Sonntag, 9. Juli 2017

Gebetsvigil während des G20-Wochenende in Hamburg auf Twitter

Wohl kaum ein Mensch, der die Ereignisse rund um den G20-Gipfel in Hamburg in den Medien verfolgt hat, war nicht geschockt. Was uns vorgeführt wurde, war die reine Hölle, wie man es im Volksmund nennt. Bezeichnenderweise gaben die Organisatoren ihrer eigenen Demonstration den Namen ">Welcome to Hell (Willkommen in der Hölle)".

Kriminelle Polithooligans (sind es vielleicht sogar die gleichen, die europaweit in Fußballstadien randalieren?) verwüsteten ganze Straßenzüge und gefährdeten Leib und Leben anderer Menschen. Die Polizei war zeitweise nicht in der Lage, ihrer Herr zu werden. Die Nacht wurde zum Triumph dämonischer Gewalttäter, denen auch wir an den Fernsehern machtlos gegenüber standen. Aus religiöser Sicht war hier eindeutig Satan im Spiel.

Für mich persönlich wurde die dunkle Szenerie auch noch verschärft, weil am Freitagabend in meinem Dorf  - und damit auch in meinem Haus -für wenige Minuten komplett der Strom ausfiel. Ich erinnerte mich an die Worte des hl. Paulus, die er an die Thessalonicher richtete: "Betet ohne Unterlass!" Als Christen sind wir berufen, der Bosheit mit der Waffe unseres Gebetes zu begegnen. Auch der Engel von Portugal beschwörte die Kinder zum ständigen Gebet:

"Was macht ihr? Betet, Betet viel! Die heiligsten Herzen Jesu und Mariens haben mit euch Pläne der Barmherzigkeit vor. Bringt dem Allerhöchsten ständig Gebete und Opfer dar."

So begann ich am Freitagnachmittag auf Twitter, bis in den späten Abend Gebete zu posten. Ich betete das >"Gebet um Frieden" unseres Papstes Franziskus, >"Mach mich zum Werkzeug des Friedens" vom hl. Franziskus, die >"Friedensbitte", das >"Gebet um dem Frieden" von Heinz Pangels, >Gebet von Mutter Teresa sowie Psalmen aus der Bibel.

Als die Gewalt eskalierte und das Wirken des Gewaltdamons immer deutlicher zum Vorschein geriet, betete ich das >Gebet an den Erzengel Michael. Bevor ich ins Bett ging, betete ich noch einmal um Fürsprache bei meinem Schutzpatron, den >hl. Georg, den Drachentöter, dass der Drache der Gewalt getötet werde.

Auch am Samstagabend setzte ich meine Gebetsvigil auf Twitter fort. Ich betete zuerst die Vesper, das Abendgebet der Kirche. Danach betete ich die >Pfingssequenz "Komm herab, du heiliger Geist, der die dunkle Nacht zereißt", >"Atme in mir, du hl. Geist" (Hl. Augustinus), >"Seele Christi" (Hl. Ignatius von Loyola) und das altwürdige >Mariengebet "Unter deinem Schutz und Schirm".

Da sich abzeichnete, dass der Drache der Gewaltexzesse am Samstag Abend offebar nicht mehr die Oberhand gewann und die Nacht friedlich verlaufen zu schien, beendete ich meine Vigil mit einem letzten >"Gebet um Frieden" (Bruder Klaus).

Insgesamt habe ich an den beiden Tagen ca. 300 Gebetstweets gepostet. Sie waren alle mit den Schlüsselwörtern #G20HH2017, #wellcometohell, #prayforhamburg oder den von mir am Samstag ins Leben gerufenen #g20vigil versehen und für Menschen sichtbar, die sich mit dem Thema G20 auf Twitter beschäftigten. Ich bekam von vielen Followern und Lesern positive Resonanz auf meine Gebetsaktion. Insgesamt bereicherte mich aber das Gebet auch persönlich sehr.

Wenn es zu außergewöhnlichen Krisenereignissen wie am vergangenen Wochenende in Hamburg kommt, werde ich ähnliche Gebetsvigilien bestimmt wieder halten. Vielleicht gibt es auch andere, mit denen man sich auf Twitter im Gebet verbinden könnte, sodass wir eine gemeinsame Kette des Gebetes bilden.

