Dienstag, 18. November 2014

Talent und unfruchtbarer Austausch

Zwei gegenläufige Botschaften prägen mich diese Woche. Zum einen die Predigt im Sonntagshochamt von unserem Pfarrer über das Evangelium. Jesus erzählt seinen Jüngern ein Gleichnis: Ein Mann geht auf Reisen und vertraut seinen Dienern sein Vermögen an (Matthäus 25,14-30). Diejenigen, die dessen Vermögen ("Talente") am besten "verzinsen", belohnt er, derjenige, der sich aus Furcht vor dem Risiko sein Vermögen eingräbt, nimmt er alles und gibt es denjenigen, die bereits viel haben. "Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen." Mit diesen harten Worten endet die Epistel.

Wie so oft erhält man bei der Betrachtung und Auslegung der Heiligen Schrift immer wieder neue Botschaften des Herrn. Unser Pfarrer legte für mich überraschenderweise als wichtigstes "Talent" die Beziehung zu Jesus aus. Darauf war ich noch nicht gekommen. Denn auf die persönliche Beziehung zu Christus kommt es in unserem Leben an. Menschen, die nicht mehr beten, würden vielleicht zunächst noch formal Christen bleiben. Später würden sie die Verbindung zum Glauben völlig verlieren, keine Sakramente mehr empfangen und auch ihr alltägliches Verhalten dem Christlichen widersprechen. Kein Glaube also ohne Gebet, persönliche Christusbeziehung und ohne Sakramente

Zum zweiten war es ein Briefwechsel mit einem Katholiken, der auf meinen Blogbeitrag "Der große Wirbel um die katholische Ehe" reagierte. Er stellte meine Ansichten zur Sexualmoral der katholischen Kirche in Frage. Das ist völlig in Ordnung! Ich bin schließlich nicht das Lehramt der Kirche. Allerdings: es gibt ein Lehramt der katholischen Kirche, welches deutliche Aussagen zum Thema macht. Mein Briefpartner sagte, dass er am "Rande der Kirche" stehe aber durch die offene und menschliche Art von Papst Franziskus beeindruckt werde. Er hoffe auf eine "Reform" der Kirche. Er lehne Katechismen grundsätzlich ab, weil sie den Glauben in "Beton" gießen würden.

Er gebe zu, dass er sonntags nicht regelmäßig zur Kirche gehe. Er sei durch die vielen Missstände in der Kirche verletzt und fordere mehr Offenheit, zum Beispiel gegenüber Wiederverheiratete und Homosexuelle. Es wechselte an Argumenten eine Email nach der anderen hin und her. Das Ergebnis blieb für beide unbefriedigend. Was verbindet uns Katholiken mit einander, wenn es nicht die katechetischen Grundlagen sind, die die Kirche uns schenkt: Die Heilige Schrift und der Katechismus, der uns in den Glauben der katholischen Kirche einführt? Wer dies infrage stellt, mit dem wird ein Austausch unfruchtbar.

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