Montag, 26. Januar 2015

Wird ohne Kirchensteuer wirklich alles besser?

Die Diskussion gibt es schon lange. Über den Sinn und Unsinn der Kirchensteuer. Der "theologische Freidenker" (Zitat "The European") Sebastian Moll stellt die Kirchensteuer in seiner Kolumne "Christen und Atheisten, vereinigt euch!" wieder einmal infrage. Längst ist das Thema nicht mehr allein die Domain von Kirchenkritikern und Kirchenfernen. Auch "engagierte Christen", so nennt sie Moll, plädieren schon länger für die Abschaffung des staatlichen Einzugsverfahrens, welches den automatischen Geldfluss vom Einkommenskonto aller Konfessionsangehörigen in die Kirchenverwaltungen organisiert.

Wenn einmal der Geldsegen für die Kirche nicht mehr garantiert sei, würde sich die Kirche "reinigen", argumentieren sie. Der Geld-"verschwendung" und -verwendung für "nicht dem Evangelium entsprechenden Zwecke" sei dann ein für alle Mal der Hahn abgedreht. Zum Beispiel für Abtreibungsberatungsstellen oder für Verlage, die Pornozeitungen vertreiben. Woher kommt bloß diese Vermutung?

Nur weil weniger Geld vorhanden ist, ist noch keinesfalls gesichert, dass mit diesem weniger vorhandenen Geld sinnvoll umgegangen wird. Eines steht aber auf jeden Fall fest: Die derzeit schon so kranke Kirche wird noch mehr geschwächt. Das Geld für viele sinnvoll verwendete kirchliche Einrichtungen wird nicht mehr vorhanden sein.

Vielleicht wird es einige geben, die etwas mehr in den Klingelbeutel werfen werden. Oder begüterte Einzelspender werden größere Beträge der Kirche zufließen lassen. Man blicke aber bitteschön nur in Zeiten zurück, als es noch keine Kirchensteuer gab. Auch damals gab es schon Geld-Skandale und Missbräuche, vieles wurde allerdings unter dem Teppich gekehrt. Einzelne reiche Fürsten übten starken Einfluss in der Kirche aus. Auch damalige Protzbischöfe konnten vom Gold geblendet werden, von welchem viel weniger beim einfachen Kirchenvolk landete. Egal wie reich die Kirche ist, die Menschen bleiben gleich.

Man bewahre die Kirche vor Millionen selbst ernannter "Budgetverwalter", die meinen, es besser zu wissen als die Offizialate, Diözesen und Kirchenämter. Die Finanzen der Kirchen dürfen nicht am Stammtisch beschlossen werden. Die Kirchen dürfen auch nicht abhängig von der Spendenbereitschaft ihrer Mitglieder werden. Solange die Kirche nicht allein aus Heiligen sondern auch aus vielen Sündern besteht, kann die "richtige" Mittelverwendung niemals garantiert werden.

Wird die Kirchensteuer abgeschafft, müssen die Glieder in der Kirche lernen, "freiwillig" von ihrem Einkommen Geld an die Kirche abzugeben. Diese Kultur ist der breiten Gesellschaft abhanden gekommen und müsste erst einmal erlernt werden. Soll die Kirchensteuer abgeschafft werden? Meinetwegen, aber besser wird die Kirche dadurch nicht.

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