Mittwoch, 5. Juli 2017

Das sterbende "C" im Regierungsprogramm der CDU

Wieviel "C" ist noch im Markenkern der CDU enthalten? Nicht nur bei dem politischen Ränkespiel um die Knall über Fall herbeigeführte "Gewissensentscheidung" für die sogenannte "Ehe für alle" im Bundestag entstanden Zweifel an ihrer christlichen Wertorientierung. Immerhin 75 von 310 CDU-Bundetagsabgeordneten, mehr CDU-Abgeordnete als Abgeordnete der Grünen und Linken, sprachen sich für die Öffnung der Ehe auch für homosexuelle Paare aus und gaben damit den besonderen Schutz der Ehe von Mann und Frau auf. Ganz im Gegensatz zur Lehre der katholischen Kirche, nach dem die Ehe nur von Mann und Frau geschlossen werden kann.

Aber auch im kürzlich veröffentlichten >Regierungsprogramm der CDU 2017-2021 ist von einer Orientierung am christlichen Menschenbild nur noch am Rande die Rede. Ganz im Gegensatz zum vorherigen >Regierungsprogramm 2013-2017, in dem die CDUsich noch an mehreren Stellen ausdrücklich dazu bekannte:
" Denn als Parteien mit einem christlichen Menschenbild vertrauen wir den Menschen und ihren Entscheidungen. Rot-grüne Bevormundungspolitik lehnen wir ab."
"Die Entwicklungspolitik von CDU und CSU ist wertebestimmt und liegt zugleich im Interesse Deutschlands. Sie beruht auf unserem christlichen Bild vom Menschen und der Solidarität mit den Armen und Unterdrückten."
"Dieses Programm ist unser Angebot für einen erfolgreichen Weg in die Zukunft. Unsere Politik ist geprägt vom christlichen Menschenbild."
Im Regierungsprogramm 2017 bekennt sich die CDU hingegen nur noch an einer Stelle ausdrücklich zum christlichen Menschenbild:
"CDU und CSU verbindet das christliche Menschenbild, in dem der Mensch im
Mittelpunkt steht und die Würde des Menschen unantastbar ist. Uns eint ein
gemeinsames Wertefundament und das Bekenntnis zur Sozialen Marktwirtschaft.
Unsere Wurzeln sind christlich-sozial, liberal und konservativ. Auf dieser Grundlage
gestalten wir seit vielen Jahrzehnten erfolgreich Politik."
Dass sich die CDU längst nicht mehr am christlichen Menschenbild orientiert, zeigt sich an vielen Inhalten im Programm. Beispielhaft wird dies beim Thema Familie am deutlichsten:
"Familien und Kinder sind unser großes Glück. Wenn zwei Menschen füreinander da
sind und Verantwortung übernehmen, leisten sie einen Beitrag zu einer menschlichen
und stabilen Gesellschaft"
Hier wird offen gelassen, ob es sich um eine eine Partnerschaft von Mann und Frau handelt. "Weiter heißt es:
"Wir schreiben Familien kein bestimmtes Familienmodell vor. Wir respektieren die
unterschiedlichen Formen des Zusammenlebens. Menschen sollen selbst entscheiden,
wie sie ihr Zusammenleben gestalten und ihren Alltag organisieren..."
Auch hier distanziert sich die CDU ganz klar von einem christlichen zugunsten einen liberalen Verständnis vom Begriff der Familie.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Wenn die Ehe zur Abstimmungssache wird ...

In den letzten Tagen gab es den längst erwarteten Dammbruch. Kanzlerin Merkel hat einer namentlichen Abstimmung über die "Ehe für alle" zugestimmt. Es wird erwartet, dass mit den Stimmen vieler CDU-Abgeordneter die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet wird.

