Montag, 5. Januar 2015

Die Sache mit dem Geburtstag

Heute ist mein Geburtstag. Was hat dies mit dem Glauben zu tun? Eigentlich wenig, könnte man meinen. Vor noch nicht langer Zeit wurde vom Geburtstag nicht viel Aufhebens gemacht. Früher feierten (in christlich geprägten Regionen) die Leute ihren Namenstag viel stärker als ihren Geburtstag.

Im christlichen Jahresverlauf spielt eigentlich nur ein Geburtstagsfest eine bedeutende Rolle: Weihnachten, die Geburt des Gottessohnes Jesus Christus. Weder von ihm noch von seinen Jüngern  ist überliefert, dass sie Geburtstag gefeiert hätten. Das zweitgrößte Fest im Christentum (nach Ostern) ist die Geburt Christi. Viel wichtiger als der Geburtstag ist der Sterbetag. Fast alle Gedenktage der Heiligen liegen an ihrem Sterbedatum. Das Todesdatum des Heiligen ist der Eintritt ins Ewige Leben, die Vollendung des irdischen Daseins im Himmel.

Der Name spielt im Glauben eine große Rolle.  An mehreren Stellen in der Heiligen Schrift wird auf den Namen verwiesen. Auch die Heilige Messe oder ein Gebet beginnen wir immer "Im Namen des Vaters, des Sohne und des Heiligen Geistes". Jeder Getaufte erhält einen Namen, meist eines Heilgen, der sein Schutzpatron ist. Dies mögen die Gründe für Christen gewesen sein, den Geburtstag nicht so wichtig wie den Namenstag zu nehmen, an welchen wir nicht uns sondern unseren Patron feiern und ehren.

Mit der Verdunstung des Glaubens und dem zunehmenden Individualismus (neudeutsch: "Selbstverwirklichung") gewann der Geburtstag immer mehr an Bedeutung. "Lass dich ordentlich feiern!" So oder so ähnlich klingen heute manchmal Geburtstagsgrüße. An der Stelle von Anbetung und Heiligenverehrung ist (Selbst)beweihräucherung getreten.

Ein Geburtstag lädt ein, dankbar für alles Gute zu sein, was uns bislang geschenkt wurde. Und Bilanz zu ziehen, wie die bisherige Lebenszeit genutzt wurde. Was ist wichtig im Leben? Wie ist mein Verhältnis zu Gott und meinen Mitmenschen? Zugleich ist es ein Datum, welches darauf verweist, dass die Zeit immer knapper wird, Versäumtes nachzuholen.

Wie kann man seinen Geburtstag christlich begehen? Sicher mit einem großen Dankgebet an unseren Schöpfergott. Denn letztendlich verdanken wir Gott jede Minute unseres Lebens. Und auch Dankbarkeit gegenüber allen Freunden und Angehörigen, die uns wohlgesonnen sind. Freude über alle, die an diesem Tag an uns denken und uns besuchen.

Dies alles ist guter Grund, sich an diesem Tag zu freuen und mit anderen gemeinsam zu feiern. Das ist aber etwas anderes als sich feiern zu lassen. Sich freuen, aber selbst dabei nicht so ganz wichtig nehmen.

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