Mittwoch, 25. Februar 2015

Der Zorn der Gerechten - Eine Betrachtung zur Fastenzeit

Wie kann man seinen Glauben wirklich vertiefen? Wie wird man ein "Christusträger", jemand der Christus immer ähnlicher wird? Jemand, der die "Frohe Botschaft" verkörpert, die Liebe des menschgewordenen Gottes, welcher sogar sein Leben für seine Freunde gibt?

Es ist eigentlich der Sinn der Fastenzeit, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Wie kann man feststellen, ob man dies umsetzt? Im Galaterbrief (5.22f) heißt es: "22 Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, 23 Sanftmut und Selbstbeherrschung; dem allem widerspricht das Gesetz nicht."

Im Alltag gelingt zumindest mir dies nicht immer. Und auch sich "traditionalistisch" nennende Katholiken neigen schnell dazu zornig zu werden, wenn nicht jemand ihren Maßstäben und ihrer Glaubensüberzeugung übereinstimmen. Schnell hat man mit solchen Leuten Streit und es kommt sogar zu Beleidigungen und Verletzungen. Im schlimmsten Fall kann das dazu führen, dass Mitmenschen darunter leiden müssen.

Wenn dies passiert, ist es ein guter Grund, in sich zu gehen. Von ihrem Glauben überzeugte Menschen neigen dazu, ihren "Zorn" für gerecht zu halten. Doch gibt es wirklich den "gerechten Zorn"? Jakobus sagt in seinem Brief (Jakobus 1.19ff) "Ihr sollt wissen, meine lieben Brüder: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. 20 Denn des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist. 21 Darum legt ab alle Unsauberkeit und alle Bosheit und nehmt das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist und Kraft hat, eure Seelen selig zu machen."

Wenn also jemand mit dem Katechismus fuchtelnd andere des Unglaubens bezichtigt, mag er recht haben; aber dennoch schlecht handeln. Leider ist mir ähnliches auch schon passiert. Statt gegenüber anderen zornig, aufdringlich und laut zu werden, ist es besser still für ihn zu beten. Wie können wir unseren eigenen Zorn besiegen? Durch das Einüben von Demut und Sanftmut. Wenn jemand falsch denkt und handelt, sollten wir ihn nicht laut und mit Übereifer auf seine Fehler hinweisen sondern immer beharrlich, ruhig und freundlich.

Wenn der Betroffene nicht reagiert, so sollten wir seine Freiheit, sich anders zu entscheiden, respektieren, denn mit unserem Zornesausbruch werden wir nichts erreichen. Letztendlich ist jede Bekehrung Gnade Gottes, aber niemals Verdienst unserer Leistung. Wir sollten daher versuchen, den Zorn aus unserem Leben zu streichen. Wie können wir unseren Zorn besänftigen? Durch Gebet und Gottesdienst. Durch unser regelmäßiges Beten richten wir den Blick weg von unserem Ich auf Gott, der die Liebe ist. Dadurch wird unsere Seele und unsere Innerlichkeit beruhigt, sodass uns nichts mehr so leicht aus der Fassung bringt. Unser Handeln und Sprechen wird von innerer Ruhe geprägt.

Die Fastenzeit lädt uns ein, immer mehr aus der Liebe Christi heraus zu leben und zu handeln. Dazu müssen wir üben, uns vom eigenen Ego weg und uns wieder mehr auf unseren Herrn auszurichten. Alle Unruhe und Zorn von uns abfallen zu lassen, indem wir aus der Stille des Gebetes und der Kraft der Sakramente in den "Neuen Menschen" verwandeln lassen. Gebe es Gott, dass dies uns gelingen möge.

Die Gedanken zu diesem Text wurden inspiriert durch das Buch "Wege der Freundschaft mit Gott - geistlich leben nach Franz von Sales" von Pfarrer Peter Dyckhoff. In diesem Buch übersetzt P. Dyckhoff das Buch "Philothea" von dem hl. Franz von Sales in eine moderne Sprache. Diese Lektüre kann ich wärmstens empfehlen. Das Buch eignet sich ideal für Betrachtungen in der Fastenzeit, aber auch zur Auffrischung des Glaubens.