Für mich als gläubiger Katholik und CDU-Parteimitglied ist dies eine schwerverdauliche Entwicklung. Schließlich bin ich von einer zumindest noch rudimentär vorhandenen christlichen Grundorientierung der CDU ausgegangen. Der hervorgehobene Schutz der Ehe von Mann und Frau und der Familie gegenüber allen anderen Lebensformen war bislang ein Markenkern einer Christlich Demokratischen Union. Nun fand innerhalb weniger Tage eine 180 Grad Kehrtwendung in der CDU-Politik statt.

Parteiintern rückten immer mehr CDU-Mitglieder, Amtsinhaber in der CDU und CDU-Abgeordnete schon lange still und leise vom ursprünglichen Standpunkt der CDU zu Ehe und Familie ab. Unsere örtliche CDU-Bundestagskandidatin hatte auf dem ->CSD in der hiesigen Kreisstadt sehr viel Spaß und wandte sich in einem Beitrag auf ihrer Facebookseite launig gegen "einen verklemmten und verbissenen Rechtspopulismus" und für "eine offene und tolerante Gesellschaft ", was immer sie damit meinen mag. Meine Rückfrage, ob sie denn für die "Ehe für alle" sei, beantwortete sie mir nicht. Sie fügte ihrem Beitrag Bilder von der Veranstaltung der Homoszene unserer Region, auf denen sie und der Vorsitzende unseres CDU-Kreisverbandes sich bestens amüsierten.

Auch in der CDU gibt es viele Geschiedene, Patchworkfamilien und last but noch least die ->LSU (Lesben und Schwule in der Union), die schon lange die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare fordert. Vielen CDU'lern ist das Thema "Ehe" entweder nicht so wichtig oder gar sogar so unangenehm, dass sie es am liebsten unter dem Tisch kehren möchten. "Wenn sie es unbedingt wollen, die Homos, dann lasst ihnen doch die Ehe", denken viele, auch wenn die wenigsten von ihnen selbst eine Homopartnerschaft eingehen würden. Die Gegner der "Homoehe" haben sich zurückgezogen, oder haben sich längst aus der CDU verabschiedet. Innerhalb der CDU gab es nie eine ernsthafte Diskussion über dieses so wichtige Thema. Die Parteileitung gab die Richtung vor. Und zuletzt einfach die Kehrtwendung.

Dabei ist Ehe und Familie eine entscheidende Frage, wie das Leben im 21. Jahrhundert gestaltet werden wird. Die Entscheidung für die "Ehe für Alle" signalisiert, dass es zur Mehrheitsentscheidung wird, wer zur Ehe zugelassen wird oder nicht. Denkbar wären auch Kinder- oder Vielehen, wenn die Moralvorstellungen in der Bevölkerungsmehrheit sich ändern. Diese Formen sind in unserer Zeit noch genauso indiskutabel, wie die Homoehe es zur Zeit meiner Kindheit noch war. In anderen Ländern sind Kinderheiraten und Mehrehen durchaus üblich. Je mehr wir uns zur multikulturellen Gesellschaft entwickeln, desto mehr werden diese Themen auf die Tagesordnung gehoben werden.

Wie gehe ich als Christ und CDU-Parteimitglied mit der aktuellen Lage in der Partei um? Das ist keine leichte Frage. Viele enttäuschte Christen haben die CDU bereits verlassen. Sie haben damit allerdings weder die Entchristlichung in unserer Gesellschaft noch der CDU-Politik aufhalten können. Andere sind geblieben. Ihr Einfluss sank in der Partei zunehmend. Aber sie sind noch Teil in der CDU. und können innerhalb der Partei Impulse setzen. So sehr man mit der Entwicklung der CDU enttäuscht ist, darf man ihre wichtige Rolle in unserer Gesellschaft nicht vernachlässigen. Ich kann den Austritt von Konservativen aus der CDU wegen ihrer Profillosigkeit durchaus nachvollziehen. Allerdings nicht verstehen kann ich eine Hinwendung zur rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen AfD. Sie ist keine Alternative, denn sie basiert auf gar keinem christlichen Fundament.

Umso wichtiger ist die Rolle der katholischen Kirche, die an der christlichen Ehe und Familie von Vater, Mutter und Kinder festhält. Sie ist ein Gegenpol zu einer Gesellschaft, die immer mehr an Orientierung verliert. Ihre Aufgabe ist es, die Bedeutung der christlichen Ehe und Familie in unserer Gesellschaft neu aufleuchten zu lassen.

