Sonntag, 14. Dezember 2014

Gaudete! Freud und Leid, wie passt das zusammen?

Vor einigen Tagen erhielt ich einen Anruf von den Eltern eines alten Freundes. Mein Freund habe einen Herzinfarkt erlitten. Er sei zwar wiederbelebt worden, aber nicht wieder aus dem Koma erwacht. Die Eltern baten mich, den Freund im Krankenhaus zu besuchen. Sie hoffen, dass mein Freund eventuell wieder aufwacht, wenn er mich hört.

Am heutigen 3. Adventssonntag habe ich die Zeit, meinen Freund im Bremer Krankenhaus zu besuchen. Der Weg ins von mir 70 km entfernte Bremen wird nicht leicht. Mit meinem Freund habe ich zusammen meine gemeinsame Schulzeit verbracht und meine erste Rock Blues Band gegründet. Er ist einer der wenigen Mitschüler, mit denen ich auch lange nach der Schule noch befreundet bin. Auch in einer schwierigen Situation war er da und hat mir geholfen. 

Nun ist es umgekehrt. Jetzt steht sein Leben auf der Kippe und ich bin ein wenig hilflos. Wie kann ich, wie können wir, die ihn lieben, ihm helfen? Diese Fragen stellen sich auch dem gläubigen Menschen vor Gott.  Und dies gerade am Gaudete-Sonntag, dessen Botschaft lautet: "Freut euch im Herrn, der Herr ist nah!" 

In diesem Moment fühlt man sich meilenweit entfernt vom Herrn. Warum lässt er dies zu? Diese Fragen kommen in den Sinn.  Aber dies ist eine falsche Blickrichtung. Sie verwirft, dass Gott der Herr über Leben und Tod ist. Und dass das irdische Dasein nicht das Ende sondern der Anfang zu noch Größerem ist. Die Ewigkeit. Ich kann meinen Kumpel auch weiterhin besuchen und für ihn beten. Freundschaft endet nicht mit dem Tod. Vielleicht geschieht noch ein Wunder und mein Freund wacht wieder auf? Gott ist nichts unmöglich, sagt der Erzengel Gabriel der Gottesmutter Maria. Und auch uns Menschen.

Am heutigen Sonntagmorgen erhielt ich aber auch einen weiteren erfreulichen Anruf. Ein Sängerbruder hat sein drittes Kind bekommen. Bei uns in Südoldenburg ist es Sitte, dass die Nachbarschaft und die Freunde zum "Kind pissen lassen" den Vater zu einem kleinen Umtrunk besuchen und ihm zu gratulieren. Wieder eine gewisse Botschaft: Freud und Leid liegen nahe bei einander. Auch hier ist Beten angesagt: Gott zu danken für einen neuen Menschen und für die Familie zu beten. In diesem Falle darf man sich allerdings wirklich freuen. Gaudete  semper in domino!





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