Montag, 23. Februar 2015

Fastenhirtenwort 2015 von Bischof Dr. Felix Genn

In seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit wandte sich Bischof Dr. Felix Genn am gestrigen Sonntag an alle Gläubigen. Der Hirtenbrief wurde in allen Kirchen des Bistums Münster verlesen.  Bischof Felix griff die beiden Anliegen von Papst Franziskus auf, die Gleichgültigkeit zu überwinden und im Jahr der Orden den Schatz gottgeweihter Gemeinschaften für unsere Kirche zu würdigen.


Samstag, 21. Februar 2015

Beten lernen - auch das gehört zur Fastenzeit

Fasten, das bedeutet, sich verwandeln zu lassen. Intensiver sich auf die Suche nach Gott zu begeben. Dazu gehört auch das Gebet. Wie lernt man zu beten? Durch andere Menschen, die einem es erklären und Vorbild im Gebet sind. Schwester Christamaria Brück aus Koblenz-Metternich erklärt dies in diesem Video.

 

Freitag, 20. Februar 2015

Blogparade: Die Fastenzeit, die plurale Gesellschaft und ich

Auf der katholischen Bloggerliste weist der "Predigtgärtner" auf eine Aktion von Matija Vudjan für Blogautoren hin, die Blogparade zum Thema "Die Fastenzeit , die plurale Gesellschaft und ich". Ich finde die Idee klasse, weil sie dazu anregt, über das eigene Erleben dieser Zeit nachzudenken und sich mit dem Thema Fasten auseinanderzusetzen.

Mit der Fastenzeit habe ich jedes Jahr ein Problem. Meist verfliegt sie und kurz vor Ostern muss ich bekennen, dass ich sie zuwenig genutzt habe. Ich verstehe Fasten als einen Prozess der Vertiefung meines christlichen Glaubens und eine Änderung des Lebensstiles, um eine intensivere Beziehung zu Gott und den Menschen um mich herum zu ermöglichen. Welche Verpflichtungen, Gewohnheiten und Denkweisen hindern mich daran?

Zum ersten natürlich ist es der innere Schweinehund. Worauf verzichten? Auf Essen? Ich habe mein Idealgewicht, viele sagen mir, nimm bloß nicht mehr ab. Vielleicht aufs Internet? Das wär eine vernünftige Maßnahme. Allerdings bin ich als freier Reporter auf dieses Medium angewiesen. Aber ein (noch mehr) kontrollierter Umgang damit wäre sinnvoll. Mehr Beten? Ich habe meine festen Gebetszeiten, an Zeit mangelt es nicht. Aber vielleicht an der Andacht? Verflixt viel "Aber!"

Wie ist dies mit meinen lieben Mitmenschen? In meinem Verhältnis zu ihnen habe ich die eine oder andere Baustelle, das geb ich freimütig zu. Manchmal neige ich zur Streitlust und bin durchaus provokant. Also gibt es hier einiges zu verbessern. In der Art, wie ich rede und denke.

Und wie ist das mit der pluralen Welt? In meiner Umwelt erlebe ich sehr selten, dass überhaupt gefastet wird. Für die meisten Menschen in meiner Umgebung ändert sich zumindest scheinbar nur wenig. Die Partys am Wochenende laufen wie das Business weiter wie gewohnt. An diesem Wochenende ist Kohlessen mit Tanz und Tombola von meinem Gesangverein, am nächsten Wochenende feiert unsere Nachbarschaft und ein paar Tage weiter verantstaltet unser lokaler FC Bayern München Fanclub eine "Hüttengaudi".

Hier ist eine Parteiveranstaltung, dort die Versammlung der Pferdezüchter, die Abendtermine bleiben gleich. Alles mitten in der Fastenzeit. Wenig Chance zum "Ein Gang herunterschalten", zum Verinnerlichen, zum still werden, zum Gebet. Ist es wirklich so?