Aus meinem Blog: ->Warum ich als Single gegen die "Homo-Ehe" bin

Donnerstag, 15. Juni 2017

Das bescheidene Fronleichnamsfest

In unserer Pfarrgemeinde gibt es vier Kirchen und Filialgemeinden, In allen Kirchorten findet (noch) eine Fronleichnamsprozession statt. Doch diejenigen, die noch mit feiern, werden immer weniger. So prunkvoll die Feste auch gestaltet werden, so bescheidener werden sie.

Dieser Gedanke bedrückte mich heute, als ich unsere Kirche betrat. Zog man die Leute ab, die in irgendeinerweise am Fest beteiligt waren, die zahlreichen Fahnenträger, Mess- und Altardiener, Baldachinträger, die Kommunionkinder mit ihren Eltern, der Musikverein und Chor war es nur ein kleines Häuflein an Gläubigen, die noch am Fest teilnahmen. Dabei ist Fronleichnam ein Hochfest unserer Kirche.

Wir feiern, dass Christus uns im Allerheiligsten Sakrament gegenwärtig ist. In Niedersachsen ist Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag, es ist ein ganz normaler Arbeitstag. Das ist sicher auch ein Grund dafür, dass nur wenige Menschen noch abends an der Messe und Prozession teilnehmen möchten. In einigen Filialgemeinden zieht die Gemeinde schon am Mittwochabend vor Fronleichnam durch ihr Dorf. Warum macht man das nicht alles zusammen in einer Kirche, fragte ich mich, dann wäre sie vielleicht voll, und das Fest würde an Prunk gewinnen.

Ich brachte dies im Gebet vor den Altar und bekam in der Predigt eine Antwort. Fronleichnam sei in in seinem Wesen ein sehr bescheidenenes Fest, predigte unser Pfarrer, Denn der allmächtige herrliche Gott verwandle sich in unscheinbares Brot, um uns Menschen nahe zu kommen. Er, dessen Begegnung wir in seiner Allmacht, Herrlichkeit und Größe nicht ertragen könnten, werde uns zur Nahrung, um uns zu stärken., erklärte uns der Priester. Niemand könne dieses Wunder begreifen, niemand könne erklären, wie Christus zu Brot wird. Niemand könne von sich behaupten, dass er Gott im Brot erkenne und ganz erfasse. Wir könnten nur gläubig dieses Wunder annehmen, weil Christus uns selbst dies offenbart hat. dieser Glaubenwahrheit könnten wir nur selber sehr bescheiden und demütig uns verneigen und Gott dafür danken.
26Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib.
27 Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus;
28 das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. (Matthäus 26, 26 ff)
Das Fronleichnamsfest sei eine Provokation für unsere Gesellschaft, in der jeder meint, ohne Gott auszukommen und alles aus eigener Kraft zu erreichen. Diesen Gedanken nahm ich mit mir, als wir mit unserer kleinen Gruppe mit dem Allerheiligsten durch die Straßen an die vier Stationen mit festlich geschmückten Altären zogen, an denen niemand mehr von uns Notiz nahm. Wie wichtig ist es, dass der eucharistische Herr an diesen Orten erscheint, wo die Menschen Gott vergessen haben. Insofern sollten die Prozessionen in allen Orten stattfinden, solange es irgendwie möglich ist.

Sonntag, 7. Mai 2017

Treffen mit der Gebetsgemeinschaft Lebendiger Rosenkranz

Jungfrau von Guadalupe
Patronin der Gebetsgemeinschaft
"Lebendiger Rosenkranz"
Ganz im Zeichen des 100jährigen Jubiläums Unserer lieben Frau von Fatima stand das Treffen unserer Gruppe der >Gebetsgemeinschaft "Lebendiger Rosenkranz", welches an diesem Sonntag wieder stattfand, diesmal in unserer Pfarrei. Viele Beter waren in unsere Pfarrkirche gekommen, um zunächst mit einer Rosenkranzandacht zu beginnen. Anschließend hielt Kaplan Thomas Kathmann im Pfarrheim einen Vortrag über die Ereignisse und >Geheimnisse von Fatima.

