Freitag, 23. Januar 2015

Bistum Münster: Nach Predigtverbot nun Faktencheck zur Islam-Debatte

Das Machtwort des Bischofs Felix Genn über das Predigtverbotes eines katholischen Pfarrers, der auf einer Pegida-Demonstration eine Ansprache hielt, schlug hohe Wellen. Bischof Genn warf dem Pfarrer vor, er habe "mit seinen Äußerungen undifferenzierte Klischees gegenüber dem Islam" bedient. Zur Pressemitteilung des Bistums ...

In der aktuellen Bistumszeitung "Kirche und Leben" wurden diese "Klischees" auf einer Doppelseite zurecht gerückt. Auch auf der Homepage des Bistums wird dieser Faktencheck thematisiert.  Ich habe dies mit großem Interesse gelesen. Fünf Behauptungen über den Islam überprüft: Ist der Islam nicht demokratiefähig, tolerant sondern sogar eine Bedrohung? Wollen sich Muslime sich nicht integrieren sondern den heiligen Krieg?

Der Artikel versucht Fakten zu liefern, die die Angst vor einem aggressiven Islam zu nehmen und die Bereitschaft zur Akzeptanz des Islams zu fördern.  Einige Antworten sind durchaus überzeugend, andere leuchten mir  weniger ein. Im Jahre 2030 wird ein Bevölkerungsanteil von 7 Prozent (ca 5.5 Millionen) in Deutschland prognostiziert. Daraus folgere ich, dass zu meinen Lebzeiten die nichtmuslimische Bevölkerung in der Mehrheit bleiben wird. 90 Prozent der muslimischen Bevölkerung hielten laut Umfragen die Demokratie für eine gute Regierungsform. Von der Gefahr einer Islamisierung kann also aktuell keine Rede sein.

Weniger beruhigend ist aber die Aussage für mich, dass in den meisten moslemisch geprägten Ländern keine Demokratie herrscht. Auch tröstet es mich nicht, dass dort außer Christen auch andere Religionsgruppen einschließlich Moslems unterdrückt werden. Der Münsteraner Faktencheck bestreitet nicht, dass unter den vielen "unterschiedlichen Strömungen mit unterschiedlichen Auffassungen im Islam" es starke fundamentalistische Kräfte gibt.

Verschärft wird dieses Faktum dadurch, dass der Koran als das "dem Propheten Muhammed diktiertes direktes Wort Gottes" gilt. Fundamentalisten fühlen sich aufgefordert, gewaltverherrlichenden Aufforderungen im Koran unmittelbar gehorsam zu sein. Eine moderne Schriftexegese wie bei der Bibel ist im Islam noch nicht so ausgeprägt. Durchaus gibt es allerdings eine innerislamische Diskussion, ob zum Beispiel mit Dschihad der Krieg gegen Ungläubige oder ein innerer Krieg zur Reinigung der Seele gemeint ist.. Ob es Münsteraner "Islamexperten" gelingt, arabische oder iranische Despoten von einer zeitgemäßeren Interpretation ihrer Schrift zu überzeugen, wage ich mittelfristig nicht zu hoffen.

Dennoch: Der Faktencheck bietet Argumente, die in der derzeitigen Debatte absolut notwendig sind. Wir müssen versuchen, mit Moslems guten Willens in einen Dialog zu kommen. Vier Millionen Menschen leben in Deutschland. Wenn man sie integrieren will, muss man Perspektiven eines Islams fördern, der in einer pluralen Gesellschaft integriert werden kann.

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