Es liegt letztendlich an mir selbst. Es geht gar nicht um das große Ding sondern um das Drehen an den kleinen Stellschrauben. Vielleicht einen Tag den Rechner, das Ipad und das Handy einfach ausschalten, wenn es nicht unbedingt beruflich gebraucht wird. Die Betrachtung des Kreuzwegs, der Sieben Schmerzen Mariens oder einiger Texte aus der Bibel. Statt fernsehen und twittern,

Eine intensive Gewissenserforschung. Was läuft gut, was könnte ich verbessern an meiner Lebensweise? Natürlich gehört auch eine Beichte für mich dazu. Der Besuch einer Gebetsstätte oder eines Wallfahrtortes. Das sind so kleine Lichtpunkte, die für mich in der Fastenzeit nicht fehlen dürfen. Und an Aschermittwoch und Karfreitag versuche ich dann doch, ein wenig zu fasten und besonders auf Überflüssiges zu Verzichten. Ach ja, natürlich gehört auch Bloggen für mich dazu. Ich habe im letzten Jahr ein Tagebuch über die Fastenzeit geführt. Auch in diesem Jahr halte ich meine Erlebnisse und Gedanken zur Fastenzeit in meinem Blog fest.

So kann für mich die Fastenzeit vielleicht doch gelingen.

Fastenbotschaft von Papst Franziskus wider die Gleichgültigkeit

In der diesjährigen Fastenbotschaft wendet sich Papst Franziskus gegen die schleichende und weitverbreitete Gleichgültigkeit in unserer Gesellschaft. Die Kriege und Krisen werden uns via Fernsehen und Internet bildmäßig vor Augen geführt. Dennoch scheinen sie weit weg von unserem Leben zu sein. "Es kommt allerdings vor, dass wir, wenn es uns gut geht und wir uns wohl fühlen, die anderen gewiss vergessen (was Gott Vater niemals tut); dass wir uns nicht für ihre Probleme, für ihre Leiden und für die Ungerechtigkeiten interessieren, die sie erdulden…", schreibt Papst Franziskus. Gott kennt hingegen jeden beim Namen, seine unendliche Liebe hindert ihn daraun, gleichgültig zu sein, wie es uns geht. Die Gleichgültigkeit gegenüber Gott und dem Nächsten ist auch eine reale Versuchung für Christen. Die Fastenzeit will uns aufrütteln und wach machen. Zur ganzen Fastenbotschaft von Papst Franziskus ...

Donnerstag, 19. Februar 2015

Worum geht es eigentlich in der Fastenzeit?

Die ersten Tage der Fastenzeit bieten sich dazu an, über ihren Sinn nachzudenken. Hierzu laden uns die Fastenimpulse von Papst Franziskus und auch die seines Vorgänger Papst Benedikt XVI ein. Letzterer hat in einer Katechese am Aschermittwoch im Jahr 2010 eine sehr schöne Katechese in der Generalaudienz über das Programm dieser Gnadenzeit zu einem vertieften geistlichen Leben gehalten. (Auf den Fastenimpuls von Papst Franziskus gehe ich später ein)

Die Fastenzeit ruft uns zur Umkehr, einer Änderung unseres Lebensstils auf. Papst Benedikt erklärt Umkehr, "gegen den Strom zu schwimmen, wobei der »Strom« der oberflächliche, inkonsequente und trügerische Lebensstil ist, der uns oft mit sich reißt, uns beherrscht und zu Knechten des Bösen oder jedenfalls zu Gefangenen moralischer Mittelmäßigkeit macht."

Mit der Umkehr,  so Benedikt XVI, vertraut sich der Christ dem "lebendigen und persönlichen Evangelium an, welches Jesus Christus ist." Letztendlich geht es darum sich von Christus und seinem Wort, dem Evangelium, umwandeln zu lassen. Zur ganzen Katechese von Papst Benedikt XVI ...

Spott über die Fastenzeit

"Heute beginnt die Fastenzeit. Ich verzichte auf Sport und gesunde Ernährung", witzelt ein Gemeinderatsmitglieds (und CDU-Vorstandsmitglied!) aus unserem Dorf auf Facebook. Eine andere Facebook-"Freundin" spöttelt: "In der Fastenzeit verzichte ich 40 Tage lang auf Grillfleisch". Andere kümmern sich um diese Zeit gar nicht und zeigen, dass sie nicht Glauben. Ein Fleischer wirbt für ein großes Steakfest mit viel Alkohol mitten in der Fastenzeit.