Die schöne Frau vom Rosnkranz begegnete drei Hirtenkinder und führte sie in die drei Geheimnisse ein. Sie trug ihnen (und uns) auf, täglich den Rosenkranz zu beten für die Umkehr der Sünder. Ihr eindringlicher Aufruf ist noch heute aktuell: Betet viel!

Der Kaplan gab einen geschichtlichen Abriss der Ereignisse von 1917 bis heute und legte dar, dass das Gebet eine große Macht ist, von dem der Friede ausgeht. Er führte aus, dass das Gebet des Rosnkranzes christologisch ist, uns mit dem Heilswirken Christi verbindet, dass wir in allen Rosenkranzgeheimnissen betrachten.

Zum Abschluss erhielten die Teilnehmer noch viele Anregungen und Einladungen aus Anlass des 100 jährigen Jubiläums Unserer lieben Frau von Fatima. Zum Beispiel findet am 13. Mai aus diesem Anlass eine Wallfahrt von Münster nach Telgte mit einem Pontifikalamt mit Weihbischof Zekorn statt. (>mehr Infos ...). Kaplan Thomas Kathmann begleitert im Herbst auch eine Pilgergruppe nach Medjugorje.

Mit Kaplan Kathmann, der aus unserer Pfarrgemeinde stammt,  verbindet mich, dass er einer der wenigen Priester ist, von dem ich einen >Primizsegen erhielt. Als ich ihm das mitteilte und sagte, dass ich für ihn bete, freute er sich.

"O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden!
Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle!
Führe alle Seelen in den Himmel,
besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.
Amen." >Fatimagebet

Mittwoch, 26. April 2017

Gebet von Bischof Dr. Felix Genn zum Katholikentag 2018 in Münster

Im kommenden Jahr findet der Katholikentag in Münster statt. Mit Spannung erwarten wir dieses Ereignis auch als Katholiken im Oldenburger Land, dem Niedersächsischen Teil im Bistum Münster. Wenngleich die Bistumsstadt gute 110 Kilometer entfernt liegt, also räumlich nicht gerade um die Ecke ist. Die westfälische Friedensstadt lädt Katholiken und andere Interessierte aus allen Regionen ein und ist ein garantiert hervorragender Gastgeber, da bin ich sicher. Unser Bischof Felix greift das Thema "Frieden" auf, welches in der Tradition der Stadt eine so wichtige Rolle spielte. Auch im wirklich wunderschönen Gebet zum Katholikentag spielt die Bitte um Frieden die zentrale Rolle. Wie wichtig ist es doch in der derzeitig so unsicheren Zeit, Und auch in unserer so zerrissenen und zerbeulten Kirche. Gerne teile ich es mit den Lesern meines Blogs und bete es mit allen gut meinenden Menschen zusammen:

Samstag, 22. April 2017

Kann das Gebet politisch sein?

Aktuell läuft gerade der AfD-Parteitag in Köln. Dies haben viele Gruppierungen zum Anlass genommen, gegen die rechtspopulistische Partei zu protestieren. Auch aus Teilen der katholischen Kirche gab es hierzu Aufrufe. Wenngleich ich selber politisch gegen die AfD aktiv bin und ihren fremden-, menschenfeindlichen und populistischen Forderungen kritisch eingestellt bin, betrachte ich solche Aufrufe immer mit ein wenig Bauchschmerzen. Warum sind diese Gruppierungen bei anderen  aus christlicher Sicht problematischen Themen so leise? Ich denke da an die Gentechnik, Sterbehilfe, Lebensrecht für Ungeborene, Armut, Terror, Kirche und Krieg, soziale und geistliche Verarmung von Teilen unserer Gesellschaft? Wäre es nicht unsere Aufgabe, überall unsere Stimme zu erheben?

