Sonntag, 28. Dezember 2014

Gedanken zur Sterbehilfe

Die Diskussion um eine würdevolle Sterbebegleitung gewinnt eine andere Dimension, wenn man selber mit der Wirklichkeit konfrontiert wird.

Ein Freund von mir erlitt vor vier Wochen einen Herzinfarkt. Er konnte nach 25 Minuten Herzstillstand wiederbelebt werden und liegt seitdem nun im Koma auf der Intensivstation in einem Krankenhaus. Ich war am zweiten Weihnachtstag bei ihm zu Besuch. Sein Zustand ist unverändert. Er war nicht ansprechbar. Die ganze Situation beschäftigt mich sehr.

 Wo ist seine Seele? Konnte er meine Gegenwart erkennen? Muss er leiden? Auch die Frage, welchen Sinn die Aufrechterhaltung seines Lebens überhaupt hat. Er wird künstlich ernährt und mit Sauerstoff versorgt. Die medizinische Technik ermöglicht überhaupt sein Weiterleben. Ohne die Versorgung wäre er längst verstorben.

 Unser christlicher Glaube verbietet uns, jemanden beim Suizid zu unterstützen oder das Leben von jemanden aktiv zu beenden. Andererseits ist passive Sterbehilfe durchaus moralisch vertretbar (siehe Beitrag auf katholisch.de), wenn dies im Sinne eines "Sterbenlassens" erfolgt. Diese Problematik hätte es früher nicht gegeben, da die medizinische Versorgung nicht in der heutigen Form möglich war.

Mein Onkel erlitt vor dreißig Jahren ebenfalls einen Herzinfarkt, konnte allerdings nicht am Leben erhalten werden. Umso schwieriger wird die Situation für die nächsten Angehörigen meines Freundes. Der Zustand des Komas kann lange dauern. Die Hoffung, dass mein Freund wieder aufwacht wechselt ab mit der Verzweiflung, dass er nie wieder der Alte sein wird.

Als Christen können wir solche Situationen nur in die Hand Gottes legen. Er ist der Herr über Tod und Leben. Und er kennt alles Leid. Herr, erbarme dich meinem Freund und allen anderen Sterbenden sowie ihren Angehörigen. Schenke uns allen eine gute Sterbestunde. Und führe uns ins Leben, entweder irdisch oder himmlisch. Amen!

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