Mit solchen Sprüchen und Aktionen demonstrieren sie, was sie von einem christlichen Lebenswandel halten. Und auch ihre Unkenntnis, worum es in der Fastenzeit eigentlich wirklich geht. Unser Pfarrer brachte es bei der Hl. Messe am Aschermittwoch auf den Punkt. Es geht nicht allein darum, weniger zu essen oder auf etwas zu verzichten. Es geht vielmehr um Umkehr zum Glauben, zur Nachfolge Christi. Es geht darum, frei zu werden von allen Abhängigkeiten und Bindungen, die uns von Christus trennen. 

Es ist gar nicht so einfach, wirklich die Fastenzeit im eigenen Alltag bewusst zu vollziehen. Denn anders als früher finden viele Veranstaltungen in dieser Zeit statt. An vielen Orten sogar schon am Aschermittwoch, der eigentlich als Fast- und Abstinenztag gilt. Die bayrische Christlich-Soziale Union veranstaltet ihren politischen Aschermittwoch mit viel Alkohol, auf welchem man gerade an diesen Tag verzichten sollte. Prominente Politiker sind heute mit einem großem Glas Bier in der Hand in der Zeitung abgebildet. Nicht Christus, sondern sich selbst und ihre Botschaft stellen die Politiker an diesem wichtigen christlichen Feiertag in den Mittelpunkt. Mit christlicher Tradition hat dies nichts gemein.

Die Fastenzeit soll eine Zeit sein, in der wir uns von Christus verwandeln lassen. Gebe es uns Gott, dass wir verwandelt die wirkliche Osterfreude erfahren dürfen.

Montag, 16. Februar 2015

Kann man im Namen der Kirche bloggen?

Gestern gab der geschätzte Bloggerkollege Stefan Erhardt bekannt, dass er sein Blog "Zeit zu beten" nicht mehr "im Namen der katholischen Kirche" weiter führen werde. Er begründete dies mit dem pastoralen Notstand der katholischen Kirche, besonders im deutschsprachigen Raum.Von nun an blogge er "im Namen unseres Erlösers, Jesus Christus – also christlich statt katholisch."

Das gab mir doch ein wenig zu über das Selbstverständnis eines katholischen Bloggers zu denken. Geht so etwas überhaupt? Kann ich im Namen der Kirche bloggen? Oder gar im Namen Jesu Christi? In beiden Fällen muss ich dazu berufen sein. Viele versuchen, im Namen Christi und der Kirche zu bloggen, dabei kommt nicht immer das gewünschte Ergebnis raus, wenn man die bunte Vielfalt in der katholischen und christlichen Bloggerszene untersucht.

Die katholische Bloggerwelt ist so vielfältig wie die universale Kirche selbst. Ich habe mittlerweile eine Phobie gegenüber Leuten, die von sich behaupten, die "wahre" Lehre zu repräsentieren. Oft geschieht das genaue Gegenteil. Es gibt Leute, die mit der "wahren Lehre" wie ein Schwert um sich fuchteln. In den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook oder ihren Blogs.  Sie verwechseln ihre eigenen Ansichten mit dem "Willen Gottes" und nageln Christus selbst ans Kreuz. Wohlgemerkt, ich zähle Stefan Erhardts Blog "Zeit zu beten" nicht dazu. Sein Blog habe ich als eines der besten katholischen Blogs geschätzt.

Wer den Anspruch erfüllen möchte, im Namen der Kirche oder gar im Namen Christi schreiben zu wollen, läuft schnell Gefahr, dabei zu scheitern. Denn wer ist kein Sünder? Und was ist der Wille Christi wirklich? Dies im Gebet und im Empfang der Sakramente immer wieder neu zu erfahren ist lebenslange Aufgabe eines jeden (katholischen) Christen. 

