Montag, 19. Januar 2015

"Der Islam gehört zu Deutschland!" - Gedanken zu einem Wort der Kanzlerin

Jetzt hat auch Bundeskanzlerin Angela Merkel den Satz des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff wiederholt: "Der Islam gehört zu Deutschland!"

Ein Satz, der nicht nur bei Pegida-Anhängern sauer aufstößt. Selbst von Parteigenossen wurde die Kanzlerinnenäußerung kritisiert. Zwar ist laut einer Umfrage von Politbarometer die knappe Mehrheit der Bevökerung (58%) der Meinung, dass der Islam für westliche Demokratien keine Bedrohung darstellt. Dennoch ist ein großer Teil einer Minderheit durchaus besorgt. Mit dem Terrorangriff in Paris ist die Besorgnis nicht geringer geworden. Laut Politbarometer wird die Pegida-Bewegung nur von 17 % der Bevölkerung  "gut gefunden".

Um es gleich vorweg zu nehmen, ich zähle zu der großen Mehrheit in der Bevölkerung, die der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung nicht zustimmt. Für mich ist klar, dass Muslime Teil unserer Gesellschaft sind. Und somit auch der Islam in unserer Gesellschaft präsent ist. Dies zu negieren ist realitätsfremd. Ich habe viel Respekt vor frommen Muslimen und ihrer Gebets- und Fastenpraxis.

Fremde sind in unserem Land willkommen, Deutschland muss ein weltoffenes Land bleiben, in welchem jeder die Religion seiner Wahl ausüben kann. Oder eben keiner Religionsgemeinschaft angehören muss. Ohne Zweifel ist, dass die meisten Muslime hier friedlich leben und arbeiten, und dies oft schon in zweiter oder dritter Generation. Dennoch kann ich nicht die Ansicht teilen, dass der Islam völlig in unsere freiheitliche demokratische Gesellschaftsordnung integriert worden ist.

Ein Grund ist die weltweit mangelnde Akzeptanz der Religions-, Presse- und Meinungsfreiheit im Islam. In fast keinem mehrheitlich islamischen Staat gibt es eine pluralistische Demokratie. Selbst in der Türkei können christliche Religionsgemeinschaften nur mit großer Einschränkung eigene Kirchen bauen, Priester ausbilden oder gar "Mission" betreiben. Von Religionsfreiheit selbst in der Türkei kann nicht die Rede sein. 100 Millionen Christen werden weltweit verfolgt, schreibt die österreichische Tageszeitung "Die Presse", zunehmend in islamischen Ländern. "Je strenger der Koran ausgelegt wird, desto unbarmherziger ist die Verfolgung", heißt es in dem Artikel von "Die Presse". In Saudi-Arabien, einem mit dem Westen kooperierenden Land, wurde ein Blogger zu 1.000 Peitschenhieben wegen "Beleidigung des Islam" verurteilt, berichtete "Die Welt".

Der wachsende Islamismus bedroht ein friedliches Zusammenleben unter den Religionen. Weitere Probleme sind eine fehlende zentrale Lehrautorität des Islams, die mäßigend auf Extremismus von Moslems einwirken kann, und die fehlende Trennung von Staat und Religion im Islam.  Die Frage, ob das mittelalterliche islamische Rechtssystem der Scharia in unseren westlichen Demokratien eingeführt werden sollte, würde wohl jeder Nichtmuslim verneinen. Denn wo die Scharia regiert, haben "Ungläubige" jedes Recht verwirkt.

Ein wirklich friedliches Zusammenleben mit Moslems in einer pluralistischen Demokratie ist auf Dauer nur möglich, wenn elementare Grund- und Menschenrechte auch im Islam verankert sind. Es muss dazu eine Einigung darüber mit allen Autoritäten der wichtigsten islamischen Zweige erreicht werden. Islamische Verbände und Vertreter müssen aktiv gegen jede Gewalt im Namen des Islams auf der ganzen Welt eintreten. Erst dann kann man mit Fug und Recht sagen, dass der Islam zu Deutschland gehört.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen