Freitag, 16. Januar 2015

Das Kreuz mit den Trollen

Wer zu Themen des (katholischen) Glaubens Stellung bezieht, muss mit zum Teil sehr unfreundlichen bis zu beleidigenden Reaktionen rechnen. Bislang bin ich davon noch weitgehend verschont geblieben. Mein Blog ist zu unbekannt und hat eine kleine Leserschaft. Anders ist dies bei Christ & Welt. Auch bekannte katholische Blogger beklagen sich über wüste Verbalattacken aufgrund ihrer Beiträge, zum Beispiel in den Blogs  Jobo72's Weblog und katholon.

Ein wenig erschrecke ich mich, wenn sich Leute sich über unangemessene Reaktionen beschweren, die selber durchaus bewusst mit ihren Beiträgen polarisieren. Ich frage mich, warum sie dann öffentlich "über schmutzige Reaktionen" ihrer Leser in ihrem Medium lamentieren. Wollen Sie andere belehren? Oder ihren verletzten Stolz zum Ausdruck bringen? Die Gefahr, "böse Kommentare" zu provozieren, ist umso größer je deutlicher man eine Meinung zu Themen in Glaube und Gesellschaft artikuliert. Auch mir ist dies schon öfters passiert.

Doch wie geht man mit sogenannten "Trollen" (welch hässliches Wort!) um? Als Christen sind wir berufen, das Böse mit dem Guten zu überwinden. Ein Auftrag, in dem ich immer wieder scheitere. Schnell machen wir das genaue Gegenteil von dem, wozu wir berufen sind. Wir steiten oder  - noch schlimmer - reden und schreiben schlecht über andere. Nicht zu vergessen: Zu einem Streit gehören bekanntlich immer zwei. Ein Anlass, darüber nachzudenken, ob wir vielleicht ein Ärgernis mit unserer streitbaren Meinung, mit unserer Sprache, verursacht haben könnten.

Besonders wenn wir öffentlich unsere Meinung verbreiten, müssen wir damit rechnen, nicht überall Zustimmung dazu erhalten. Bei jeder noch so abartigen Reaktion dürfen wir nie vergessen, dass sich hinter einer Botschaft ein Mensch verbirgt, der von Gott unendlich geliebt wird. Und auch wir ihn aus Liebe zu Gott lieben sollen. Und Gott uns in jeder unangenehmen Begegnung auf unsere eigene Armseligkeit, unseren eigenen Stolz, aufmerksam machen möchte.

Einerseits dürfen wir uns natürlich vor Beleidigungen und unangenehmen Personen schützen, indem wir Leute mit schlechten Umgang aus unseren Kontakten in sozialen Netzwerken ausschließen. Dies ist ein Schutz vor noch schlimmeren Folgen wie Streit und weiteren, meist endlosen Beleidigungen. Der heilige Franz von Sales und auch Thomas von Kempen haben in ihren Schriften empfohlen, schlechte Gesellschaft zu meiden. Auf der anderen Seite müssen wir unser Gewissen erforschen, wenn unsere Liebe erstickt, unser Herz gekränkt und in uns Hass und Streit entfacht wird:

Hier hast du einen Rat für deine Gewissenserforschung:
Habe ich heute im Geist der Sühne die Widrigkeiten angenommen, die Gott für mich bestimmt hatte? Auch die, die ihren Grund in der Eigenart meiner Mitmenschen hatten? Und auch die, die von meiner eigenen Armseligkeit verursacht wurden?
Habe ich dem Herrn den Schmerz über die Beleidigungen, die ich Ihm - so oft! - zufügte, als Sühne aufgeopfert? Habe ich Ihm auch meine innere Beschämung aufgeopfert, die ich, demütig und meines schmählichen Vergehens bewußt, darüber empfinde, daß ich auf dem Weg des wirklichen Christseins nur so unendlich langsam vorankomme?
Heiliger Jusefmaria, "Im Feuer der Schmiede", Textabschnitt 153





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