Daher wage ich es nicht, im Namen der Kirche oder gar im Namen Christi zu schreiben. Ich bin kein Apostel sondern ein einfacher katholischer Christ. In diesem Blog schreibe ich darüber, was mich am katholischen Glauben fasziniert und warum ich den katholischen Glauben liebe. Gebe es Gott, dass wir seinen Willen mehr und mehr erkennen, ihm ähnlich werden und in der Demut der Liebe zu wachsen. Dann wissen wir, dass nichts aus uns sondern allein aus ihm erreichen können. Und dann werden wir auch nicht enttäuscht sein, wenn seine Kirche einen anderen Weg geht, als es unsere "Meinung" ist.

Sonntag, 15. Februar 2015

Valentinstag und die knallharte Realität

Der gestrige Samstag war Valentinstag, der Tag der Liebenden. Die Liebe wird beschworen und es wird mit dem Thema der Liebe viel Kohle verdient. Abends war ich auf einem Dorfball und wurde mit der harten Wirklichkeit konfrontiert. Wieder eine Ehe in der Nachbarschaft gescheitert. Das junge Ehepaar hat mehrere Kinder, er hat ein solides Unternehmen, sie kann kochen, perfekte Haus- und Geschäftsfrau, weiß, was sie will. Und sie tut es. Geerbt hat sie außerdem und Geld ist genug vorhanden. Jetzt wird ein Doppelhaus gebaut, in welches sie zieht. Der Mann bleibt zuhause mit einem seiner Kinder, die anderen ziehen zur Mutter.

So sehr die auch Liebe beschworen wird, die Beziehungen scheitern. Kaum eine Ehe, die nicht auseinanderbricht. Auch in gutkatholischen Kreisen ist keine Ehe vom Scheitern gefeit. Auch in meiner unmittelbaren Umgebung höre ich immer wieder von Trennungen und Scheidungen. Was ist bloß los? Woran scheitern unsere Beziehungen? Weil jeder sein eigenes Ding machen kann? Weil unsere Umwelt beziehungs- und familienfeindlich ist? Oder weil der praktizierte Glaube, das gemeinsame Gebet, die Bereitschaft zum Verzicht (auf den eigenen Egoismus) fehlt?

Mir bereiten solche Nachrichten immer ,ein Stich ins Herz und ich rufe zu Gott:

Herr, wo geht es mit uns hin?
Was wird aus unseren Familien, Beziehungen, Gemeinschaften?
Herr, was machen wir falsch?
wie können wir dem Bösen, dem Trennenden, wehren?
Hilf uns in unserer Dunkelheit, unserer Beziehungsunfähigkeit.
Entfache in uns das Feuer der Liebe, der Treue,
die alles vereint und alles Trennende überwindet.
Das uns hilft, immer wieder zu vergeben und
das Feuer der Liebe immer am Leben erhält.
Bleibe bei uns, denn ohne können wir nicht sein. Amen

Freitag, 13. Februar 2015

Ohne Fastenzeit macht Karneval kein Sinn

Zur Zeit geht es fast überall rund in Deutschland. Es ist Karnevalszeit. Eigentlich wird der Karneval vorwiegend in katholisch geprägten Regionen gefeiert. Denn es gilt vor der Fastenzeit noch einmal ausgiebig zu feiern, bevor es am Aschermittwoch ernst wird. Der Aschermittwoch ist das Datum der Umkehr, Beginn der österlichen Bußzeit. Einer Zeit, in der Katholiken sich erinnern, dass ihre Erlösung auf die Sühne Christi für ihre Sünden durch seinen grausamen Kreuzestod und seine glorreiche Auferstehung beruht. In der Fastenzeit schaut der Christ auf alles, was ihn von der Liebe Christi trennt, der für uns alle sein Leben hingeben hat.

