Samstag, 10. Januar 2015

Wir brauchen eine christliche Patientenverfügung

Der Bischof von Münster Felix Genn hat sich zuletzt mehrfach zur Sterbehilfe geäußert. Die Münstersche Bistumszeitung "Kirche und Leben" berichtete über seine Silvesterpredigt in der Lambertikirche in Münster. Bischof Felix sagte in seiner Predigt, dass Christen sich der Auseinandersetzung mit dem Thema stellen müssten. In dieser Frage gehe es nicht um eine "christliche Sondermoral" sondern um das "Menschsein als Ganzes". Allerdings ging er vor allem nur auf die Problematik des assistierten Suizids ein.

Seine Begründung, dass aus christlicher Sicht dies abzulehnen ist, überzeugen mich. 1. Die meisten Schwerkranken wollen leben, wenn sie sich auf die Hilfe anderer verlassen können. 2. Die Rolle des Arztes muss unteilbar bleiben, alles für die Heilung des Menschen zu tun. 3. Sterben ist kein rein technischer sondern ein zutiefst menschlicher Vorgang, das Leben und Sterben ist ein heiliges Geheimnis. "Wir lassen uns das Leben nur von Einem nehmen, von Dem, der es uns gegeben hat" brachte es Bischof Genn auf dem Punkt.

Auf das letzte Argument möchte ich ein wenig eingehen. Wird durch die medizinische Technik nicht in Frage gestellt, wann unser Leben auf natürliche Weise zu Ende geht? Es gibt viele Situationen, in denen ein Patient nicht stirbt, weil die Technik den Sterbeprozess verhindert. Ich erlebe dies bei einem Freund, der nach Herz-Kreislaufversagen seit Wochen künstlich ernährt wird und möglicherweise nie wieder aus dem Koma erwachen wird. Früher wäre er gestorben, heute überlebt er, weil der Sterbeprozess unterbrochen wurde.

Für Angehörige und Freunde ist dies eine Situation, in der sie sehr hilflos sind. Sie leben in der Hoffung, dass ein "Wunder" geschieht und der Verzweiflung, dass der Patient vielleicht endlos leiden muss, weil sein Zustand sich nicht bessert. Auch hierbei muss die Kirche helfen, die richtige Antwort
zu finden.

Muss der natürliche Sterbeprozess unbegrenzt aufgehalten werden? Oder dürfen wir in bestimmten Fällen die Behandlung abbrechen, wenn keine Verbesserung einer minimalen Lebensqualität zu erwarten ist? Klar ist, dass wir als Christen niemals Leben vorzeitig aktiv beenden dürfen. Aber wir dürfen auch zulassen, dass unser Leben zu Ende geht. Wir dürfen Widerspruch dagegen einlegen, dass unser Leben künstlich verlängert wird, obwohl wir normalerweise längst gestorben wären. In der modernen Medizin kommt niemand mehr um eine Patientenverfügung  rum. Als Christen brauchen wir eine Antwort, wie man eine christlich vertretbare Patientenverfügung verfassen kann.

Ein weiteres Argument für eine christliche Patientenverfügung ist auch die Entlastung der Angehörigen bei schwerwiegenden Entscheidungen. Der Patient stellt zudem sicher, dass gegen christliche Glaubensgrundsätze nicht verstoßen wird, etwa indem er genaue Grenzen definiert, wann eine Behandlung nicht fortgesetzt wird und eine aktive Maßnahme des Tötens ausgeschlossen wird.

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