Mittwoch, 25. Februar 2015

Der Zorn der Gerechten - Eine Betrachtung zur Fastenzeit

Wie kann man seinen Glauben wirklich vertiefen? Wie wird man ein "Christusträger", jemand der Christus immer ähnlicher wird? Jemand, der die "Frohe Botschaft" verkörpert, die Liebe des menschgewordenen Gottes, welcher sogar sein Leben für seine Freunde gibt?

Es ist eigentlich der Sinn der Fastenzeit, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Wie kann man feststellen, ob man dies umsetzt? Im Galaterbrief (5.22f) heißt es: "22 Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, 23 Sanftmut und Selbstbeherrschung; dem allem widerspricht das Gesetz nicht."

Im Alltag gelingt zumindest mir dies nicht immer. Und auch sich "traditionalistisch" nennende Katholiken neigen schnell dazu zornig zu werden, wenn nicht jemand ihren Maßstäben und ihrer Glaubensüberzeugung übereinstimmen. Schnell hat man mit solchen Leuten Streit und es kommt sogar zu Beleidigungen und Verletzungen. Im schlimmsten Fall kann das dazu führen, dass Mitmenschen darunter leiden müssen.

Wenn dies passiert, ist es ein guter Grund, in sich zu gehen. Von ihrem Glauben überzeugte Menschen neigen dazu, ihren "Zorn" für gerecht zu halten. Doch gibt es wirklich den "gerechten Zorn"? Jakobus sagt in seinem Brief (Jakobus 1.19ff) "Ihr sollt wissen, meine lieben Brüder: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. 20 Denn des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist. 21 Darum legt ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit und nehmt das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist und Kraft hat, eure Seelen selig zu machen."

Wenn also jemand mit dem Katechismus fuchtelnd andere des Unglaubens bezichtigt, mag er recht haben; aber dennoch schlecht handeln. Leider ist mir ähnliches auch schon passiert. Statt gegenüber anderen zornig, aufdringlich und laut zu werden, ist es besser still für ihn zu beten. Wie können wir unseren eigenen Zorn besiegen? Durch das Einüben von Demut und Sanftmut. Wenn jemand falsch denkt und handelt, sollten wir ihn nicht laut und mit Übereifer auf seine Fehler hinweisen sondern immer beharrlich, ruhig und freundlich.

Wenn der Betroffene nicht reagiert, so sollten wir seine Freiheit, sich anders zu entscheiden, respektieren, denn mit unserem Zornesausbruch werden wir nichts erreichen. Letztendlich ist jede Bekehrung Gnade Gottes, aber niemals Verdienst unserer Leistung. Wir sollten daher versuchen, den Zorn aus unserem Leben zu streichen. Wie können wir unseren Zorn besänftigen? Durch Gebet und Gottesdienst. Durch unser regelmäßiges Beten richten wir den Blick weg von unserem Ich auf Gott, der die Liebe ist. Dadurch wird unsere Seele und unsere Innerlichkeit beruhigt, sodass uns nichts mehr so leicht aus der Fassung bringt. Unser Handeln und Sprechen wird von innerer Ruhe geprägt.

Die Fastenzeit lädt uns ein, immer mehr aus der Liebe Christi heraus zu leben und zu handeln. Dazu müssen wir üben, uns vom eigenen Ego weg und uns wieder mehr auf unseren Herrn auszurichten. Alle Unruhe und Zorn von uns abfallen zu lassen, indem wir aus der Stille des Gebetes und der Kraft der Sakramente in den "Neuen Menschen" verwandeln lassen. Gebe es Gott, dass dies uns gelingen möge.

Die Gedanken zu diesem Text wurden inspiriert durch das Buch "Wege der Freundschaft mit Gott - geistlich leben nach Franz von Sales" von Pfarrer Peter Dyckhoff. In diesem Buch übersetzt P. Dyckhoff das Buch "Philothea" von dem hl. Franz von Sales in eine moderne Sprache. Diese Lektüre kann ich wärmstens empfehlen. Das Buch eignet sich ideal für Betrachtungen in der Fastenzeit, aber auch zur Auffrischung des Glaubens.