gegen die Ausbeutung von ausländischen Werkvertragsarbeitern in der Fleischindustrie ein. Die Bulgaren, Rumänen und Osteuropäer waren zum Teil in menschenunwürdigen Unterkünften untergebracht mussten in Schlachtbetrieben fast wie Sklaven rund um die Uhr für einen Hungerlohn schuften.

Kossen hat dabei viel Staub aufgewirbelt und es hat sich seitdem einiges getan. Aber der streitbare Vertreter des Vechtaer Offizals bleibt weiterhin am Ball. Kürzlich traf er sich mit Vertretern der Ernährungs- und Landwirtschaft und des Naturschutzes zu einem Podiumsgespräch zum Thema Landwirtschaft und stellte dabei ein paar unangenehme Fragen. Darüber berichteten die lokalen Zeitungen, die Münsteraner Bistumszeitung Kirche +Leben und das Offizialat Oldenburg. 

Es herrscht ein gnadenloser Preiskrieg in der Lebensmittelindustrie, der sich über die Handelsbetriebe sowie über die Schlacht- und Futtermittelindustrie auf die Landwirte auswirkt. Außerdem sind die Flächenpreise erheblich angestiegen. Staatliche Auflagen verschärfen den Zwang, immer preiswerter Lebensmittel zu produzieren. Dies führte bei uns zum Neubau immer größerer Mastanlagen mit immer mehr Tieren. 

Auch ich höre in privaten Gesprächen mit Landwirten häufig die Sorgen über diesen knallharten Wettbewerb. Eine große Zahl an Neben- und Vollerwerbslandwirten haben schon lange das Handtuch geschmissen. Es lohnt sich mehr, das eigene Land zu verpachten und sich einen anderen Job zu suchen. Dies ermöglicht den übrigen Betrieben, sich zu vergrößern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Stärksten werden natürlich dabei verdienen, aber immer mehr Menschen zählen auch zu den Verlierern. Doch darüber wird nicht so gerne offen geredet. 

Freunde macht sich Prälat Kossen damit sicher nicht überall. Aber er macht deutlich, welche Rolle Geld und Marktmacht in unserer Gesellschaft spielen. Denn ähnlich wie bei der Landwirtschaft ist es auch in vielen anderen Branchen. Als Christen sind wir berufen, hier unsere Stimme zu erheben. Aber auch darüber nachzudenken, inwieweit wir bereits selbst in diesem System involviert sind. Wie ein Insekt in einem Spinnennetz, aus dem man sich nicht selbst befreien kann. Ein System, welches grenzenlosen Wohlstand und Freiheit verspricht, entpuppt sich als Fessel des Egoismus und der Hartherzigkeit gegenüber seinem Nächsten.

Prälat Kossen handelt ganz im Sinne von Papst Franziskus, welcher seit Beginn seines Amtsantritts immer wieder einen kritischen Blick auf die Folgen von Konsum, Kapitalismus und Geld warf. 
Gut, dass der Prälat aus dem Oldenburger Land dieses Thema anspricht, das uns alle angeht und betrifft. Denn wir brauchen dringend einen Wertewandel. Es kann nicht sein, dass Geld und Macht alleine in unserer Gesellschaft dominiert.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen