Sonntag, 21. Dezember 2014

Die Taufe: Was Katholiken und Protestanten eint und trennt

Selten habe ich die Gelegenheit, an einem evangelischen Gottesdienst teilzunehmen. Als lokaler Berichterstatter war ich an diesem 4. Adventssonntag zu einem feierlichen Gottesdienst anlässlich der Einweihung eines Taufbeckens und Ambos unserer evangelisch-lutherischen Nachbargemeinde eingeladen.

Nun gibt es zwischen katholischen und evangelischen Christen vieles, was uns verbindet. Der Glaube an den dreifältigen Gott. Und die Taufe, die von allen christlichen Kirchen gegenseitig anerkannt wird. Gebete wie das Vater Unser, die wir gemeinsam beten können. Und das Glaubensbekenntnis, welches sich nur minimal, aber dennoch in einem wesentlichen Punkt unterscheidet: Dem Bekenntnis zu der Kirche, der wir angehören.

Die Gottesdienstfolge unterscheidet sich ebenfalls in beiden Konfessionen. Schön sind die vielen Gesänge bei unseren  evangelischen Schwestern und Brüdern, die Schriftlesungen und der Psalm. Sogar ein Schuldbekenntnis gibt es am Anfang des evangelischen Gottesdienstes, wenngleich dies sich stark von unserem Schuldbekenntnis, welches in vielen katholischen Gemeinden leider sehr selten gebetet wird, ziemlich unterscheidet. Also kennen auch evangelische Christen Schuld und Sünde.

Interessant war für mich die Predigt des evangelischen Pfarrers über die Taufe. Er wies auf die Bedeutung des Taufbeckens hin, welches uns ständig an unsere eigene Taufe erinnern möge. Die Taufe schenke uns das "Neue Leben". Als Christen seien wir geliebt von Gott. Wenn wir uns durch Sorgen und Nöten, auch in Schuld belastet fühlen, sollten wir uns an unserer Taufe erinnern, riet der Pfarrer. Die Taufe sei wie ein Wasserzeichen in einem Geldschein. Unauslöschlich.

Dies sieht der gläubige Katholik allerdings anders. Zwar glauben wir als Katholiken ebenfalls an das unvergängliche Siegel des Taufsakraments.  Aber wir glauben, dass wir unsere Taufgnade verlieren, wenn wir sündigen. Die vielen kleinen und besonders die schweren Sünden trennen uns von Gott. Dabei ist jedoch nicht das Essen von zuviel Süßigkeiten gemeint. Das Taufsiegel ist uns von Gott her für alle Ewigkeit geschenkt, die Taufgnade kann aber von uns sündigen Menschen durchaus wieder erlöschen, obwohl wir getauft worden sind.

Auch in meinen eigenen Glaubensleben spüre ich dies immer wieder. Wenn ich gesündigt habe, beschädigt dies auch meine Spritualität. Das Beten fällt mir schwerer, auch falle ich leichter in schlechte Verhaltensweisen, was zu einer Spirale ohne Ende führt. Ich merke, dass ich Gottes Hilfe brauche, um meine Freundschaft mit ihm zu erneuern.

Daher sind wir als Katholiken gerade vor Weihnachten und Ostern, aber auch sonst im Jahresverlauf immer wieder aufgefordert, in uns zu gehen und unser Gewissen zu erforschen, ob uns etwas im Denken, Reden und Handeln von Gott getrennt hat. Die Sünden bekennen wir im Bußsakrament, dem Sakrament der Versöhnung, vor Gott, welcher uns die Vergebung der Sünden schenkt.

Nach dem Gottesdienst bin ich zur Bußandacht mit persönlicher Andachtsbeichte und Lossprechhung durch den Priester in unsere katholische Pfarrkirche gegangen. Wie froh und erleichtert war ich, als ich nach der Lossprechung durch den Priester die Gewissheit spürte, dass Gott all meine Sünden vergeben und durch sein Kreuzesopfer gesühnt hat. Für mich ist die Beichte verbunden mit der Gewissensprüfung ein Sakrament, für das ich sehr dankbar bin. Auch am heutigen Adventssonntag habe ich wieder gespürt: Nach der Beichte bin ich wieder frei für die richtige Weihnachtsfreude.

Eine Erfahrung, die uns praktizierenden Katholiken von evangelischen Christen unterscheidet! Ein Unterschied, auf den ich nicht verzichten möchte.

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