Mittwoch, 17. Dezember 2014

PEGIDA rettet nicht unser christliches Abendland

Was hat die PEGIDA mit dem christlichen Glauben gemein? Offensichtlich wenig. Dennoch ist die neue Protestbewegung auch in katholischen Medien und Blogs ein Thema. Offizielle katholische Medien wie katholisch.de berichten distanziert über diese indifferente Sammelbewegung der angeblichen "Wutbürger". Hingegen werfen einige katholische Blogger wie der Kreuzknappe oder auch Peter Winnemöller "linken Mainstreammedien",  "nichts kapiert zu haben" oder gar "Etikettenschwindel" vor. Sie rechtfertigen den "#Aufschrei der Bürgerseele". ("Seele" des Stammtischbürgers wäre richtiger). Aber es gibt auch katholische Blogger, zum Beispiel Sr. Barbara, die wie ich dies anders sehen.

Worum geht es eigentlich der Pegida-Bewegung? Trotz der vielen Berichte in Internet, Funk und Fernsehen weiß man nichts genaues. Die Initiative "Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes" gibt uns auf ihrer eigenen Facebook-Seite auch keine genaue Auskunft, wie sie die angebliche Islamierung Europas verhindern will.

Genau das ist auch Grund genug, dass man sich als Christ einer solchen Sammelbewegung gegenüber nicht wohlwollend sondern  kritisch verhalten muss. Sie besteht aus Leuten, die aus ganz unterschiedlichen Gründen demonstrieren, zum Beispiel auch aus Angst vor noch mehr Zuzug von Fremden. Fremdenfeindlichkeit widerspricht aber dem christlichen Gebot der Nächstenliebe. Dieses Gebot gilt auch Menschen gegenüber, die nicht den gleichen Glauben teilen.

In der jetzigen Phase kann von einer Islamisierung Europas - im Gegensatz zum Irak und Syrien - noch gar keine Rede sein. Niemand wird gezwungen, zum Islam zu konvertieren, zu fliehen oder Nachteile in Kauf zu nehmen. Es ist auch nicht zu erwarten, dass Kirchen, Tempel oder Synagogen zerbombt. oder Leute zum Tod verurteilt werden, weil sie eine Bibel besitzen. Dies ist woanders an der Tagesordnung. Nicht wenige der PEGIDA-Demonstranten sind dem katholischen und christlichen Glauben ebenso fremd wie dem Islam gegenüber. Im Kernland der PEGIDA-Bewegnung, dem Freistaat Sachsen, ist 75% der Bevölkerung konfessionslos.

Glaubens- und Bekenntnisfreiheit ist elementarer Grundsatz aller großen christlichen Glaubensgemeinschaften und zum Glück auch (noch) fast aller europäischer Staaten. Die Gefahr, dass dieses Recht infrage gestellt wird, geht nicht nur von islamistischen Extremisten aus. Im gleichen Maße ist sie durch den Relativismus einer hedonistischen Gesellschaft bedroht, welche zunehmend jegliche religiöse Betätigung aus dem öffentlichen Leben in den privaten Bereich verdrängt.

Natürlich darf nicht verschwiegen werden, dass der Anteil der muslimischen Bevölkerung ständig weiter anwächst. Hingegen verdunstet der christliche Glaube in den europäischen Gesellschaften. Beschleunigt wird dieser Prozess auch durch die demografische Entwicklung. Das Vakuum prädestiniert die zunehmende Bedeutung der muslemischen Bevölkerungsgruppen und den Einfluss ihrer Religion auf unsere Gesellschaften.

Doch mit Demonstrationen ist diese Entwicklung nicht aufzuhalten. Der nichtmuslemische Bevölkerungsteil ist nach seiner eigenen Identität gefragt. Wer europäische Kulturtraditionen erhalten will, kommt an der christlichen Religion  nicht vorbei. Was Europa braucht ist eine Neuevangelisation, keine Demonstrationsbewegung. Rettet die PEGIDA also unser christliches Abendland? Sicher nicht.

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