Montag, 16. Februar 2015

Kann man im Namen der Kirche bloggen?

Gestern gab der geschätzte Bloggerkollege Stefan Erhardt bekannt, dass er sein Blog "Zeit zu beten" nicht mehr "im Namen der katholischen Kirche" weiter führen werde. Er begründete dies mit dem pastoralen Notstand der katholischen Kirche, besonders im deutschsprachigen Raum.Von nun an blogge er "im Namen unseres Erlösers, Jesus Christus – also christlich statt katholisch."

Das gab mir doch ein wenig zu über das Selbstverständnis eines katholischen Bloggers zu denken. Geht so etwas überhaupt? Kann ich im Namen der Kirche bloggen? Oder gar im Namen Jesu Christi? In beiden Fällen muss ich dazu berufen sein. Viele versuchen, im Namen Christi und der Kirche zu bloggen, dabei kommt nicht immer das gewünschte Ergebnis raus, wenn man die bunte Vielfalt in der katholischen und christlichen Bloggerszene untersucht.

Die katholische Bloggerwelt ist so vielfältig wie die universale Kirche selbst. Ich habe mittlerweile eine Phobie gegenüber Leuten, die von sich behaupten, die "wahre" Lehre zu repräsentieren. Oft geschieht das genaue Gegenteil. Es gibt Leute, die mit der "wahren Lehre" wie ein Schwert um sich fuchteln. In den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook oder ihren Blogs.  Sie verwechseln ihre eigenen Ansichten mit dem "Willen Gottes" und nageln Christus selbst ans Kreuz. Wohlgemerkt, ich zähle Stefan Erhardts Blog "Zeit zu beten" nicht dazu. Sein Blog habe ich als eines der besten katholischen Blogs geschätzt.

Wer den Anspruch erfüllen möchte, im Namen der Kirche oder gar im Namen Christi schreiben zu wollen, läuft schnell Gefahr, dabei zu scheitern. Denn wer ist kein Sünder? Und was ist der Wille Christi wirklich? Dies im Gebet und im Empfang der Sakramente immer wieder neu zu erfahren ist lebenslange Aufgabe eines jeden (katholischen) Christen. 

Daher wage ich es nicht, im Namen der Kirche oder gar im Namen Christi zu schreiben. Ich bin kein Apostel sondern ein einfacher katholischer Christ. In diesem Blog schreibe ich darüber, was mich am katholischen Glauben fasziniert und warum ich den katholischen Glauben liebe. Gebe es Gott, dass wir seinen Willen mehr und mehr erkennen, ihm ähnlich werden und in der Demut der Liebe zu wachsen. Dann wissen wir, dass nichts aus uns sondern allein aus ihm erreichen können. Und dann werden wir auch nicht enttäuscht sein, wenn seine Kirche einen anderen Weg geht, als es unsere "Meinung" ist.