Doch führt heute kaum noch jemand in unserer Gesellschaft geistliches Fasten durch. Die meisten, die überhaupt noch fasten, verzichten auf Speisen, um ihren Körper zu entschlacken und ein paar Pfunde zu verlieren, die sie danach sich sehr schnell wieder anfressen. In unserer Bistumszeitung "Kirche und Leben" lese ich, dass die Kirche im 19. Jahrhundert mehrfach vergeblich versuchte, dieses üble Treiben ein wenig einzudämmen. Allerdings erfolglos. Schon 1854 habe der Pfarrer der Gemeinde St. Peter und Paul in Nienborg notiert, dass "die sogenannten Fastnachtstage seit langen Zeiten an vielen Orten ein Saufgelage erster Klasse" waren.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nichts gegen das Feiern, aber mit christlichem Brauch hat das, was heute vielerorts gefeiert wird, nichts gemein. Der Bogen wird maßlos überspannt, zum Teil gewinnt der Karneval hässliche Züge des Exzesses. Es kann nur dann noch von einem christlichen Brauch gesprochen werden, wenn ein gewisses Maß beim Feiern gilt und die danach beginnende österliche Bußzeit auch wirklich als solche gepflegt wird. Ansonsten bleibt der Karneval ein rein heidnisches Volksfest.

Von den Völkermassen, die man beim Straßenkarneval sieht, bleibt allerdings beim Aschermittwochsgottesdienst nur noch ein winziges Häuflein übrig. An diesem Tag wird uns in Erinnerung gerufen;  „Memento homo, quia pulvis es et in pulverem reverteris“ (Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst)

Montag, 9. Februar 2015

Gripperitis: Einmal so richtig krank feiern!

Der Grippevirus greift zur Zeit in unserem Dorf ziemlich um sich. Auch mich hat es erwischt. Es ging schon Mitte der letzten Woche los. Halsschmerzen, Bronchien und Nase dicht, zunehmende Kopf- und Gliederschmerzen, Appetit- und Lustlosigkeit, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, kalte Hände und Füße und dann Schüttelfrost.

So schlimm war es schon lange nicht mehr. Ich kramte in meiner Medikamentenbox und fand noch Medikamente, die das Haltbarkeitsdatum noch nicht überschritten hatten. Ich legte ich mich zu jeder Minute auf die Couch bzw. ins Bett, in der es mir möglich war.  Bei allen Leiden hat Kranksein auch etwas Gutes. Man wird auf sich selbst zurück geworfen, schaltet einen Gang runter. Weniger Online, weniger nach außen gerichtet.

Mehr Zeit für Stille und auch Gebet. Auf's wesentliche konzentrieren! Und auf den Wesentlichen konzentrieren. Auf ihn vertrauen, dass er heilt. Ihm näher kommen in der Stille. Krank feiern! Dank Gott für Deine Nähe, in Gesundheit und Krankheit.

Zu Dir rufe ich, wenn ich müde und lebenswund bin.
Deinen Atem, Gott, hauche in meinen ermatteten Mut.
Wärme die gefrorene Hoffnung.
Segne meine Kahlheit, dass mein Seelengrund nicht auskühle
und die Herzwände nicht versteinern.

Du bist das Licht, stärker als alle Finsternis.
Du gibst Gedeihen, machst Aufblühen, wo Verdorren droht.
Verbinde mich wieder mit dem Weichen und Zarten in mir,
dass ich erkenne, was schön ist, gut und wesentlich,
dass ich Gründe weiß, dem Leben wohl zu wollen.
Berührbar will ich sein,
Anteil nehmen an allem, was mir begegnet, Verletzlichkeit wagen.
 Kräftige, was erschöpft ist in mir: Glaube, Hoffnung, Liebe.
Um Mut zum Fallen, um Mut zu Aufstehen bitte ich dich.
 Verbinde mich neu mit dem Lebensstrom, indem du mich verteilst.
 So stehe ich auf und wage den neuen Tag.
 Antje Sabine Naegeli

Donnerstag, 5. Februar 2015

Bibelgebetsabend: Denn die Gnade Gottes erzieht uns

Unser Pfarrer lud zu einem Bibelgebetsabend in sein Pfarrhaus ein: Es wurde gemeinsam gesungen, gebetet und zwei Texte aus den Paulusbriefen betrachtet. Als erstes lasen wir den Brief des Paulus an Philomenon. Ich muss gestehen, dass ich ihn noch nie gelesen hatte. Dabei handelt es sich um ein Edelstück biblischer Texte, welche uns lehren, wie die Gnade Gottes den Jünger in liebevoller Freiheit verwandelt.
Im Brief wendet sich Paulus an seinen Mitarbeiter Philemon, der reich ist aber noch Sklaven hat. Einer seiner Sklaven, Onesimus, hat die Kasse veruntreut und steht bei ihm in Schuld.