Im Prinzip sollte jeder Christ sich bei allen Themen laut und vernehmbar im Sinne des Evangeliums einsetzen. Gegen eine Teilnahme jedes einzelnen Christen an Demos habe ich keine Einwände. Aber es ist nicht Aufgabe der Kirche, sich an Demonstrationen zu beteiligen. Es ist ihre Aufgabe, das Evangelium zu verbreiten. Das Gebet kann eine Quelle eines politischen Handelns eiens Christen sein sein, denn es ist die Quelle der Liebe, in der Gott uns zuerst begegnen und segnen möchte. Das Gebet ist als erstes einmal das "Gespräch" zwischen dem Beter und dem Allmächtigen. Kann es zugleich Instrument politischen Handels werden?
  • die Fürbitte, das Gebet im Anliegen anderer Menschen hat eine lange Tradition: Schon Mose bittet Gott um Gnade für sein treuloses Volk. Das Gebet für Kranke, Verfolgte und Verstorbene ist fest verankert im Glauben der Kirche. 
  • Eine sehr politische Mission hatte zum Beispiel die Gebetsgemeinschaft ">Sühnekreuzzug für den Frieden der Welt", die 1947 in Wien gegründet wurde. Nicht wenige schreiben dieser Gebetsgemeinschaft den "Erfolg" zu, dass 1955 den Staatsvertrag erhielt, welches dem Land die Unabhängigkeit zusicherte. Leider "reichte" die Zahl der Beter nicht aus, den Bau der Mauer in Deutschland im Jahr 1962 zu verhindern..
  • dem Beten und Wirken des hl. Papst Johannes Paul II. schreiben nicht wenige zu, dass die Teilung Europas wieder aufgehoben wurde.
  • Auf dem Katholikentag 1968 in Essen wurde das "Politische Nachtgebet" Teil der "Liturgie", wie >Wikipedia ausführt, aus der eine "gottesdienstliche Tradition" entstanden sei. Diese "ökumenische Gebetsgemeinschaft" wurde durch die Theologie von Dorothee Sölle geprägt, aber sowohl von der damaligen katholischen wie evangelischen Kirchenleitung kritisiert.
  • anlässlich des AfD-Parteitags in Köln hatten mehrere christliche Organisationen zu einem "Politischen Nachtgebet" aufgerufen. Der Generalsekretär des "Zentralkommitees der deutschen Katholiken" Dr. Stefan Vesper erklärte in einem Interview mit >domradio.de, es handle sich hierbei um eine "alte Gebetsform, die man in den 1960er bis 1970er Jahren entwickelt hat, die das politische Nachdenken und das politische Reflektieren  mit dem Gebet, dem "Sich-Vergewissern" und dem strittigen Gespräch verbindet."
Wobei ich nun wieder bei der Frage lande, was das nun mit dem Gebet zu tun haben soll? Leider gibt es keine Videos oder Berichte über diese Veranstaltung, aber ich bezweifele, dass hierbei überhaupt Gebete an Gott gerichtet wurden. Es handelte sich eher um eine öffentlichkeitswirksame Form des Protestes gegen die AfD.
5 Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 6 Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. 7 Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. (Mt 6.5ff)
Was ist das Wesen des Gebetes? Es beinhaltet die Anerkennung des Allerhöchsten, der letztendlich allein weiß, was gut. Es besteht nicht nur aus dem Sprechen, sondern auch aus dem Hören auf den Willen Gottes. Die Anbetung Gottes führt dazu, dass "Frieden und Versöhnung" in uns wächst, wie auf Twitter eine Frau sehr schön formulierte. Sollte das Gebet das Gegenteil bewirken, ist dies ein Zeichen, dass unser Gebet nicht wirklich eines war, sondern etwas anderes.

Es kann nicht sein, dass Gebet als eine politische Waffe benutzt wird, zum Beispiel mit dem Rosenkranz an der Pforte einer Klinik gegen die Abtreibung zu protestieren und Leute beim Betreten der Klinik sogar zu nötigen. Was anderes ist es aber, im Anliegen des Schutzes ungeborenen Lebens einen Rosenkranz zu beten. Dabei wird es allerdings schnell zum Irrglauben, wenn der "Erfolg" dieser Gebetsaktion von unserem Gebet, nicht allein von der Gnade Gottes abhängig gemacht wird.