Donnerstag, 1. Januar 2015

Wenn der Streit ums "Katholischsein" eskaliert

Bei Gesprächen rund um den Glauben kann es haarig werden. Ich laufe jedes Mal Gefahr, dabei ins Messer zu laufen und dabei in einen fürchterlichen Streit zu geraten, den ich gar nicht möchte. Bei der gestrigen Sylvesterparty ist mir das leider wieder passiert. Irgendwann in der langen Nacht, die erst um 6.00 Uhr morgens endete, geriet das Gespräch auf das Thema Glaube und Kirche. Es war ein Ungläubiger selbst bekennender Humanist) und drei katholisch Getaufte unter meinen Gesprächspartnern.

Alles sehr gebildete Leute. Einer von ihnen stritt komplett ab, das Jesus Gott ist. Er sei nur ein Mensch. Seine Frau sprach von historischen Tatsachen, dass Christus ein jüdischer Rabbi sei. Also auf keinen Fall Gott. Ich widersprach, dass dies nicht dem katholischen Glauben entspricht, wonach Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Es entwickelte sich ein heftiger Streit und mein Gesprächspartner entgegnete mir, dass ich nicht das Recht hätte, ihn mit meiner Meinung in dieser Form anzugreifen. Er sei erzkatholisch, und das habe ich zu respektieren. Er lasse sich von mir seinen katholischen Glauben nicht absprechen.

Ihm pflichteten die anderen bei und sprachen von Machtmissbrauch der Kirche, die mit dieser Art des fundamentalistischen Glaubens die Leute unterdrücken wolle. Ich erwiderte, dass die Aussage der Gottheit Christi jeder im Katechismus nachlesen könne und dies auch Teil des Glaubensbekenntnis sei. Ich bat meinen Freund, das Große Glaubensbekenntnis zu googeln und vorzulesen. Er weigerte sich zu, dies zur Kenntnis zu nehmen:

... Und an den einen Herrn Jesus Christus,Gottes eingeborenen Sohn,aus dem Vater geboren vor aller Zeit:Gott von Gott,Licht vom Licht,wahrer Gott vom wahren Gottgezeugt nicht geschaffen,eines Wesens mit dem Vater;durch ihn ist alles geschaffen. ...

 Die ganze Party drohte zu eskalieren, weil ich von meiner Meinung nicht abweichen wollte. Zum Glück fanden wir irgendwann doch eine Kurve aus dieser ausweglosen Diskussion. Ich fragte meinen Freund dennoch, warum er eigentlich überhaupt noch in der Kirche sei, die er so abgrundtief kritisiert und an deren Lehre er nicht glaubt. Die Antwort höre ich in solchen Gesprächen immer wieder. Aus Tradition katholisch, und es gebe ja einige wenige positive Ausnahmen unter den Versagern in der Kirche.