Dienstag, 27. Januar 2015

Wer austritt, kann auch wieder eintreten

Heute lese ich in unserer Lokalzeitung, dass im vergangenen Jahr in dem Landkreis Vechta, in dem ich wohne, 337 Menschen aus der Kirche ausgetreten sind. Vier Menschen davon sind aus meinem Dorf Bakum. Eigentlich keine dramatische Nachricht.

In unserer Region Südoldenburg scheint die katholische Welt noch in Ordnung zu sein. Oberflächlich! Die Austrittszahlen sind recht moderat im Vergleich zu anderen Gegenden. In Großstädten sieht dies viel schlimmer aus. Aber auch bei uns auf dem Lande ist der Glaubensschwund deutlich zu erkennen. Die Kirchen sind sogar an hohen Feiertagen längst nicht mehr so voll wie früher. Viele Leute sind zwar noch traditionell katholisch, haben aber ihre Bindung an die Kirche längst verloren. Silvester habe ich es ja bei einem Streit ums Katholischsein deutlich vor Augen geführt bekommen.

Wenn ich von Kirchenaustritten in meinem Umfeld höre, denke ich immer auch an meinem eigenen. Ja, es gibt gute Gründe, aus der Kirche auszutreten. Ein Kirchenaustritt kann ein konsequenter Schritt der Selbsterkenntnis sein, dass man den Glauben und die Bindung an die Kirche verloren hat. Mir ist diese Ehrlichkeit lieber, als dass Menschen behaupten, sie seien katholisch, aber von den Kernaussagen des Glaubens nichts wissen wollen oder diese sogar frontal ablehnen.

Dann gibt es solche, die einige Lehraussagen akzeptieren, andere nicht. Kann man sich noch katholisch nennen, wenn man Abtreibung und Verhütung befürwortet, die Sexualmoral der Kirche grundweg ablehnt? Wenn man "denen da oben in der Kirche" vorwirft, nicht mehr zeitgemäß zu sein?  Wenn man Jesus für einen "guten Menschen" hält, aber nicht glaubt, dass er Gott ist? Wohl kaum. Im Grunde lügt man sich mit einer solchen Haltung etwas selbst oder anderen Menschen vor.

10 Wer das ganze Gesetz hält und nur gegen ein einziges Gebot verstößt, der hat sich gegen alle verfehlt.
11 Denn er, der gesagt hat: Du sollst nicht die Ehe brechen!, hat auch gesagt: Du sollst nicht töten! Wenn du nicht die Ehe brichst, aber tötest, hast du das Gesetz übertreten. (Jakobus 2.10f)

Ich möchte nun niemand dazu treiben, aus der Kirche auszutreten. Aber ein solcher Schritt kann ein erster Schritt zu einem Neuanfang sein. Bei mir war es so.  Nach einigen Jahren und Lebenserfahrungen entschloss ich mich, wieder in die Kirche einzutreten. Ich begann neu, mich mit dem katholischen Glauben auseinanderzusetzen. Was ist der Kern des Glaubens? Die Suche nach einer lebendigen Beziehung zu Christus. Die Liebe zu ihm macht uns fähig, den Glauben mit all seinen Geboten anzunehmen und immer tiefer in ihm zu wachsen. Es braucht Zeit, den eigentlichen Schatz des Glaubens verstehen und lieben zu lernen.

Den Anfang kann jeder mit einfachen Beten setzen: "Herr Jesus Christus, hilf mir in meinem Unglauben". Teile Christus im Gebet deine Nöte mit und bitte ihn, mit dir einen Neuanfang zu beginnen. Er wird dir helfen, alles zu finden, um deinen Glauben zu vertiefen und zu einer Quelle der Freude zu machen. Vielleicht findest du auch einige Glaubenshilfen in meinem oder anderen katholischen Blogs. Ans Herz legen möchte ich dir auch die Seiten der Karl-Leisner-Jugend, in denen es viele gut verständliche Erklärungen des katholischen Glaubens gibt.

Das Schöne ist, dass jeder, der einmal ausgetreten ist, immer wieder in die Kirche zurückkehren kann. Gott gibt niemanden verloren.

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