Montag, 2. März 2015

Bistum Münster: Die Misslichkeit einer Umfrage über Zufriedenheit

Wie kann die Zufriedenheit der Mitglieder der katholischen Kirche gesteigert werden? Dies wird zur Zeit im Bistum Münster emsig erforscht. Als Betroffener interessiert mich dies natürlich rasend. Gestoßen worden bin ich auf dieses Thema bei meiner Lektüre im Blog "Katholon" meines Bloggerkollegen Peter Winnemöller.

Die Ergebnisse einer Studie, wie "zufrieden"  die Gläubigen mit ihrer Kirche in  unserem Bistum sind, wurden kürzlich veröffentlicht. Ich möchte einige Aussagen zusammenfassen und diese Studie aus meiner Sicht kommentieren. Diese Untersuchung liest sich tatsächlich wie eine betriebswirtschaftliche oder soziologische Arbeit. Das Fazit ist gleich am Anfang mit der Überschrift "Management Summary" und lautet, dass die "Zufriedenheit" der Gläubigen in einem "kritischen Zustand" sei.

Dies wird mit deutlichen Zahlen untermauert. Ein Drittel der 1.000 Befragten gaben an, dass sie unzufrieden mit der Kirche sind. 17% von ihnen sind auch mit der Pfarrgemeinde vor Ort unzufrieden und glauben, dass die Pfarrgemeinde keinen Halt in kritischen Situationen geben kann. Mehr als 20% waren mit der Seelsorge, den Gottesdiensten, der caritativen Sozialarbeit, der Erziehung und den Bildungsangeboten der Kirche und das "gemeinschaftliche Miteinander in der Pfarrgemeinde" unzufrieden. Auch ein großer Teil der übrigen Befragten waren zur mittelmäßig mit diesen Aufgaben der Kirche zufrieden.

Der Anteil an Unzufriedenen schwankt in den Regionen  von 23% im Kreis Recklingburg in Westfalen bis 36% im Offizialat Oldenburg im niedersächsischen Teil des Bistums. Ich bin überrascht, dass ausgerechnet in "meinem" Offizialatsbezirk der Anteil der Unzufriedenen am höchsten ist.  Nun umfasst das Offizialat Oldenburg ganz unterschiedliche Regionen vom Jadebusen bis zum Oldenburger Münsterland. Dazu gehören die Diasporagebiete um den Städten Wilhelmshaven, Oldenburg und Delmenhorst gleichermaßen wie das katholische Kerngebiet Südoldenburg, in dem ich jetzt lebe. Detaillierte Aussagen dazu fehlen in der Studie.

Ich frage mich, was das Bistum nun aus einer solchen Studie folgern wird. Und was ist eigentlich mit dem Begriff "Zufriedenheit" überhaupt gemeint? Mit solchen soziologischen Ergebnissen wird das Bild von der Institution Kirche und ihren "Kunden", die Konfessionsangehörigen. die Dienstleistungen erwarten, gefördert.

Wir müssen uns von aber von dieser institutionellen Denkweise dringend weg bewegen. Auch dem einfachen Pfarreimitglied ist nicht verborgen geblieben, dass Kirche wie früher nicht mehr funktioniert. Die Volkskirche herkömmlicher Art, in welcher der Pfarrer Seelsorger für seine Anvertrauten war, wird es nicht mehr geben. In welcher die Pfarrgemeinde Dienstleistungen frei Haus garantieren konnte. Jeder Getaufte muss selbst aktiv auf der Suche nach dem Kern des Glaubens, in welchem Christus unser Herr, Bruder und Freund ist, voranschreiten. Dies ist eine Veränderung vom passiven Konfessionsangehörigen zu einem aktiven bekennenden Christen, der sich selbst als lebendigen Stein der Kirche begreift.

Kirche muss den Kern ihrer Aufgabe, das Evangelium den Menschen zu verkünden, in den Mittelpunkt zu stellen.  Das eigentliche Problem in unserer Kirche:  Der übergroße Anteil der Nochkatholiken glaubt nicht mehr an die Lehre der Kirche, nur noch ein Anteil von 10% besucht mindestens am Sonntag regelmäßig die Heilige Messe. Nur noch ein kleiner Teil der Katholiken empfängt regelmäßig die Sakramente, praktiziert auch im Alltag kaum noch ein Gebetsleben und richtet seine Lebensweise nach der Sitten- und Morallehre der Kirche aus.

Diese nicht wissenschaftlich bestätigte Vermutung von mir wird durch das Ergebnis der Studie indirekt bestätigt. Nur gut die Hälfte aller Katholiken (55 % !) im Bistum schließen einen Austritt grundsätzlich aus. Und die gute Hälfte aller Austrittswilligen geben als Motiv an, die Kirche sei ihnen zu "rückständig". Leider gibt es in dieser repräsentativen Untersuchung keinerlei Befragung der "Gläubigen" zu zentralen Aussagen des katholischen Glaubens.

Mein Fazit: Glaubensschwund kann man nur mit einer Neuevangelisierung, nicht mit einem verbesserten Dienstleistungsangebot begegnen. Wer den Glauben verloren hat, den wird Kirche nicht "zufrieden" stellen können.  Für mich ist dies die eigentliche Wurzel des ganzen Malörs. Im Bistum werden seit längerer Zeit Pastoralpläne vorbereitet. Darüber sickern allerdings nur ganz wenige Informationen bis zu den einfachen Pfarreimitgliedern, die nicht in den entsprechenden  Gremien sitzen, und die bislang daran fast gar nicht beteiligt wurden. Die Pastoralpläne müssen vor allem dem großen Problem der Verdunstung des Glaubens Rechnung tragen.