Onesimus wird von Paulus bekehrt und Paulus bittet Philemon, in wieder in sein Haus aufzunehmen. Paulus hätte die Macht, Philemon, zu zwingen, ihn wieder einzustellen. Doch er wählt einen anderen Weg. Er lobt ihn über die Maßen und appelliert an den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus. Er bittet ihn, Onesimus, nicht mehr als Sklaven sondern als geliebten Bruder anzunehmen.

Paulus bietet ihm an, die Schuld von Onesimus zu zahlen, erinnert Philemon aber gleichzeitig daran, dass er selbst bei ihm in Schuld steht. Für mich ist beeindruckend. wie Paulus seinem Mitarbeiter die Entscheidung überlässt, aber auf der anderen Seite mit der Gewalt der Liebe förmlich zwingt, das Gute zu tun.

Nach einem weiteren Lied betrachteten wir Textausschnitte aus dem Brief Paulus an Titus (Titus 2.11-3.08) Paulus verweist darauf, dass die Gnade Gottes ALLEN Menschen erschienen ist, um sie zu erretten und jene, die den Glauben angenommen haben, "erzieht", von der Gottlosigkeit abzukehren. Die Getauften sollcn den "Herrschern und Machthabern" gehorsam sein, nicht schmähen, nicht streitsüchtig sein, sondern freundlich und gütig.

Alle Textstellen eignen sich hervorragend, zu prüfen, wie sehr wir durch den heiligen Geist geprägt sind, das Gute zu tun. Und mit dem Guten das Böse überwinden. Zum Abschluss unterhielten wir uns noch über beide Texte und unsere täglichen Erfahrungen im Leben. Unser Pfarrer segnete uns, bevor wir wieder nach Hause gingen. Es war ein sehr gelungener Abend, an dem wir Anregungen erhielten, wie wir unseren Glauben vertiefen können.

Dienstag, 3. Februar 2015

Eigentlich ist erst heute der Blasius-Segen dran!

Eigentlich schade, wie die Kirchenfeste immer mehr verwischen. Heilige Drei Könige wird schon lange nicht mehr überall am 6. Januar gefeiert, sondern am Sonntag danach. Zumindest in den Orten, wo es kein gesetzlicher Feiertag ist. Die Fronleichnamsprozession zieht in unseren 4 Kirchdörfern unserer Pfarrgemeinde wahlweise am Fronleichnamstag, dem Mittwoch oder dem Sonntag danach oder davor durchs Dorf.

Und der Blasiussegen wird bei uns nicht einmal mehr, wie an anderen Orten noch üblich, am Fest "Darstellung des Herrn" (Maria Lichtmess) gespendet, sondern ebenfalls am Sonntag davor. Weil an einer Werktagsmesse sowieso kaum noch Leute in die Kirche kommen. Ursprünglich wurde der Blasius-Segen am 3. Februar, dem Gedenktag des Hl. Blasius, nach der hl. Messe gespendet.

"Man soll die Feste feiern, wie sie fallen", sagt ein Sprichwort. Wenn wir es täten und die Feste nicht aus pastoralen Gründen verlegen würden; vielleicht würde auch dies zur Erneuerung der Kirche beitragen.

Montag, 2. Februar 2015

Offen bleiben für seltene (Kirchen)besucher

Es ist allgemein bekannt: nur noch 10 % der konfessionellen Katholiken gehen regelmäßig sonntags zur Messe. Dies ist allerdings eine rein statistische Feststellung. Wie viele Katholiken davon jeden Sonntag zur Messe gehen und wie viele Angehörige der Kirche wenigstens sporadisch zur Kirche gehen, ist eine andere Frage.

Beim Sonntagshochamt bemerkt man von der Entfremdung vieler Menschen von ihrer Kirche nicht so viel, außer, dass die Kirchenbänke sichtbar leerer sind als noch vor wenigen Jahrzehnten. Kirchenferne Menschen sieht man fast nie am Sonntag in der Kirche. Anders sieht dies bei der Werktagsmesse aus. Selbst an Festen wie Mariä Lichtmess gehen sogar treue Gemeindemitglieder schon seit langer Zeit nicht mehr in die Heilige Messe. 

