Donnerstag, 5. März 2015

Die schärfsten Papstkritiker sind heute "romtreu"

Wie ist der katholische Beziehungsstatus? Verlobt, Verheiratet, ledig, verwitwet? Nein, auch für Katholiken gilt heute die neumodische Beschreibung: "Es ist kompliziert!"

Früher war die Welt ganz einfach. Ich meine, in den 70igern, als ich noch jung und knackig war. Es gab die einen, die Papst und Kirche treu sein wollten. Die "Konservativen", die gegen Abtreibung und für traditionelle katholische Werte eintraten, versammelten sich hinter dem Papst. Und dann gab es "Progressive". Leute wie Hans Küng, der das Dogma der Unfehlbarkeit infrage stellte. Es gab die 68iger Bewegung, die gegen die angeblich nicht mehr zeitgemäßen konservativen Werte protestierten und mehr "sexuelle Freiheit" forderten. Die Fronten waren sehr übersichtlich. Kein sich als papstreu nennender Katholik hätte es damals gewagt, auch nur eine Äußerung des Pontifex zu kritisieren. Pardon, stimmt nicht ganz. Ich vergaß: Auch damals gab es schon Leute, die es besser wissen als der Papst. Die Leute von der Piusbruderschaft.

Heute ist dies hingegen ganz anders. Die meiste Kritik erhält der Papst nicht mehr von seinen Gegnern außerhalb der Kirche. Auch nicht von den Katholiken, die sich schon lange von "Rom" und der Amtskirche nicht mehr vertreten fühlen. Sondern gerade von Leuten, die ihr Blog oder ihr Twitterprofil als "römisch-katholisch" ausweisen. Die es mit einem Schild gegen "Romophobie" schmücken oder explizit sich als "papsttreu" bezeichnen. Papst Franziskus härteste Feinde Kritiker sitzen mitten in der Kirche.

Blog-Artikel wie dieser  oder dieser über Papst Franziskus finden in der "papsttreuen" Szene viel Beifall und werden über Twitter und Co. als lesenswert weiterempfohlen. Papst Franziskus ist diesen "treuen" Katholiken einfach nicht "fromm" genug. Selbst auf Tweets des päpstlichen Twitterkanals @Pontifex_de antworten angeblich "treue" Katholiken nicht selten mit unverhohlener Kritik. Darf man Papst und Bischöfe als Katholik nicht widersprechen? Muss man alles handzahm aus der Hand fressen, was einem heute medial an den Kopf geballert wird?

Und genau hierin liegt heute das Problem. Bischöfe, Priester und Papst sind heute medial ununterbrochen im Schussfeld. Es vergeht kein Moment am Tag, an dem nicht eine Meinung über eine angebliche Äußerung des Papstes im Internet, Fernsehen oder Radio verfasst wird. Und dann gibt auch der Papst (oder sein Team) ununterbrochen irgendwelche 140-Zeichen-Botschaften heraus. Nicht wenige kreiden Papst Franziskus an, dass er angeblich zu viel äußern würde. "Es wäre besser, er würde manchmal den Schnabel halten," liest man von einigen Kritikern.

Wir werden mit Papst und Kirche heute medial mit "News", "Wahrheiten" und "Halbwahrheiten", mit "Zitat"ausrissen und  "Meinungen", die auf ersteren beruhen, überfrachtet. Ganz im Gegensatz zu früher, als ein einfacher Gläubiger in Niedereggenbach den Papst höchstens einmal zu Ostern im Fernsehen live erlebte, um den Segen "Urbi et Orbi" in andächtiger Haltung zu empfangen. Oder einmal im Leben bei einer Wallfahrt nach Rom.

Natürlich darf man als Katholik sich kritisch mit Äußerungen des Papstes auseinandersetzen. Ja, man darf sogar dem Pontifex widersprechen, wenn es sich nicht um ein Dogma, eine lehramtliche Aussage handelt. Es ist allerdings die Frage, ob man damit ihm einen Dienst tut. Oder ihn sogar mit einer solchen Kritik beschädigt. Die vielen Nadelstiche gegen Papst und Priester und Bischöfe bleiben nicht wirkungslos. Sie beschädigen ihre Autorität. Alle Papstkritiker werfen ein Schlaglicht auf den Papst als eine Person öffentlichen Interesses. Sie negieren damit das Amt des Papstes als "Stellvertreter Christi auf Erden" der er für den gläubigen Katholiken eigentlich ist.

Es ist gutes Recht von jedem, den Papst öffentlich zu kritisieren, ihn argumentativ zu widerlegen. Aber er möge sich dann doch bitte schön nicht als besonders "Rom- oder Papsttreu" etikettieren. Vielleicht höchstens als ganz normaler Katholik, wie ich es bin. Danke!

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