Statt dessen kommt ein ganz Messpublikum ins Gotteshaus: Angehörige von Verstorbenen, die entweder kurz darauf beerdigt werden müssen oder der im Jahresgedanken in der Messe bedacht werden. Schon beim Eintritt der Kirche merkt an, dass oft einige dabei sind, die sich eigentlich in einer Kirche ganz fremd fühlen. 

Eine Kniebeuge und ein Kreuzzeichen beim Eintritt in die Kirchenbank fehlt häufig, ebenso eine stille Andacht und Gebet vor der Messe. Sie wissen nicht, welche Haltungen im Messablauf und welche Antworten zu Beginn oder auch vor dem Evangelium und zur Eröffnung des Hochgebetes geantwortet werden. 

Wenig erstaunlich ist, dass solche Leute, die kaum einmal in zwei Jahren die Messe besucht haben zu scheinen, wie selbstverständlich zur Kommunion gehen. Auch deren Bedeutung werden sie nicht (mehr) kennen. Sie werden entweder die schwere Sünde des Verstoßes gegen das  Sonntagsgebot nicht kennen oder verdrängen.

Wenn ich solches bemerke, geschieht es mir schnell, dass ich mich mit diesen Leuten geistig beschäftige anstatt selber andächtig zu bleiben. Im schlimmsten Falle können mir sogar abfällige Gedanken kommen, die ich abwehren muss. Hilfreich ist es für mich, mich daran zu erinnern, dass es wesentlich frommere Leute gibt wie mich. Und dass ich vor wengen Jahren selbst nicht wusste, was in der heiligen Messe eigentlich wirklich passiert. 

Gott liebt jeden Menschen, der - aus welchem Grund auch immer - in sein Haus kommt. Niemand hat den Glauben erkauft oder erarbeitet, er ist ein reines Geschenk des Herrn, der sein Blut für uns vergossen hat. Als Christ sollten wir für alle Brüder und Schwestern beten, die diese Liebe noch nicht kennen. Möge der Herr ihnen das Licht der Heiden sein, den Glauben in ihnen wie in uns wachsen zu lassen.

Durch eifriges Mitsingen und -Beten und eine andächtige Teilnahme an der Liturgie leisten wir unseren besten Beitrag, den wir zur Ehre Gottes und im Gebet für unsere Glaubensgeschwister und alle Angehörigen, die der Kirche noch fremd sind, leisten können. 

Gebet zum Fest "Darstellung des Herrn"

Gott unseres sehnsüchtigen Wartens,
du unser Licht, unser Heil, unser Friede,
du kommst uns entgegen, du zeigst dich uns,
wenn wir deinem Heil in unserem Leben eine Chance
geben, indem wir das, was uns begegnet,
in seiner tieferen Bedeutung wahrnehmen.

Gib uns ein junges Herz, das nicht aufhört,
nach dir zu suchen –
damit wir einmal sagen können:
»Nun lässt du, Herr, mich in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
das du vor allen Völkern bereitet hast.«
Amen.
Dieses schöne Gebet habe ich im Blog "Zeit zu Beten" gefunden

Darstellung des Herrn - Mariä Lichtmess

Heute feiert die Kirche mit dem Fest "Darstellung des Herrn" den Abschluss der Weihnachtszeit. Das Fest nimmt den jüdischen Brauch auf, nach welchem eine Frau 40 Tage nach der Geburt ein Reinigungsopfer im Tempel bringen und ihren erstgeborenen Sohn Gott opfern musste. Der Erstgeborene wurde "Gott dargestellt", daher stammt der Name "Darstellung des Herrn". Der Name Maria Lichtmess beruht auf einer alten Tradition in Rom, eine Lichterprozession am 2. Februar zu veranstalten. Damit ist auch heute noch eine Kerzenweihe verbunden. In der biblischen Geschichte erkennen der greise Simeon und die Prophetin Hanna, das Christus der "Erlöser Israels" und das "Licht der Heiden" und preisen ihn an.